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Schweiz: Frauen in jedem Kirchengremium als Grundhaltung

Beim nächsten Ad Limina-Besuch in Rom wollen die Schweizer Bischöfe dem Heiligen Stuhl „sieben Erwartungen“ zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche vorstellen. Erarbeitet hat sie eine gemischte Arbeitsgruppe aus Bischofskonferenz und Katholikinnen. Den Schweizerinnen und Schweizern geht es darum, die Forderungen von Frauen nach Gleichberechtigung in den Bistümern zu Gehör zu bringen.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Es ist ein Grundanliegen von Papst Franziskus: Frauen sollen in der Kirche „mehr Raum“ bekommen. In der Schweiz wird dieser Aufruf seit mehreren Monaten mit der Schaffung einer Arbeitsgruppe in Angriff genommen, die von der Schweizer Bischofskonferenz und dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund getragen wird. Am vergangenen 15. September kam es zum Auftakt der – wie es in einer gemeinsamen Medienmitteilung heißt – „intensiven Gesprächen“. Die Arbeitsgruppe formulierte sieben Erwartungen, die zunächst an die Schweizer Bischöfe gerichtet sind, wie gegenüber Radio Vatikan die Präsidentin des Frauenbundes, Simone Curau-Aepli, sagt: „Es kamen dabei verschiedene Themen im Rahmen der Beteiligung der Frauen in der katholischen Kirche zur Sprache. Wir erwarten nun konkrete Veränderungen.“

Zum Nachhören - was Katholikinnen in der Schweiz erwarten

Die sieben Erwartungen

Es gehe zunächst darum, die Ergebnisse des Treffens beim nächsten, terminlich noch nicht fixierten Ad Limina-Besuch der Schweizer Bischöfe in Rom mit dem Papst und den römischen Dikasterien zu besprechen; dass in der Deutsch- und Westschweiz jeweils eine Ombudsstelle oder Anlaufstelle für Gleichstellungsfragen entstehen soll; dass die Kompetenzbereiche des Frauenrats innerhalb der Bischofskonferenz geklärt werden sollen und dass Frauen „verbindlich in die Entscheidungsprozesse“ einbezogen werden sollen. Eine der Erwartungen ist an diesem Punkt, dass Frauen – zumindest mit beratender Stimme – an den Vollversammlungen der Bischofskonferenz teilnehmen. Bei der Sommervollversammlung 2021 ist eine Auswertungssitzung mit allen am Prozess Beteiligten vorgesehen. Zu den sieben Erwartungen gehört auch eine Klärung der Frage rund um die sakramentale Sendung für „dazu bereite Frauen“. Dazu Curau-Aepli:

„Die Forderung, die wir dazu anregen, ist, dass wir neue Formen von sakramentaler Sendung von geeigneten Frauen prüfen. In diesem Sinne geht es darum, dass wir hier neue Wege finden und zwar vor allem aus pastoraler Sicht. Die gegenwärtige Notlage soll man neu beurteilen, denn die gibt es auch in der Schweiz und nicht nur in Amazonien, wo Ordensfrauen Kranke und Sterbende begleiten und keine Krankensalbungen vornehmen dürfen.“

„Wir können auch nicht umhin, das Thema der Frau in der Kirche vielleicht mit einer Synode in Rom anzugehen, ja vielleicht sogar mit einem Konzil“

Was ist möglich?

Man solle sich deshalb überlegen, was möglich wäre, um dem sakramentale Notstand in der Schweiz zu begegnen. Der bisher für die Frauenfrage zuständige Vertreter der Bischofskonferenz, der seit kurzem emeritierte Basler Weihbischof Denis Theurillat, findet ganz grundsätzlich das Gespräch zwischen Bischöfen und engagierten Katholikinnen wichtig, wie er gegenüber Radio Vatikan sagt:

„Es ist sehr spannend, einen Schritt nach dem anderen voranzugehen, um konkrete Resultate zu erzielen. Was mich persönlich sehr freut, jetzt, wo ich mein Amt verlasse, ist die Tatsache, dass es zu einem guten Gesprächsklima gekommen ist. Und wir können auch nicht umhin, das Thema der Frau in der Kirche vielleicht mit einer Synode in Rom anzugehen, ja vielleicht sogar mit einem Konzil. Damit will ich sagen, wie sehr mir dieses Thema am Herzen liegt.“

Regionale Unterschiede

Würdigend hebt Weihbischof Theurillat hervor, dass in den meisten Bistümern in der Schweiz viele Katholikinnen tätig sind, die „sehr viele wichtige, entscheidungsrelevante Aufgaben übernehmen dürfen“. Das sei jedoch nicht überall der Fall. Deshalb schlage er als einen ersten Schritt die Anpassung der Statuten in den diözesanen oder regionalen kirchlichen Einrichtungen vor. In der Deutschschweiz sei dies schon fast flächendeckend der Normalfall. In der Westschweiz ist das weniger üblich.

