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Österreichs Bischöfe: Mehr Einsatz gegen Menschenhandel

In Österreich hat die katholische Bischofskonferenz zu mehr Einsatz gegen Menschenhandel aufgerufen. Auch zum assistierten Suizid und zur Lage von Flüchtlingen und Familien in der Corona-Pandemie bezogen die Oberhirten zum Ende ihrer Vollversammlung Stellung.

Die viertägige Frühjahrsvollversammlung war aufgrund der Corona-Pandemie erneut online als Videokonferenz durchgeführt worden. 

Menschenhandel: Mehr Opferschutz und Strafen für die Täter

Bei ihren Beratungen hatten sich die Bischöfe unter anderem gemeinsam mit Expertinnen und Aktivisten mit den Ursachen von und möglichen Maßnahmen gegen Menschenhandel befasst. Verschiedene Formen der Armut, gefährliche familiäre Verhältnisse, ökologische Desaster oder der Traum von einem besseren Leben drängten Menschen in den Herkunftsländern in die Hände Krimineller. Diesen vielfältigen Ursachen müssten umfassende Maßnahmen entgegengesetzt werden, so die Bischöfe an diesem Donnerstag in einer Erklärung zum Abschluss ihrer Beratungen.

Es brauche auf der gesetzlichen Ebene vor allem einen starken Schutz der Opfer und hohe Strafen für Menschenhändler. Mehr als bisher sollte sich Österreich, das durch seine Lage in der Mitte Europas ein Transit- und Zielland für Menschenhandel sei, an Modellen und Ländern orientieren, die diejenigen kriminalisiert, die aus Prostitution oder anderen Formen sexueller Ausbeutung der Opfer von Menschenhandel Vorteile ziehen. Außerdem brauche es Verschärfungen der Geldwäsche-Normen, damit Geld aus dem Menschenhandel nicht „weißgewaschen“ werden könne - schon gar nicht in Österreich.

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Mit einem Volumen von 150 bis 200 Milliarden Euro jährlich sei der Handel mit Menschen nach dem Drogenhandel das weltweit einträglichste Verbrechen, hielten die Bischöfe fest. Als ein gelungenes Beispiel für den Einsatz gegen Menschenhandel verwiesen sie auf den Verein „Solwodi“ (Solidarity with women in distress) der deutschen Ordensfrau Lea Ackermann, in dem sich seit 2010 Schwestern verschiedener Gemeinschaften für weibliche Opfer von sexueller Gewalt und Prostitution einsetzen.

Familien besser unterstützen

Die Bischöfe hoben zudem die tragende Rolle der Familie in der Gesellschaft hervor, welche die Corona-Pandemie eindrucksvoll vor Augen geführt habe. „Familien waren nicht im Lockdown. Im Gegenteil, sie mussten funktionieren, weil sie als kleinste, pulsierende Zellen unserer Gesellschaft systemrelevant sind.“ Bestehende Maßnahmen zur Unterstützung von Familien in Krisen, wie etwa Sozial- und Therapieangebote und der staatliche Familienhärtefonds, wollen die Bischöfe um „weitere Initiativen und Zeichen der Wertschätzung“ ergänzt wissen. Es gehe hier darum, „all jene zu ermutigen, die an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gekommen sind“, erinnerten die Kirchenvertreter angesichts der Vielfachbelastung der Familien mit Arbeit, Kinderbetreuung, Homeoffice, Homeschooling und der Sorge um Angehörige bei weggefallenen Hilfen. Mehr Familien-Wertschätzung sei auch das Ziel im am 19. März beginnenden „Jahr der Familie“, das der papst initiiert hat, erinnerten sie weiter.

Solidarität mit Flüchtlingen

Angesichts der Corona-Pandemie riefen die Oberhirten zu umso mehr Solidarität mit Flüchtlingen auf. Wenn die Corona-Pandemie vor Augen führt, „wie verletzlich unsere Gesellschaft und unser Leben sind“, sollte das auch zu Empathie gegenüber Flüchtlingen führen. „Diese Erfahrung sollte uns auch hellhörig machen, wenn Menschen gezwungen sind, vor Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat zu fliehen.“ Gegenüber der Regierung erneuerten die Bischöfe ihren Appell angesichts der dramatischen Zustände auf den griechischen Ägäis-Inseln zusätzlich schutzbedürftige Familien mit kleinen Kindern und unbestrittenen Fluchtgründen in Österreich aufzunehmen.

Ein europaweit koordiniertes humanitäres Aufnahmeprogramm wäre nach ihren Worten „konkreter Ausdruck jener Werte, für die Europa und das Christentum stehen“. „Grenzen zu sichern und Menschen zu schützen dürfen einander niemals ausschließen“, so die Bischöfe. Menschenwürde und Menschenrechte müssten ausnahmslos für alle Menschen gelten, „unabhängig davon, wo sie geboren wurden“.

