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Ökumenisches Abendgebet in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern Ökumenisches Abendgebet in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern  (Vatican Media)

Papst bei ökumenischer Vesper: „Wir stehen gemeinsam am Ufer des Roten Meeres“

Christsein bedeutet, in Gemeinschaft zu stehen – über die konfessionellen Grenzen hinaus. So könnte man die Überlegungen des Papstes bei der Ökumenischen Vesper in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern an diesem Donnerstag zusammenfassen.

Christine Seuss - Vatikanstadt

Am Fest der Konversion des Apostels Paulus feiert, nach Johannes Paul II. und Benedikt XVI., mit Papst Franziskus mittlerweile der dritte Papst über dem Grab des Apostels Paulus jeweils am 25. Januar, zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen, eine Vesper. Traditionsgemäß nehmen an der Feier die Angehörigen des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen und Vertreter der ökumenischen Partner teil, die teils von weit her anreisen.

 

Die Rettung der Israeliten als Abbild der Taufe

 

Viele Kirchenväter hätten die Befreiungsgeschichte des Volkes Israel als Abbild der Taufe interpretiert, erklärte der Papst mit Blick auf die gehörte Lesung aus dem Buch Exodus. Dort stimmen Moses und seine Schwester Maria einen Lobgesang an, als sie durch das Eingreifen Gottes vor der Verfolgung durch die Soldaten des Pharaos bewahrt werden. Alle Christen seien durch das Wasser der Taufe geschritten, und die Gnade des Sakraments habe „unsere Feinde, die Sünde und den Tod,“ zerstört. Doch die Erfahrungen der zärtlichen Liebe Gottes, die wir im täglichen Leben machten, gehe weit über die eigene Geschichte hinaus, betonte der Papst mit Blick auf die Geschichte Mose und den Lobgesang, den er und sein Volk an den Ufern des Roten Meeres anstimmen: „Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.“ „Doch in der Folge“, führte der Papst aus, „wird dies die Heilsgeschichte eines ganzen Volkes: ,Du lenktest in deiner Güte / das Volk, das du erlöst hast´. Wer diesen Gesang anstimmt, ist sich dessen bewusst geworden, dass er nicht allein an den Ufern des Roten Meeres steht, sondern dass er von Brüdern und Schwestern umgeben ist, die dieselbe Gnade erfahren haben und dasselbe Lob ausrufen.“

 

Die Gnade erreicht uns gemeinsam mit den anderen

 

Auch der heilige Paulus, an dessen Bekehrung die Kirche am 25. Januar erinnert, habe diese Gnade Gottes erfahren. Sie machte aus dem Christenverfolger Saulus den Apostel Paulus, der die Gemeinschaft der anderen Christen suchte. Diese Erfahrung sei allen Gläubigen gemein, betonte Franziskus, denn: „Nach und nach, wenn wir im spirituellen Leben reifen, verstehen wir immer besser, dass die Gnade uns gemeinsam mit den anderen erreicht und mit den anderen zu teilen ist.“ Diese Erfahrung hätten die unterschiedlichen christlichen Konfessionen gemeinsam gemacht, würdigte der Papst die Fortschritte in der Ökumene: „Im vergangenen Jahrhundert haben wir endlich verstanden, dass wir gemeinsam am Ufer des Roten Meeres stehen,“ rief er den konfessionell bunt gemischten Teilnehmern am Abendgebet zu.

Die Ökumene des Blutes

 

Auch heute sähen sich die Christen, ähnlich dem Volk der Israeliten auf seinem Weg aus Ägypten, vielen Schwierigkeiten ausgesetzt, bis hin zu Gefahr für Leib und Leben: „Wie viele Brüder und Schwestern werden heute für den Namen Jesu verfolgt! Wenn ihr Blut vergossen wird, auch wenn sie verschiedenen Konfessionen angehören, werden sie gemeinsam zu Glaubenszeugen, Märtyrern, die durch das Band der Taufgnade verbunden sind“, erinnerte der Papst an das vom ihm oft genutzte Bild der „Ökumene des Blutes". „Weiter, gemeinsam mit den Freunden anderer religiöser Traditionen, treten die Christen Herausforderungen gegenüber, die die menschliche Würde erniedrigen: sie fliehen vor Situationen von Konflikt und Armut; sie sind Opfer von Menschenhandel und anderen modernen Arten von Sklaverei, sie leiden an Not und Hunger, in einer Welt, die immer reicher an Mitteln und immer ärmer an Liebe ist, in der die Ungleichheiten immer größer werden.“

Wie die Israeliten des Gottesvolkes, so die abschließende Aufforderung des Papstes, sollten die Christen gemeinsam die Erinnerung daran bewahren, was Gott in ihnen bewirkt habe. „Wenn wir diese Erinnerung wiederbeleben, können wir uns gegenseitig unterstützen und, nur bewaffnet mit Jesus und der süßen Kraft seines Evangeliums, jeder Herausforderung mit Mut und Hoffnung entgegentreten.“

 

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25 Januar 2018, 18:00