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Syrien heute Syrien heute  (AFP or licensors)

Caritas Österreich: 2,4 Millionen Kinder in Syrien ohne Schule

Der Krieg in Syrien hat verheerende Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung, im Besonderen aber auch auf die Kinder. „2,4 Millionen Kinder können derzeit im Land nicht in die Schule gehen“, schlug der Auslandshilfechef von Caritas-Österreich, Andreas Knapp, im Interview mit Kathpress Alarm.

Papst Franziskus ging am Sonntag beim Angelus-Gebet auf die Lage in Syrien ein. Auch für die österreichische Caritas ist die Situation im Krisenland nicht hinnehmbar. „Hier wächst eine verlorene Generation heran“, so Knapp. Gerade für Kinder in Krisengebieten sei der Schulbesuch besonders wichtig. Umso notwendiger seien alle Bemühungen, möglichst vielen Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen. „Die Schule gibt den Kindern eine Tagesstruktur, Stabilität und Sicherheit“, fügt der Caritas-Mann an.

Zum Nachhören - was Caritas Österreich über den Krieg in Syrien sagt

Spezielle psychologische Hilfsangebote

In den von der Caritas unterstützten Bildungsprogrammen geht es dabei nicht nur um das „normale“ Lernen. Vielfach brauche es auch spezielle psychologische Hilfsangebote für die von Krieg, Gewalt und Flucht traumatisierten Kinder, erläuterte Knapp. In manchen Gegenden finanziert die Caritas auch den Schulbus, damit die Kinder die Chance auf einen Schulbesuch haben.

Knapp war selbst auch schon mehrmals im Land, er kennt die Menschen und ihre Nöte. Und er zeigte sich im Kathpress-Interview auch tief beeindruckt vom Lebenswillen, der Improvisationskunst und der Standhaftigkeit der Syrerinnen und Syrer. „Die Menschen haben die Fähigkeit, mit jeder noch so schwierigen Situation fertig zu werden und die Hoffnung nicht zu verlieren. Doch sie brauchen dazu auch unsere Hilfe“, sagte Knapp.

Der Auslandschef berichtete von einem persönlichen Erlebnis in der Hauptstadt Damaskus. 2018 setzte die syrische Regierungsarmee zum Sturm auf den von „Rebellen“ besetzten Stadtteil Ost-Ghouta an. Bevor der Sturm mit schwersten Bombardierungen begann, konnten noch zigtausende Zivilisten flüchten. „Über Nacht wurde improvisiert, damit alle irgendwo irgendwie untergebracht werden konnten“, erläutert er. Und schon am nächsten Tag begannen einige Lehrer unter den Flüchtlingen, die Kinder mit einfachsten Mitteln in den ärmlichen Notunterkünften in Eigenregie zu unterrichten. Knapp: „Diese Menschen mit ihrer Energie und Willenskraft halten Syrien trotz aller Konflikte und Schwierigkeiten irgendwie am Laufen. Sie verdienen unsere Hilfe.“

Vielfältige humanitäre Hilfe

Neben Bildungsprogrammen finanziert die Caritas auch zahlreiche Projekte, wo es um humanitäre Hilfe geht. Dazu zählt neben Akuthilfe (Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung, Kleidung etc.) aber auch der Wiederaufbau oder Ausbau von Infrastruktur.

Dieser Tage jährt sich zum zehnten Mal der Beginn des Syrien-Krieges. 13,4 Millionen Menschen sind in irgendeiner Weise in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen, 9,3 Millionen davon auf Nahrungsmittelhilfe. Es gibt im Land rund 6,7 Millionen Binnenflüchtlinge, mit dramatischen Folgen auch für jene Gegenden, die nicht direkt vom Krieg betroffen sind. Die Bevölkerung ist in manchen Städten oder Dörfern durch die Flüchtlinge auf das bis zu Dreifache angestiegen. Da könne die Infrastruktur nicht mithalten. Auch hier leiste die Caritas deshalb nach Möglichkeit Hilfe, erläuterte Knapp, etwa wenn es um die Wasserversorgung geht.

Eindringlich appellierte der Caritas-Auslandshilfechef an alle Konfliktparteien, am Verhandlungstisch eine politische Lösung für Syrien zu finden. Ohne politische Lösung komme auch die syrische Wirtschaft nicht auf die Beine. Die westlichen Wirtschaftssanktionen seien wohl nicht grundlos, sondern als Folge schwerer Menschenrechtsverletzungen erlassen worden. Die Sanktionen würden aber vor allem die ohnehin schon verarmte Bevölkerung treffen. Ohne politische Lösung könne sich auch die Wirtschaft nicht erholen und Armut und Not im Land würden weiter zunehmen. Die Caritas versuche jedenfalls, in dem Konflikt neutral zu bleiben und sich nicht vereinnahmen zu lassen. Menschlichkeit, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit seien die entsprechenden Schlagwörter, betonte Knapp.

(kap - mg)

15 März 2021, 09:12