Beihilfe zur Selbsttötung: Appell an Gesetzgeber und Politik

Mit Blick auf die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes (VfGH), das Verbot der Beihilfe zur Selbsttötung aufzuheben, forderten die Bischöfe die politischen Entscheidungsträger auf, alles zu unternehmen, um die Suizidprävention als staatliches Gesundheitsziel gesetzlich abzusichern und auszubauen. Der Gesetzgeber sei nun gefordert, bei der Umsetzung der VfGH-Vorgaben eine „lebensgefährliche Dynamik zu verhindern, die bisher in allen Ländern eingetreten ist, wo der unbedingte Schutz des Lebens gelockert wurde“, so die Bischöfe im Anschluss an die Online-Vollversammlung der Bischofskonferenz. Suizidwillige müssten vor der Einflussnahme durch andere geschützt und es müsse sicherstellt werden, dass sich diese mittels Beratung Klarheit über ihre Situation verschaffen können.

„Verlässlich auszuschließen“ sei, dass niemand zur direkten oder indirekten Mitwirkung an einem Suizid gedrängt werden kann - weder organisatorische Einheiten wie etwa Krankhausträger oder Pflegeheime noch Privatpersonen. Schon gar nicht darf nach Überzeugung der Bischöfe aus der Beihilfe zum Suizid eine „Geschäftemacherei“ werden. Die Förderung der Selbsttötung sollte in Österreich kein akzeptierter Vereinszweck werden, und im Zuge der Suizidbeihilfe dürfe es nicht zur Vorteilsgewährung für daran Beteiligte kommen.

Als Suizidprävention plädiert die Bischofskonferenz für ein „breites Bündnis gegen die neue Not der Einsamkeit" in der Gesellschaft. Auch die Kirche wolle in Zukunft im Sinne einer "Fürsorge-Kultur" und eines solidarischen Miteinanders "einen großen Beitrag leisten“.

Hilfen für den Irak und für Erdbebenopfer in Kroatien

Nach dem Irak-Besuch des Papstes rief die Bischofskonferenz zu verstärkter Hilfe für die Menschen im Zweistromland auf. Franziskus habe „ein überzeugendes Zeichen für Versöhnung zwischen den Religionen und Völkern gesetzt“, betonten sie in einer eigenen Erklärung. Die österreichische Politik müsse sich bilateral wie auch im Rahmen der Europäischen Union für Frieden, politische Reformen und faire Wirtschaftsbeziehungen in und mit dem Nahen Osten einsetzen. Auch die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Irak und anderen Ländern der Region solle ausgebaut werden, appellierten die Mitglieder der Bischofskonferenz, denn: „Zukunftsperspektiven sind letztlich der einzige Garant dafür, dass Menschen auch in ihrer Heimat bleiben wollen und können.“

Mit Blick auf den immer noch großen Hilfsbedarf für Erdbebenopfer in Kroatien riefen die Bischöfe zu weiteren Spenden auf. In den Tagen nach Weihnachten hatte in Kroatien eine Serie von Erdbeben rund 50.000 Häuser beschädigt oder zerstört und damit Tausende obdachlos gemacht. „Vielfältige Anstrengungen werden nötig sein, um den Erdbebenopfern wieder ein Dach über den Kopf und ein geregeltes Leben zu ermöglichen“, hielten die Bischöfe fest. Besonders begrüßten sie die Hilfsaktion „Ein Dach für Kroatien“ der Diözese Eisenstadt. Dabei sollen in Zusammenarbeit mit der kroatischen Regierung sowie mit Bau- und Handwerksfirmen in Kroatien und im Burgenland 85-Quadratmeter-Holzhäuser für Erdbebenopfer errichtet werden. „Wir Bischöfe laden Personen und Institutionen ein, sich daran zu beteiligen“, so die Bischöfe.

Personalentscheidungen

Auch Personalentscheidungen wurden bei der Vollversammlung getroffen; so hat die Bischofskonferenz Zuständigkeiten unter den Bischöfen für die nächsten fünf Jahre vergeben und teilweise neu geordnet. Dabei hat Diözesanbischof Josef Marketz das neu geschaffene Referat „Umwelt und Nachhaltigkeit" übernommen. Der Kärntner Bischof war als jüngstes Mitglied der Bischofskonferenz bisher noch für kein Ressort zuständig. Jetzt wurde ihm zudem auch die Verantwortung für Soziales übertragen, wofür zuletzt Militärbischof Werner Freistetter zuständig war. Neuer Vorsitzender der Finanzkommission ist der Feldkircher Bischof Benno Elbs, diese Aufgabe hatte zuvor der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz inne.

Die Zuständigkeit für den Bereich Berufungspastoral und das Canisiuswerk wechselt vom Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl zum Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer. Krautwaschl bleibt für Bildung und Schule zuständig und übernimmt als Referatsbischof für das Laienapostolat jetzt auch die Zuständigkeit für die „Allianz für den Sonntag“ sowie den Katholischen Laienrat Österreichs und die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände. Für die beiden Laienorganisationen war zuletzt Militärbischof Freistetter zuständig. Der Wiener Weihbischof Franz Scharl ist jetzt für das Thema „Verfolgte Christen“ verantwortlich, das zuletzt bei Kardinal Christoph Schönborn lag. Alle anderen Zuständigkeiten blieben unverändert.

(kap – pr)
 

12 März 2021, 12:07