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Messe in einer Berliner Kirche Messe in einer Berliner Kirche  (AFP or licensors)

D: 100 Jahre katholische Auslandsseelsorge

„Wir können von den Auslandsgemeinden lernen, wie wir Offenheit leben können“, hat Kardinal Jean-Claude Hollerich SJ, zum Jubiläum des katholischen Auslandssekretariats in Würzburg betont. Heute richten sich die seelsorglichen Angebote der rund 110 Gemeinden an Deutschsprachige, die aus verschiedenen Gründen dauerhaft oder zeitlich befristet im Ausland leben.

Das Katholische Auslandssekretariat wurde 1921 in Würzburg gegründet, um die deutschsprachige katholische Seelsorge überall auf der Welt zu systematisieren und zu organisieren. Bis in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg standen vor allem Auswanderer nach Übersee im Fokus der pastoralen Arbeit. 

Coronabedingt konnte das Jubiläum diesen Dienstag (15. Juni 2021) nur im kleinen Kreis im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz gefeiert werden. Der Erzbischof von Luxemburg und frühere Auslandspfarrer der Gemeinde in Tokio, Kardinal Jean-Claude Hollerich SJ, betonte in seiner Predigt, dass die Auslandsseelsorge gebraucht werde, denn die Menschen fänden sich dort in einer ganz anderen Kultur wieder. „Sie rücken zusammen, haben eine Insel, wo man deutsch sprechen kann. Dennoch: Das allein macht noch keine Kirche. Erst der Gottesdienst ermöglicht es den Menschen, Christus, den Auferstanden, zu erfahren. Er ist mitten in der Gemeinde. Es ist die Gotteserfahrung, die trägt. " Es gehe darum, füreinander da zu sein. Dies solle in christlichen Gemeinden erkennbar sein. „Wir müssen uns wagen, hinauszugehen. Wir müssen in Offenheit auf den andern und die andere zugehen. Wir können von den Auslandsgemeinden lernen, wie wir Offenheit leben können. Gott wird uns immer dabei helfen.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, schreibt anlässlich des Jubiläums: „Der Deutschen Bischofskonferenz ist es […] ein großes Anliegen, dass alle Menschen – hier in Deutschland und überall in der Welt – den Glauben in ihrer Muttersprache praktizieren und bekennen können.“ Neben den deutschsprachigen Gemeinden im Ausland besteht in Deutschland ein dichtes Netz muttersprachlicher Gemeinden für die hier lebenden Katholiken der unterschiedlichen Sprachgruppen.

„Den Glauben in der Muttersprache praktizieren und bekennen können“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betont in einem Grußwort besonders die Bedeutung der Auslandsgemeinden für den kulturellen Austausch und die internationale Verständigung: „Seit einhundert Jahren begleitet das Katholische Auslandssekretariat nun schon diese Pionierarbeit des kulturellen Austauschs und der Verständigung. Dafür möchte ich meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen und wünsche mir, dass Ihre Botschaft – dieses gelebte ‚Du bist nicht allein!‘ – auch in Zukunft vielen Menschen weltweit Kraft gibt und Mut macht.“

Hintergrund

Für viele Deutschsprachige im Ausland und besonders für deutschsprachige Familien, die aus beruflichen Gründen im Ausland leben, sind die deutschsprachigen Gemeinden wichtige Orte der religiösen und kulturellen Heimat. Trotz der deutschen Sprache sind die Auslandsgemeinden Teile der Ortskirche des jeweiligen Gastlandes. Auf diese Weise, verbunden mit der Kirche und Kultur in Deutschland und eingegliedert in die Kirche vor Ort, sind die Gemeinden Brücken zwischen Deutschland und der Welt. Die deutschsprachigen Auslandsgemeinden sind lebendige und bunte Zeugen der universalen Weltkirche.

Neben den rund 110 deutschsprachigen Auslandsgemeinden existieren spezielle Angebote für Pilger in Rom, Jerusalem, Lourdes, Fatima und Santiago de Compostela. Zusätzlich verantwortet das Katholische Auslandssekretariat die Seelsorge auf Kreuzfahrtschiffen und entsendet einen Priester für die deutschsprachige katholische Versöhnungsarbeit im „Zentrum für Dialog und Gebet“ am ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz.

(pm - sst)

15 Juni 2021, 14:28