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Vatican News
Kurdische Flüchtlinge aus dem Iran in einem Lager im Nordirak Kurdische Flüchtlinge aus dem Iran in einem Lager im Nordirak  (AFP or licensors)

D: „Corona-Folgen verschärfen Flüchtlingsleid“

Der UNO-Weltflüchtlingstag vom kommenden Sonntag fällt in eine Zeit, in der sich politische und wirtschaftliche Krisen verschärfen und zugleich menschliche Mobilität wegen Corona weltweit so eingeschränkt ist, wie nie zuvor.

Darauf macht das katholische deutsche Hilfswerk Misereor an diesem Donnerstag aufmerksam. Seit Monaten berichten Misereor-Partnerorganisationen entlang der Küste von West- und Nordafrika von den Versuchen vieler Menschen, die geschlossenen Land-Grenzen auf dem Meer zu umgehen. In anderen Regionen wie im Nordirak verzweifeln Menschen in Flüchtlingscamps an der schlechten Versorgung und Angst vor Ansteckung mit dem Corona-Virus durch mangelnde Hygiene und Abstandsmöglichkeiten.

„Fluchtrouten haben sich verändert und sind gefährlicher geworden, Landesgrenzen sind geschlossen. Menschen, die Umwege und hunderte Kilometer über den Atlantik zurücklegen, kommen auf den Kanarischen Inseln an. Es spielen sich menschliche Dramen ab, die Zahl der Toten steigt im Vorjahresvergleich“, sagt Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon.

„Ungezählte verdursten namenlos im Wüstensand“

In der Wüste von Mauretanien werden nach Misereor-Angaben immer wieder Menschen aufgegriffen, die sich völlig erschöpft und ausgezehrt auf dem Weg nach Norden verirren. Ungezählte verdursten namenlos im Wüstensand. Andere kentern mit ihren Booten im Atlantik und können nur tot geborgen werden.

„Allein für seine Region berichtet ein Misereor-Partner aus Nord-Mauretanien von 450 Toten oder Vermissten, die die Überfahrt nicht überlebt haben. Corona heizt wirtschaftliche Krisen und die Verschuldung von Ländern an und verschärft so Armut und gesellschaftliche Ungerechtigkeit. Dies schürt wiederum Konflikte und wird mittelbar zu mehr Flucht führen – weltweit“, erklärt Bröckelmann-Simon.

Pandemie als Vorwand?

Der Flüchtlingsschutz sei bereits in den letzten Jahren vor der Pandemie massiv unter Druck geraten. „Die Corona-Pandemie darf nun nicht als Vorwand dienen, diesen Trend fortzusetzen. Gesundheitsschutz und Schutz von Flüchtenden dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, so der Misereor Geschäftsführer.

Die europäischen Regierungen müssen jetzt zusätzliche kontinuierliche und sichere Zugänge nach Europa schaffen, etwa in einer Allianz der humanitären Aufnahme mit mehr Kontingentplätzen, wie sie auch die US-amerikanische Regierung plant, und Botschaftsverfahren vor Ort, die schon im Herkunftsland eine Entscheidung zum Schutzstatus Betroffener treffen. Beides schlägt gerade auch die von der deutschen Regierung beauftragte Kommission Fluchtursachen vor.

(misereor – sk)

17 Juni 2021, 10:41