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Österreich: Sorge um Zukunft der Theologie

Ihre Sorge um die Zukunft der Theologie als unverzichtbarer Teil des akademischen Wissenschaftsbetriebes haben österreichische Pastoraltheologinnen und -theologen jetzt in einer gemeinsamen Stellungnahme ausgedrückt.

Unter dem Titel „Es steht viel auf dem Spiel“ betonen sie in dem auf der theologischen Feuilleton-Plattform „feinschwarz.net“ veröffentlichten Text, die aktuelle Situation von Kirche und Gesellschaft fordere einen „Aufbruch der Theologie, nicht ihren Abbau“. Die Zahl der Studierenden schwinde vor dem Hintergrund eines Glaubwürdigkeitsverlustes der Kirche seit langem. In Deutschland wie in Österreich würden Vorschläge laut, die Priesterausbildung an wenigen Orten zu bündeln „oder gar deren Verlagerung an kirchliche Hochschulen“.

„Das alarmiert uns als Pastoraltheolog:innen“, versichern die 14 in Österreich sowie zwei weitere im benachbarten Ausland wirkende Wissenschaftler. Es sind dies Regina Polak, Paul Zulehner und Christian Friesl aus Wien, Rainer Bucher, Tanja Grabovac, Andreas Heller und Karl Heinz Ladenhauf aus Graz, Christian Bauer, Anna Findl-Ludescher und Johannes Panhofer aus Innsbruck, die allesamt an staatlichen Universitäten lehren oder lehrten; weiters Klara-Antonia Csiszar und Adela Muchova von der Katholischen Privat-Universität Linz, Veit Neumann von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz; dazu aus Südtirol Alexander Notdurfter sowie aus Tschechien Michal Kaplanek. Aus der Sicht der gemeinsamen Verfasser droht etwas, das „nie passieren darf: das Verstummen der Theologie als kritischer Einspruch gegen die gewinnorientierte Verwaltung der Welt, ihr Scheitern als ‚kulturelles Laboratorium‘ (Papst Franziskus)“.

„Das Ganze der Kirche steht auf dem Spiel“

Die Pastoraltheologen berufen sich auf die Diagnose des deutschen Religionssoziologen Detlef Pollack, der in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ sündige und straffällige Repräsentanten der Kirche dafür verantwortlich machte, dass sie Gott „verdunkeln“ und „im Wege stehen“. Dadurch stehe „das Ganze der katholischen Kirche ... auf dem Spiel“ - und das in Zeiten, in denen epochale Krisen wie Corona, Klimawandel, kulturelle Konflikte oder ungerechte Verteilung der Güter „die Zukunft gefährden und die Zusammenarbeit aller ... fordern“, wie die Verfasser festhalten.

Mit der Zukunft der katholischen Kirche stehe auch die Zukunft der Theologie auf dem Spiel. Mit deren Verstummen auf universitärem Boden drohe eine „dekontextualisierte“ Ausbildung kirchlichen Personals, „so als ob es tätigen Glauben jenseits der konkreten, bunten, unüberschaubar gewordenen Welt gäbe“. Die Theologie arbeite seit jeher „in den Häusern der Wissenschaft und mit den Wissensbeständen und Wissenstechniken ihrer jeweiligen Gegenwart“ - auch wenn sie manchmal mit aktuellen Wissensformaten „fremdelt“ und daher andere Wissenschaften auch mit ihr „fremdeln“, wie die 16 Autorinnen und Autoren darlegen.

Theologie hat „säkulare Aufgabe“

Die Theologie stelle sich jedenfalls der Kritik der anderen Wissenschaften und kritisiert diese auch, „wenn nun sie meinen, das letzte und einzige Wort zu haben“. Sie könne mithalten im Wettbewerb des Wissens, „aber sie wird den akademischen Kapitalismus der Gegenwart nicht einfach akzeptieren“. Die Theologie habe eine „säkulare Aufgabe“, heißt es in der Stellungnahme. Sie sei global vernetzt „und lebt, wo sie sich ihrer Lage und Aufgabe bewusst ist, im demütigen Selbstbewusstsein, etwas beitragen zu können, dass die Menschheit eine gute Zukunft hat“. Die Theologie kämpfe „an der Seite jener, die um ihre Würde ringen. Jedenfalls sollte sie es tun“. Ohne sie würde dieses Anliegen im Wissenschaftsbetrieb schwächer werden.

Die Theologie stehe auch in der Pflicht des Volkes Gottes, so die Pastoraltheologen weiter: „Sie dient ihm durch den Versuch, nichts ungesagt zu lassen, was um des Evangelium willen gesagt werden muss“. Theologie dürfe nicht nur die „Verlängerung der gutbürgerlichen Kirche in die gutbürgerliche Wissenschaft hinein“ sein. Nie dürfe sie der Versuchung erliegen, „sich durch Wissen, gesellschaftlichen Status oder ideologische Immunisierung zu panzern vor den Risiken der Gegenwart“.

Resümierend halten die Unterzeichner fest: „Wir brauchen eine Theologie, die um ihre säkulare Aufgabe in gefährdeten Zeiten weiß und sie tatkräftig angeht. Und wir sind sicher: Auch Wissenschaft und Gesellschaft brauchen solch eine Theologie - die katholische Kirche sowieso.“

(kap – sk)
 

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04. Mai 2021, 13:51