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Vatican News

Frühmesse: Gebet für alle, die Hunger leiden, weil sie nicht arbeiten können

Nach dem außerordentlichen Segen Urbi et Orbi auf dem Petersplatz am Freitagabend, hat sich Papst Franziskus bei der Frühmesse an diesem Samstag im Vatikan mit den Auswirkungen befasst, die die Corona-Krise für viele Menschen haben kann.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Papst Franziskus blickt bereits über die Corona-Krise hinaus: einige Folgen seien bereits absehbar, und eine davon sei der Hunger. Daran erinnerte der Papst zu Beginn der Morgenmesse in der Päpstlichen Residenz Santa Marta.

„Wir sehen allmählich Menschen, die Hunger leiden, weil sie nicht arbeiten können, weil sie keine feste Arbeit haben, und wegen vieler anderer Umstände, die damit verbunden sind. Wir sehen bereits, was später auf uns zukommen wird. Es beginnt schon jetzt.“

Aus diesem Grund wolle er die Morgenmesse in Santa Marta den Familien widmen, die die Not wegen der Pandemie „allmählich am eigenen Leib zu spüren bekommen“, präzisierte Franziskus.

Die Live-Übertragung der Frühmesse
Die Live-Übertragung der Frühmesse

Die Live-Übertragung der Heiligen Messe in Santa Marta wird bis aufs Weitere fortgesetzt. Es handelt sich um ein ständiges Gebet, mit dem Papst Franziskus Gott in dieser Zeit der Pandemie um Gnade bitten will. 

Zum Nachhören

In seiner Predigt ging Franziskus auf das Tagesevangelium nach Johannes (Joh 7, 1-2.10.25-30) ein. Darin wird der Disput zwischen den Pharisäern und Nikodemus beschrieben. Die Schriftgelehrten wollten Jesus richten, Nikodemus aber sucht die Vermittlung. Papst Franziskus definierte die Auseinandersetzung, die dort beschrieben wird, als Kluft, „die von weit her kommt“. Es handele sich um eine Auseinandersetzung zwischen der Elite und dem Volk; zwischen denen, die „die Erinnerung an ihre Zugehörigkeit zu einem Volk verloren haben“, und „dem treuen Volk Gottes, das nicht in Irrtum fallen kann“. Und genau das sei heute auch das Drama des Klerikalismus: ein Riss, der selbst in diesen Zeiten des Coronavirus zu sehen sei, resümierte Franziskus.

„Ich habe in diesen Tagen gehört, wie einige sagen: ,Wie kommt es, dass diese Nonnen, diese Priester, die gesund sind, zu den Armen gehen, ihnen Essen bringen - und sich dabei vielleicht selbst anstecken?´ Man solle doch den Bischof bitten, das zu untersagen, schließlich seien die Priester für die Sakramente da, soll doch die Regierung dafür sorgen, dass ihre Bürger etwas zu essen haben! Man sieht die Armen als Menschen zweiter Klasse. Da sagt man: ,Ach, wir sind die herrschende Klasse, wir müssen uns die Hände nicht mit den Armen schmutzig machen.´ Ich denke oft daran, dass es gute Menschen gibt - auch Priester und Nonnen -, die aber nicht den Mut haben, den Armen zu dienen. Denn ihnen fehlt etwas.“

Die Kluft zwischen der Elite und dem Volk

Papst Franziskus ging dann auf die Kluft zwischen der Gruppe, die Jesus nachfolgt, und der Gruppe von Schriftgelehrten ein, die Jesus a priori ablehnt, weil er - wie sie sagen - nicht nach dem Gesetz handle.

„Diese Gruppe von Gesetzeskennern, die Elite, verachtet Jesus, aber sie verachtet auch das Volk: die Menschen, die unwissend sind, die nichts wissen. Und auf der anderen Seite haben wir das Volk, das Gottes treu ist, an Jesus glaubt, ihm nachfolgt. Doch diese kleine Gruppe von Eliten, die Gesetzeslehrer, lösen sich vom Volk und nehmen Jesus nicht an.“

Die Elite, unterstrich Papst Franziskus, habe einen „großen Mangel“, nämlich den, die „Erinnerung an die Zugehörigkeit zu einem Volk“ verloren zu haben.

„Dem Volk Gottes ist eine große Gnade zuteil geworden: es hat ein Gespür dafür, wo der Heilige Geist ist. Sie sind Sünder wie wir. Aber sie haben dieses Gefühl, die Wege des Heils zu kennen. Das Problem der Elite, der Kleriker der Elite, ist, dass sie anspruchsvoll geworden sind, dass sie in eine andere soziale Schicht übergelaufen sind, sich als Anführer fühlen.“

Papst Franziskus lud alle ein, „an die vielen Männer und Frauen zu denken, die im Dienst Gottes stehen; die gut sind und hinausgehen, um den Armen zu dienen. Es gebe so viele Priester, „die sich nicht vom Volk lösen“.

In diesem Zusammenhang erzählte der Papst auch von einem Foto, das man ihm gezeigt habe, das Foto eines Pfarrers:

„Da war dieser Pfarrer in den Bergen, an einem Ort, wo es derzeit schneit, und im Schnee hat er die Monstranz in die umliegenden Dörfer gebracht, um den Segen zu erteilen.“ Der Schnee spielte keine Rolle, dass er vor lauter Kälte schon klamme Finger hat, sei diesem Priester egal, es ginge ihm nur darum, Jesus zu den Menschen zu bringen, gab der Papst zu bedenken..

Abschließend bat Franziskus alle, zu überlegen, auf welcher Seite man selber stünde: ob wir „in der Mitte, ein wenig unentschlossen“ stünden oder stattdessen zu Gottes treuem Volk gehörten, „das nicht in Irrtum fallen kann“ - oder aber zu der „vom Volk losgelösten Elite, diesem Klerikalismus“.

„Vielleicht wird uns der Rat gut tun, den der Apostel Paulus seinem Jünger, dem jungen Timotheus, gibt," gab Franziskus abschließend zu bedenken. „Erinnere dich an deine Mutter und deine Großmutter. Und wenn Paulus dazu geraten hat, dann weil er um die Gefahr wusste, die dieses Gefühl birgt, eine Elite zu sein: das Vergessen der eigenen Wurzeln.“

(vatican news)

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Eindrücke von der Frühmesse mit Franziskus
28 März 2020, 08:13
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