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Schweiz: Stimmrecht für ausländische Katholiken?

Sollen Katholiken ohne Schweizer Pass bei kirchlichen Wahlen mitbestimmen? Darüber entscheiden die Schwyzer Katholiken am übernächsten Sonntag an der Urne. Der Abstimmungskampf findet auch in den Leserbriefspalten der Lokalpresse statt.

Das Kirchenparlament der Schwyzer Katholiken hat im vergangenen Jahr die Einführung des Stimm- und Wahlrechts für ausländische Katholiken beschlossen. Das Recht zur Mitbestimmung in kirchlichen Angelegenheiten sollen katholisch Getaufte ohne Schweizerpass erhalten, wenn sie über eine Niederlassungsbewilligung verfügen – also nach einem Aufenthalt von fünf Jahren in der Schweiz.

SVP-Politiker zweifelt an der Integration

Gegen die entsprechende Ergänzung des Wahl- und Abstimmungsgesetzes hat der Schwyzer SVP-Kantonsrat Bernhard Diethelm das Referendum ergriffen. Am übernächsten Sonntag findet die Volksabstimmung statt.

Das Stimmvolk und nicht der Kantonskirchenrat, also das Kirchenparlament, solle über „eine solch grundlegende Gesetzesänderung befinden“, sagte er im Dezember zu kath.ch. Zudem bezweifelt er, dass Ausländer nach fünf Jahren im Land genügend integriert seien. „Das Stimm- und Wahlrecht soll erst erteilt werden, wenn die Integration mit Erhalt der Schweizer Staatsbürgerschaft erfolgreich abgeschlossen ist.“

Kloster Einsiedeln wirbt prominent für das Stimmrecht

Diethelm ist nicht nur Politiker, sondern auch Kirchenschreiber der katholischen Kirchgemeinde Wägital. Zahlreiche in der Kirche engagierte Personen teilen seine Ansicht zum Thema jedoch nicht. Dies zeigen diese Woche mehrere Leserbriefe, die im „Einsiedler Anzeiger“ (15. Juni) und im „Boten der Urschweiz“ (16. Juni) erschienen sind.

Prominent vertreten ist das Kloster Einsiedeln. Gleich drei Benediktiner, darunter Abt Urban Federer, sprechen sich für das Stimm- und Wahlrecht für ausländische Katholiken aus. Mit der Vorlage werde dem Umstand Rechnung getragen, dass die allumfassende – katholische – Kirche nur getaufte Mitglieder kennt und keinen Unterschied zwischen ihrer Herkunft macht, heisst es in einem Brief, den der Abt und sein Mitbruder Pfarrer Basil Höfliger nebst weiteren Personen unterzeichnet haben.

Logischer Schritt nach Entflechtung von Kirche und Staat

„Nach der weitgehenden Entflechtung von Kirche und Staat ist die gleichwertige Mitwirkung in den Römisch-katholischen Kirchgemeinden und der Römisch-katholischen Kantonalkirche ein logischer Schritt“, argumentieren sie weiter.

Der Brief im „Einsiedler Anzeiger“ endet mit dem Slogan: „Wir sagen Ja zur Gleichberechtigung niedergelassener Katholiken!“

Ausländische Katholiken „eher konservativer“

Pater Mauritius Honegger hat einen persönlichen Leserbrief für den „Einsiedler Anzeiger“ verfasst. Darin stellt er die Aussage des SVP-Kantonsrats Adolf Fässler in Frage, Ausländer stimmten eher links. Seiner Erfahrung nach seien ausländische Katholiken „tendenziell eher konservativer“ als Schweizer. „Darüber müssten sich wertkonservative Parteien wie jene von Herrn Fässler eigentlich freuen können“, schreibt der Benediktiner.

(kath.ch – sk)
 

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18. Juni 2021, 11:57