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Österreich: Für einen „Pakt gegen Einsamkeit“

Caritas-Präsident Michael Landau hat einmal mehr seine Forderung nach einen gesamtgesellschaftlichen „Pakt gegen Einsamkeit“ bekräftigt.

„Einsamkeit war bereits vor der Pandemie eine Zivilisationskrankheit westlicher Gesellschaften. Das Virus hat sich als Brandbeschleuniger in Sachen Einsamkeit erwiesen“, so Landau in einer Erklärung am Montag anlässlich des Internationalen Tages der Pflege, der am Mittwoch begangen wird.

„Während der Pandemie war die mobile Pflege und Betreuung oft der einzige Sozialkontakt für Betroffene. Und auch die Pflege von Angehörigen mündet für viele in der Isolation.“ Über den Pflege-Bereich hinaus seien jedoch viele Menschen betroffen - unabhängig von sozialem Hintergrund, Einkommen und Alter.

„Wer spricht schon gerne darüber...“

Trotzdem sei Einsamkeit ein großes Tabuthema in der Gesellschaft. Landau: „Wer spricht schon gerne darüber, dass er oder sie allein ist und darunter leidet? Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft mit großer Scham behaftet.“

Einsamkeit sei aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch die Politik in die Pflicht nimmt, betonte Landau: „Es braucht einen Pakt gegen Einsamkeit - ein breites Bündnis von Bund, Ländern, Gemeinden, Wirtschaft, Kirchen und Zivilgesellschaft. Einen oder eine Beauftragte der Regierung, der oder die sich des Themas annimmt.“

In einem italienischen Altersheim
In einem italienischen Altersheim

Im Wissen, dass Einsamkeit krank macht, brauche es vor allem auch Enttabuisierung und Evidenz: „Internationale Studien, Beispiele und Erfahrungen sind vorhanden. In Österreich ist das Datenmaterial jedoch überschaubar. Wir benötigen die Stärkung vorhandener und neuer mutiger, innovativer Initiativen. Den Ausbau zivilgesellschaftlicher Strukturen und die Förderung des Ehrenamts.“

Erstem Schritt sollen weitere folgen

Die Regierung habe im September 2020 auf Initiative von Hilfsorganisationen, nicht zuletzt der Caritas, einen ersten Schritt gesetzt und zum Runden Tisch geladen. Etliche Punkte aus dem Pakt gegen Einsamkeit, die bei diesem Runden Tisch eingebracht wurden, hätten auch im Strategiepapier der Pflege Task Force Eingang gefunden. Offen bleibe aber nach wie vor ein konkreter Zeitplan, kritisierte Landau: „Das Follow up zum ersten Runden Tisch steht aus. Hier hoffe ich auf Kanzler, Vizekanzler, den Sozialminister, dass sie diese stille Not nicht vergessen oder übersehen.“

Wichtig wäre, den Prozess zügig fortzusetzen und die Sozial- und Hilfsorganisationen wie Caritas, Rotes Kreuz, Diakonie, Hilfswerk und Volkshilfe miteinzubeziehen, „damit die Erfahrungen aus der Praxis berücksichtigt werden können“.

(kap – sk)
 

10 Mai 2021, 12:36