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Mario Galgano und Mario Botta Mario Galgano und Mario Botta 

Mario Botta: „Architekten müssen auch für die Armen arbeiten“

Auch Star-Architekten können und sollen einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der Armut leisten. Davon ist der Schweizer Architekt Mario Botta überzeugt. Er war vergangene Woche bei der Audienz von Papst Franziskus für Künstler anlässlich des Jahrestags der Gründung der Sammlung moderner Kunst der Vatikanischen Museen dabei. Wir sprachen mit ihm.

Maria Milvia Morciano und Mario Galgano - Vatikanstadt

Gut zu bauen ist auch ein Weg, den Armen zu helfen. Die Stimme des weltberühmten Schweizer Architekten Mario Botta zittert noch, als er die Sixtinische Kapelle verlässt, wo er Franziskus am 23. Juni traf. Etwa zweihundert Künstler waren dabei, um das halbe Jahrhundert seit der Gründung der Sammlung moderner Kunst der Vatikanischen Museen zu feiern und die Ausstellung „Contemporanea 50“ zu eröffnen. Am Mikrofon von Vatican News/Radio Vatikan schildert Botta seine Eindrücke und einige Überlegungen zur Aufgabe der Architektur der Zukunft:

Zum Nachhören - was Mario Botta sagt

„Die Papst-Worte, die mich am meisten beeindruckt haben, waren der Hinweis auf die Armen. An diesem glorreichen Tag, mit Gläubigen und Künstlern, die alle Anerkennung für ihre Mission erhalten haben, an einem wunderschönen Tag, hat mich der Aufruf, auch für die Armen zu arbeiten, beeindruckt. Das scheint mir eine emotionale Synthese zu sein, an die der Papst auch die Künstler erinnern will: Arbeitet auch für die Armen.“

Wirtschaft ist nicht für Arme gemacht

Ob er jemals etwas mit Blick auf die Armen entworfen habe, wollten wir von Botta wissen:

„Wir arbeiten in einer Wirtschaft, die nicht für die Armen gemacht ist, aber wir können etwas mit einem intelligenten Einsatz von Materialien, von Ressourcen machen und uns so an jene Demut erinnern, die der Papst bereits als eine der Architektur eigene Ausdrucksform genannt hat. Gut zu bauen ist also auch eine Möglichkeit, den Armen zu helfen.“

Mario Botta bei der Papst-Audienz für Künstler
Mario Botta bei der Papst-Audienz für Künstler

In der Tat spreche Papst Franziskus in seinem Schreiben  „Laudato si'" über Architektur, und überhaupt erinnere der Papst immer wieder an die ganzheitliche Ökonomie. Das seien „wichtige Worte, die mit Architektur verbunden sind: Beziehung und Dialog“...

„Beziehung und Dialog sind die Themen, die auch Romano Guardini (Geistlicher, Theologe und Schriftsteller, Anm. d. Red.) in der Zeit nach dem Bauhaus als die Suche nach einer Beziehung bezeichnete, die die Architektur übernehmen muss. Die Architektur ist für den Menschen gemacht, für den Menschen schlechthin, ohne eine besondere Bedeutung des Reichtums, der Wirtschaft. Sie muss dem Menschen auch in den verschiedenen historischen Momenten helfen und nicht nur an die Höhepunkte der reichen Wirtschaft, des Mehrwerts, der Opulenz erinnern, die vielleicht die ersten Regeln des Bauens diktiert haben. Danach gleicht die Geschichte alle Werte aus und wendet sich ausschließlich dem Menschen zu.“

Die Rolle Romano Guardinis

Romano Guardini, den der Papst während der Audienz zitierte, habe die Architektur als jenen Bereich unter den Künsten bezeichnet, die am stärksten im Raum verwurzelt sei und im Dialog mit dem Territorium stehe. Und in der Tat habe der Papst während der Audienz vom Raum gesprochen, so Botta:

„Guardini war prophetisch mit Rudolf Schwarz, dem Architekten, der auch die Gedanken des deutschen Theologen ´in den Raum´ stellte. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Mahnung des Papstes also immer noch aktuell: Die Gestaltung des Lebensraums des Menschen bleibt das letzte Ziel unserer Arbeit.“

„Die Gestaltung des Lebensraums des Menschen bleibt das letzte Ziel unserer Arbeit“

Während der Audienz habe der Papst auch von Neuerung und von Originalität gesprochen. Bottas Architektur scheint manchmal die Gesetze der Statik zu überwinden. Dazu der Künstler:

„Das sind Leistungen, die genau auf den endgültigen Ausdruck abzielen, d.h. wir dürfen nicht vergessen, dass das Endergebnis auch eine Synthese des Gebauten ist, und daher haben die Regeln des Bauens ihren eigenen Zweck, eine ausdrucksvolle Form zu sein, eine formale Bedingung, die das Auge des Betrachters, das Auge des Benutzers anspricht. Unter diesem Gesichtspunkt begrüße ich alle künstlerischen, statischen Leistungen, die dazu beitragen können, dem Menschen ein wenig mehr Freude und Erstaunen zu bereiten.“

„Antwort auf die heutige Aktualität geben“

Der Tessiner Architekt hat hauptsächlich Sakralbauten entworfen.

„Die Kultur des Sakralen, die Architektur des Sakralen hat eine unglaubliche Kraft der Trägheit, denn sie spricht von 2.000 Jahren Geschichte, von Stilen, von Konfigurationen, die die verschiedenen Epochen, die verschiedenen Stile, die verschiedenen Haltungen des Menschen durchlaufen haben, und wir sind daher nie allein, wenn wir das Sakrale gestalten. Wir haben eine tausendjährige Geschichte, die uns begleitet, auch mit Bildern, vom Mittelalter über die Renaissance, den Barock bis zum 19. Jahrhundert. Es ist also etwas, das uns auch dazu drängt, eine Antwort auf die heutige Aktualität zu geben, wenn es darum geht, einen sakralen Raum für den heutigen Menschen zu schaffen, der sich von dem des 19. oder des 20. Unter diesem Gesichtspunkt haben wir eine unglaubliche Enzyklopädie der Lehre. Auch aus diesem Grund, jenseits der Gründe, über das Endliche hinauszugehen, ist es eine ständige Lehre, die uns die Architektur selbst gibt.“

(vatican news)

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26. Juni 2023, 12:18