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Der Papst beim Angelus Der Papst beim Angelus  (ANSA)

Angelus: Jesu Mitleid ist mehr als ein Gefühl

Der Blick Jesu auf die Menschen ist nicht kalt und abwesend, sondern voller Verständnis, und er setzt die Fürsorglichkeit Gottes für sein Volk in die Wirklichkeit um. So fasst Papst Franziskus das Evangelium von diesem Sonntag zusammen.

Markus berichtet (6,30-34), wie Jesus sich mit den Jüngern zum Gespräch an einen einsamen Ort zurückziehen wollte, doch die Menschen erfuhren davon und liefen voraus, sodass Jesus und die Jünger bei ihrer Ankunft im Boot eine große Menschenmenge sahen. Da „hatte er Mitleid mit ihnen“, heißt es im Evangelium, „denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.“

Sehen, Mitleid haben, lehren: das sind die „Verben des Hirten“, sagte der Papst. „Jesu Blick ist nicht neutral oder, schlimmer noch, kalt und distanziert, weil Jesus immer mit den Augen seines Herzens schaut. Und sein Herz ist so voller Mitgefühl, dass er noch die verborgensten Bedürfnisse der Menschen zu erfassen weiß.“ Auch sei sein Mitleid nicht bloß eine emotionale Reaktion auf eine Notlage, fuhr der Papst fort: „es ist die Haltung und Veranlagung Gottes gegenüber dem Menschen und seiner Geschichte. Jesus erscheint als die Verwirklichung von Gottes Fürsorge und Sorge um sein Volk.“

Hier zum Hören:

Franziskus rief dazu auf, Jesus nachzuahmen in Situationen, wie sie jeden Tag geschehen, wenn andere Menschen in einer Notlage unsere Pläne durchkreuzen. „Manchmal gelingt es uns nicht, unsere Vorhaben in die Tat umzusetzen, weil sich etwas Dringendes und Unvorhergesehenes dazwischenschiebt, das unsere Pläne durchkreuzt und uns Flexibilität und Verfügbarkeit für die Bedürfnisse anderer abverlangt“, so der Papst. Dann gelte es, sich zu verhalten wie Jesus, der aus dem Boot stieg und angesichts der vielen, die ihm vorausgeeilt waren, Mitleid hatte, weil sie wie Schafe ohne Hirten waren.

 

Sehen, Mitleid haben, lehren: das sind die „Verben des Hirten“

 

Was Jesus dann in dieser konkreten Lage tat, war nicht etwa das Wirken von Wundern, sagte Franziskus. Nein: Jesus lehrte die Menschen. „Hier ist das erste Brot, das der Messias der hungrigen und verlorenen Menge anbietet: das Brot des Wortes“, so der Papst. Christen bräuchten „das Wort der Wahrheit“, denn ohne die Wahrheit, „die Christus selbst ist“, sei es nicht möglich, die richtige Richtung im Leben zu finden. „Wenn wir uns von Jesus und seiner Liebe entfernen, verlieren wir uns selbst und unsere Existenz wird zu Enttäuschung und Unzufriedenheit.  Mit Jesus an unserer Seite können wir mit Zuversicht vorangehen und Prüfungen überwinden“. Indem Jesus sich selbst zu einem Geschenk für andere machte, sei er ein „Vorbild der Liebe und des Dienstes für jeden“ geworden.

(Vatican News – gs)

22 Juli 2018, 12:03