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Papst bei der Frühmesse Papst bei der Frühmesse  (Vatican Media)

Frühmesse: Die Heuchler, die Sünderin und die Geschiedenen

Von der „heiligen Mutter Kirche“ spricht Papst Franziskus immer wieder mal – das heißt aber nicht, dass er sich nicht gleichzeitig einen scharfen Blick auf die Realität der Sünde in der Kirche bewahrt hätte. Die Kirche sei zwar „als Mutter heilig, aber voller sündiger Kinder wie uns“, sagte er an diesem Donnerstag bei seiner Frühmesse.

Stefan von Kempis und Christine Seuss – Vatikanstadt

Franziskus ging in seiner Predigt vom Tagesevangelium aus (Lk 7,36-50). Dort sagt Jesus, zu Gast im Haus eines Pharisäers, über eine stadtbekannte Sünderin: „Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat“. Die Frau habe, so betonte der Papst, keine Scheu gehabt, sich „voller Liebe zu Jesus“ zu zeigen, ohne dabei zu verbergen, dass sie eine „Sünderin“ sei. Das erinnere an die Worte des Paulus in der Lesung (1 Kor 15,1-11): „Christus ist für unsere Sünden gestorben“.

Halbe Liebe, aber ganze Vergebung

Auch wenn die Liebe der Sünderin, von der Lukas berichte, sicher nicht perfekt, sondern eine „Liebe zur Hälfte“, eine „kleine Liebe“ gewesen sei, schaue Gott doch auf diese Liebe, so Franziskus.

„Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat… Aber wie liebt man denn? Wissen solche Frauen überhaupt zu lieben? – Sie suchen die Liebe. Und Jesus hat einmal gesagt, solche Frauen würden dereinst im Himmelreich auf einem besseren Platz sitzen als wir. – ‚So ein Skandal‘, sagen die Pharisäer, ‚diese Art Menschen…‘ Aber Jesus schaut auf die kleine Geste der Liebe, die kleine Geste des guten Willens, und damit arbeitet er. Das ist die Barmherzigkeit Jesu: Er vergibt und er nimmt (die Menschen) immer auf.“

Kein gutes Haar ließ der Papst hingegen an den „Schriftgelehrten“ wie denen, die im Evangelium geschildert werden. Sie seien „Heuchler“, darum regten sie sich gleich über Jesu Güte der Sünderin gegenüber auf. Und Franziskus zielte direkt auf heutige Heuchler in der Kirche:

Wenn die Heuchler sich aufregen

„Guck mal, was für ein Skandal! So kann man doch nicht leben! Wir haben die Werte verloren… Haben jetzt alle, auch die Geschiedenen, das Recht, in die Kirche zu kommen? Wo sind wir denn hier? – Die Heuchler, die sich aufregen. Das ist der Unterschied zwischen der großen Liebe Jesu, die alles vergibt, und der Liebe dieser Frau und auch unserer Liebe – einer nicht perfekten Liebe nämlich, denn keiner von uns ist ja schon ein kanonisierter Heiliger! Sagen wir doch mal, wie’s wirklich ist. Und die Heuchelei – die Heuchelei der vermeintlichen Gerechten, der Reinen, derer, die sich wegen ihrer äußerlichen Verdienste schon gerettet glauben…“

Solche scheinbar perfekten Menschen habe Jesus mal als „übertünchte Gräber“ bezeichnet. Innendrin seien diese Gräber voller Würmer und Gestank.

Heuchler verfolgen die Kirche – von innen und außen

„Und die Kirche, die durch die Geschichte wandert, wird von den Heuchlern verfolgt: Heuchler von innen und von außen! Der Teufel hat nichts mehr zu tun mit den reuigen Sündern, denn die schauen auf Gott und sagen: Herr, ich bin ein Sünder, hilf mir! Da ist der Teufel machtlos – aber bei den Heuchlern, da ist er stark. Er ist stark und nutzt sie, um zu zerstören: die Menschen, die Gesellschaft, die Kirche zu zerstören. Das Schlachtross des Teufels ist die Heuchelei, und zwar, weil er selbst ein Lügner ist: Er erscheint als mächtiger, schöner Fürst, und in Wirklichkeit ist er ein Mörder.“

Der Papst bat seine Zuhörer, an die Vergebung Jesu zu denken und darauf zu vertrauen. Sie selbst sollten, wie Jesus, barmherzig sei und Jesus in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen. Die Sünderin mit ihrer „halben Liebe“ habe zu Gott gefunden, weil Jesus ihr vergeben habe; die Heuchler hingegen seien „nicht imstande, der Liebe zu begegnen, weil sie ein verschlossenes Herz haben“.

(vatican news)
 

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20 September 2018, 12:37
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