„Es wäre wichtig, dass es eine institutionelle Brücke geben würde.“

Weihbischof Theurillat kennt die regionalen und kulturellen Unterschiede in der Schweiz gut: Als französischsprachiger Weihbischof im deutschsprachigen Solothurn galt er als „kultureller und sprachlicher Brückenbauer“ in der Bischofskonferenz. Aus seiner Erfahrung sagt er:

„Es geht ja auch darum, wie aus dem Frauenrat eine Frauenkommission werden könnte, damit die Bischofskonferenz ein Gremium hat, in dem konzertiert über die Rolle der Frau in der Kirche und Gesellschaft gesprochen werden kann. Zwar gibt es bereits einen guten Kontakt zwischen dem Frauenbund und der Bischofskonferenz, aber eine institutionelle Brücke wäre wichtig.“

„Es sollten keine kirchliche Entscheidungsgremien mehr geben, in der keine Frau dabei ist.“

Der Präsidentin des Frauenbundes, Simone Curau-Aepli, wäre es jetzt ein Anliegen, „aus den Antworten konkrete Vorschläge zu machen“. Und zwar zu allem, was möglich oder denkbar sei, betont sie:

„Zum einen sind die Erwartungen grundsätzlicher Art. Es sollten keine kirchliche Entscheidungsgremien mehr geben, in der keine Frau dabei ist. Das ist eine Grundhaltung, die wir haben. Das haben wir auch noch weiter konkretisiert: Es geht darum, dass Frauen grundsätzlich in allen bischöflichen Gremien vertreten sind.“

Priesterinnen? „Für mich eine offene Frage, über die die Weltkirche nachdenken sollte"

Die Präsenz der Frauen, angefangen im Alltag der Pfarreien bis hin zur weltkirchlichen Ebene, sei heute wichtiger denn je, hebt Weihbischof Theurillat hervor.  Dazu gehöre auch die Frage, wer die Sakramente spenden darf.

„Seit zwei oder drei Jahren führen wir diese Gespräche und es war nie die erste Frage, ob man die Priesterweihe für Frauen einführen soll oder nicht. Das ist aber durchaus eine Frage, die immer wieder gestellt wurde und wird, und die auf jeden Fall im Hinterkopf präsent ist. Für mich ist das eine offene Frage, über die die Weltkirche nachdenken soll.“

Für Curau-Aepli steht auch die Frage nach Verantwortung und Macht im Kern der gemeinsamen Debatte. Gerade die vorgeschlagene Ombudsstelle könnte helfen, hebt sie hervor. 

„Es geht also darum, dass eine Stelle eingerichtet wird, an die sich diese Frauen wenden können, wenn sie sich diskriminiert fühlen. Diese Anlaufstelle ist nicht gedacht, um Fälle von Übergriffen zu behandeln, sondern Fälle von Machtmissbrauch.“

Reformprozesse überall

Der Schweizerische Katholische Frauenbund ist der größte konfessionelle Frauen-Dachverband in der Schweiz mit rund 120.000 Mitgliedern. Curau-Aepli als Präsidentin findet es wichtig, dass in jedem Land Katholikinnen und Katholiken sich verbünden und synodale Prozesse in Gang bringen, diese anstoßen und verlangen.

„Ich habe gerade gehört, dass auch in Südamerika solche Prozesse derzeit in Gang sind. Da können wir auch sehr viel lernen. Es muss uns bewusst sein, dass nicht nur in der Schweiz oder in Westeuropa dieser Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche so weit fortgeschritten ist, dass wir vielleicht nicht mehr relevant sind oder als Relevanz wahrgenommen werden. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass auch wir Laien, aber auch Priester und alle, die für die Kirche arbeiten, uns jetzt neu besinnen auf das, was die Kirche ausmacht und auf diese Weise konkrete Prozesse anstoßen.“

(vatican news)

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12. März 2021, 11:51