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Papst beklagt mangelnden Schutz von Zivilisten in Konflikten

Den nach wie vor mangelhaften Schutz von zivilen Opfern bewaffneter Konflikte hat Papst Franziskus an diesem Samstag beklagt. In einer Ansprache vor den Teilnehmern an einer Konferenz zum Humanitären Völkerrecht, die derzeit in Rom stattfindet, betonte der Papst die moralische Pflicht, die Menschenwürde in jeder Situation zu schützen.

Christine Seuss – Vatikanstadt

Dies gelte auch über etwaige völkerrechtliche Konventionen hinaus, die teilweise Lücken aufwiesen, unterstrich er in diesem Zusammenhang. Es müsse die Bestrebung der Menschheit sein, für ein Ende aller bewaffneter Konflikte einzutreten, zeigte sich der Papst überzeugt. 

Zusatzprotokolle haben noch Spielraum zu Verbesserung

Er erinnerte daran, dass der Heilige Stuhl die vor 40 Jahren verabschiedeten Zusatzprotokolle zu den Genfer Konventionen ratifiziert habe, um seinen Beitrag dazu zu leisten, die Folgen der bewaffneten Konflikte für die Opfer abzuschwächen. Der Heilige Stuhl habe dabei insbesondere den Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten sowie den Schutz von humanitären Helfern und Religionsvertretern, die in den Protokollen verankert seien, gewürdigt. Doch es gebe gerade im Zweiten Zusatzprotokoll, im dem der Schutz ziviler Opfer in nicht internationalen Konflikten behandelt werde, noch viel Raum für Verbesserung, mahnte Franziskus. Denn trotz des an sich lobenswerten Versuches, durch die Abfassung des humanitären Völkerrechts die negativen Folgen von kriegerischen Auseinandersetzungen für die Zivilbevölkerung zu mindern, sei noch viel zu tun:

„Allzu oft erreichen uns aus den verschiedenen Kriegsschauplätzen Zeugnisse von schrecklichen Verbrechen, von Übergriffen auf Menschen und ihre Würde, die jedes noch so elementare Anzeichen von Menschlichkeit vermissen lassen. Bilder von leblosen Menschen, von verstümmelten oder enthaupteten Körper, von unseren Brüdern und Schwestern, die gefoltert, gekreuzigt, lebendig verbrannt und bis über ihren Tod hinaus geschändet werden, wenden sich an das Gewissen der Menschheit,“ gab der Papst zu bedenken. Auf der anderen Seite gebe es Nachrichten über die Schändung von Jahrtausende alten Kulturstätten sowie bewusste Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen, die ganze Generationen ihres Rechtes auf Leben, Gesundheit und Bildung beraubten. „Wie viele Kirchen und andere Kultstätten sind werden gezielt angegriffen, oft während der liturgischen Feiern, mit zahlreichen Opfern unter den Gläubigen und den Gottesdienern, die sich im Gebet versammelt haben, unter Missachtung des fundamentalen Rechts der Religionsfreiheit!“, beklagte Franziskus.

Nicht in Gleichgültigkeit verfallen

Es bestehe die Gefahr, durch diese und andere Nachrichten übersättigt zu werden und in Gleichgültigkeit zu verfallen. Doch vielmehr sei eine Umkehr der Herzen nötig, um diese zu überwinden und eine Solidarität zu zeigen, die sich in den Einsatz für die gesamte leidende Menschheit verwandeln könne, so die Aufforderung des Papstes in Anlehnung an seine Botschaft zum Weltfriedenstag des vergangenen Jahres.

„Gleichzeitig ist es jedoch ermutigend, die zahlreichen Bekundungen von Solidarität und Nächstenliebe zu sehen, die in Kriegszeiten nicht fehlen. Es gibt viele Menschen, viele karitative Organisationen und NGO´s innerhalb und außerhalb der Kirche, deren Mitglieder Mühen und Gefahren auf sich nehmen, um sich um Verletzte und Kranke zu kümmern, die Toten zu begraben, den Hungernden Essen und den Durstenden Trinken zu bringen und die Gefangenen zu besuchen. Die Hilfe für diejenigen, die Opfer von Konflikten werden, beinhaltet wirklich mehrere Werke der Barmherzigkeit, auf deren Grundlage am Ende unseres Lebens über uns gerichtet wird.“

Der Einzelne ist über das Völkerrecht hinaus gefordert

Hilfsorganisationen müssten „stets nach den Grundsätzen der Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit“ handeln können. Kämpfer wie humanitäre Helfer sollten sich diese Prinzipien gleichermaßen zu Herzen nehmen und in die Tat umsetzen, mahnte der Papst. Auch dort, wo das humanitäre Völkerrecht seine Lücken aufweise, müsse der Einzelne seine moralische Pflicht erkennen, die Würde eines jeden Menschen zu respektieren und zu schützen. Dies gelte insbesondere für diejenigen Situationen, in denen sie besonderen Risiken ausgesetzt sei, betonte Franziskus.

Viele der Anwesenden, so würdigte der Papst abschließend seine Besucher, zählten zu den Menschen, die ihr eigenes Leben riskiert hätten, um andere zu retten. Ihnen und allen Menschen, die sich für die Linderung des Leids anderer einsetzten, gelte das Jesuswort, das von Matthäus überliefert ist: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Franziskus äußerte sich im Vatikan vor rund 250 Teilnehmern einer Konferenz zum humanitären Völkerrecht, die am Freitag und Samstag am Ausbildungszentrum der Carabinieri in Rom tagte. Unter ihnen waren Generalstabschef Claudio Graziano, Verteidigungsministerin Roberta Pinotti und Außenminister Angelino Alfano. Als Redner wirkten laut dem Verteidigungsministerium auch der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe Christos Stylianides, der Südeuropa-Repräsentant des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR Stephane Jaquemet und der UNO-Sondergesandte für Syrien Staffan de Mistura mit.

28 Oktober 2017, 16:20