Papst Paul VI. zu Beginn seines Pontifikats Papst Paul VI. zu Beginn seines Pontifikats  

Montinis Neffe: „Paul VI. war privat extrem herzlich“

Paul VI. galt zu seiner Zeit als spröder Papst, aber privat war er ein fröhlicher Charakter. Vatikan News hat mit seinem Neffen Fausto Montini telefoniert, der sich sehr darüber freut, dass der Onkel noch in diesem Jahr heiliggesprochen werden soll.

Gudrun Sailer und Fabio Colagrande – Vatikanstadt

„In unserer Familie war uns eigentlich immer klar, was für eine Größe mein Onkel hat“, sagt Fausto Montini, Sohn von Ludovico, dem großen Bruder von Papst Paul VI. „Jetzt, wo er der ganzen katholischen Welt als Heiliger vorgestellt werden soll, ist das eine Bestätigung, aber eben auch sehr aufregend.“

Giovanni Battista Montini, geboren 1897, war der mittlere von drei Söhnen einer bürgerlichen Familie aus Brescia in Norditalien, wo wir auch den Neffen erreichten. Im Gegensatz zum Eindruck vieler italienischer Gläubigen, die Paul VI. damals wie heute für einen zugeknöpften und rigiden Papst hielten, zeichnet Fausto Montini das Bild eines zugänglichen Menschen, „extrem herzlich, fähig zu wirklicher Zuneigung“, wie der Neffe sagt. „Für ihn waren die Freunde und Familienangehörigen tief in seinem Herzen. Zugleich hatte er einen gewissermaßen britischen Geist, kontrolliert und lebendig.“ Zwei von Papst Pauls besten Freunden waren, erinnert sich Fausto Montini, die Kardinäle Pignedoli und Bevilacqua, heitere Gemüter, ironisch und fröhlich, und aus dem selben Holz geschnitzt sei auch Papst Paul gewesen.

„Mir fällt ein Satz ein aus einem Brief, den er als junger Priester in Rom an die Familie zu Hause schrieb, 1922, es war während des Todeskampfes von Papst Benedikt XV. Da schreibt er: ,Ich gehe gleich zum Petersdom zurück, in den Petersdom geht man nämlich auch, um zu beten!´ Das war seine Ironie.“

 

Ein herzlicher und ironischer Papst

 

Als volkstümlicher Papst galt Montini nie. Er führte eine feine Klinge, reformierte im Großen und Kleinen, mit dem Konzil und an der Kurie, manchmal sichtbar, manchmal ohne viel Aufhebens; er legte die Papstkrone ab, kassierte den Index der Verbotenen Bücher. Manche nahmen ihm übel, dass er in einer Zeit rascher gesellschaftlicher Entwicklung nicht stärker auf den katholischen Traditionen des 19. Jahrhunderts beharrte. In den Augen seines Neffen war Paul VI. ein Papst, der das ihm anvertraute Volk liebte.

„Von seiner Seite war da eine komplette Hingabe, und umgekehrt, davon bin ich überzeugt, eine ebenso liebevolle Antwort vonseiten der Überzahl des Volkes Gottes.“ Kritik an Paul VI. wurde mitunter überzeichnet, so Fausto Montini. „Ich selbst habe einmal ihm gesagt, ich sehe so viel Bösartigkeit rundherum, da hat er mich unterbrochen und gesagt: Nein, nein, ich meine, du siehst das aus deinem Blickwinkel, aber ich sehe so viel Gutes.“

 

 

Öffentliche Verehrung für Paul VI. zeigte sich beispielsweise, als er aus dem Heiligen Land zurückkam. Montini war der erste Papst, der Apostolische Reisen unternahm, und die erste führte ihn an die Wirkungsstätten Jesu nach Israel und Palästina. Das war im Januar 1964 – das Konzil war noch nicht zu Ende.

„Diese erste Reise hat die ganze Christenwelt aufgewühlt – und nicht nur sie. Ein Papst, der aus dem Vatikan hinausging und dann gleich ins Heilige Land in einem Augenblick, wo es riesige Probleme lokalpolitischer Natur gab… ich habe noch die Fernsehbilder vor Augen, wo er in Jerusalem war, umringt von den Menschenmassen, es sah so aus, als huldigten sie ihm, und wir Familienangehörigen waren in Sorge, wir fürchteten um seine Unversehrtheit. Bei seiner Rückkehr nach Rom war es Nacht, und ich erinnere mich an die Fernsehbilder, das Flugzeug landete in Ciampino, und von da zum Vatikan gab es eine ununterbrochene Menschenschlange an der Straße, die sein Wagen nahm. Ähnlich war es auch, als er im August 1978 starb und sein Leichnam von Castelgandolfo in den Vatikan gebracht wurde.“

Papst Franziskus hatte beiläufig im Gespräch mit den römischen Priestern angekündigt, er werde Papst Paul VI. noch in diesem Jahr heiligsprechen. Dann werde es, fuhr Franziskus fort, zwei heilige Päpste seit Mitte des 20. Jahrhunderts geben, Paul VI. und Johannes Paul II. Für Johannes Paul I. laufe das Seligsprechungsverfahren. „Und dann sind da noch Benedikt und ich auf der Warteliste…!“; fuhr der Papst scherzend fort: „Betet für uns!“

Hier zum Hören

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

20. Februar 2018, 12:34