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Papst Franziskus bei der Frühmesse Papst Franziskus bei der Frühmesse  (Vatican Media)

Frühmesse: Der Prophet ist immer ein Mensch der Hoffnung

Ein wahrer Prophet ist einer, der über sein Volk weinen kann, obwohl es ihm nicht zuhört. So lautete das Fazit der Papstpredigt an diesem Dienstagmorgen in der vatikanischen Casa Santa Marta.

Mario Galgano und Adriana Masotti – Vatikanstadt

Franziskus ging in seiner Predigt auf den heiligen Stephanus ein und betonte, dass die Kirche von uns allen verlangt, Propheten zu sein, um unsere Gotteszugehörigkeit zu stärken.

Eigentlich ist Stephanus nicht als Prophet sondern als Märtyrer bekannt. Er habe seinem Volk vorgeworfen, nicht auf den Heiligen Geist zu hören und so kam es, dass sie ihn vor Gericht brachten. Das Volk hatte ein „verschlossenes Herz“, so der Papst, der auf den Lebensweg des heiligen Märtyrers einging, ausgehend von der Ersten Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 7, 51 – 8, 1a).

Stephanus wurde verfolgt, weil er die Wahrheit verkündete, erinnerte der Papst:

„Aber was ist denn für mich der Beweis, dass ein Prophet, wenn er laut spricht, auch die Wahrheit sagt? Es ist, wenn ein Prophet die Kraft hat, nicht nur zu sprechen, sondern auch über sein Volk zu weinen, weil es der Wahrheit den Rücken gekehrt hat. Jesus prangert einerseits mit harten Worten an, wie ,perverse und ehebrecherische Generation´, doch andererseits weinte er über Jerusalem. Das ist der Testbeweis. Ein wahrer Prophet ist einer, der über sein Volk weinen kann und auch harte Worte aussprechen kann, wenn es nötig ist. Er ist nicht lauwarm, sondern immer direkt.“

Es gehe also nicht nur darum anzuprangern, sondern sich der Hoffnung zu öffnen, fuhr Franziskus fort. Denn ein wahrer Prophet sei keiner, der bloß „den Teufel an die Wand malt“, sondern einer, der Hoffnung vermittelt. Drei Aufgaben habe ein Prophet, so der Papst:

„Tore öffnen, Wurzeln heilen und die Zugehörigkeit des Volk Gottes stärken, um vorwärts zu gehen: Er ist kein Berufskritiker, nein, er ist ein Mann der Hoffnung. Anprangern wenn nötig und die Tore öffnen, um den Horizont der Hoffnung anschauen zu können. Aber gebt acht: ein wahrer Prophet, wenn er seine Aufgabe gut durchführt, riskiert sein Leben.“

Die Kirche braucht den Dienst der Propheten. Stephanus starb unter dem Anblick des Saulus, weil der Märtyrer kohärent gegenüber der Wahrheit war. Franziskus zitierte einen Kirchenvater: „Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christen.“

„Die Kirche braucht die Propheten. Ich füge hinzu: die Kirche verlangt von uns allen, dass wir Propheten sind. Wir sollten keine Kritiker sein, das ist etwas anderes. Das eine ist ein kritischer Richter, der mit nichts zufrieden ist und sagt: ,Nein, das und jenes geht nicht.´ Das ist kein Prophet. Ein Prophet ist einer, der betet, Gott anschaut, sein Volk anschaut, den Schmerz fühlt, wenn das Volk einen Fehler begeht, der weint – und in der Lage ist über sein Volk zu weinen; der aber auch in der Lage ist, über die Wahrheit zu sprechen.“

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17 April 2018, 12:26