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Katharina Norpoth - Foto: Christian Schnaubelt/BDKJ-Bundesstelle Katharina Norpoth - Foto: Christian Schnaubelt/BDKJ-Bundesstelle  (Christian Schnaubelt)

Synodaler Weg: „Am Ende sprachfähig sein für alle Menschen"

Der Synodale Weg kann zu einer verständlicheren Sprache in der katholischen Kirche beitragen, und hier tragen vor allem die jungen Teilnehmer der Reformdebatte viel bei. Das sagt die Synodale Katharina Norpoth, Mitglied im Forum Sexualmoral und ehemals BDKJ-Bundesvorsitzende.

Gerade die Teilnahme der Unter-Dreißigjährigen sei kostbar, macht die junge Frau in der aktuellen Ausgabe der Podcast-Reihe „Himmelklar – Fürchte dich nicht“ deutlich.

„Es muss ja auch eine Perspektive in den Synodalen Weg eingebracht werden, die vielleicht auch ganz fernab von jeglicher theologischer Kenntnis ist, um einfach auch Dinge zu hinterfragen, um Dinge deutlich zu machen, um das dann auch so formulieren zu können, dass wir am Ende sprachfähig sind für alle Menschen und dass auch alle Menschen das verstehen, was wir da diskutieren. Wenn es um Macht geht, geht es auch immer um Sprache als Macht und da müssen wir schauen, dass wir diese Sprache so verständlich hinbekommen, dass wirklich alle davon angesprochen werden und dass sich niemand nur aufgrund von Sprache ausgeschlossen fühlt. Es ist ja auch nicht erst seit dem Synodalen Weg der Fall, dass man immer wieder erklären muss, was macht katholische Kirche eigentlich? Es ist ja viel grundlegender, dass manche Menschen gar nicht mehr verstehen, was katholische Kirche überhaupt bedeutet. Dass wir da sprachfähig werden, dass wir das auch in einfache Sprache übersetzen können. Das muss ein wesentliches Anliegen sein.“

Zu einem besseren Miteinander in der Kirche kommen – das läuft wesentlich auch über Sprache. Beim Synodalen Weg kann das Miteinandersprechen und in Worte-Fassen den Weg in ein tieferes Verständnis bahnen. Das kann aufzeigen, wo Leidensdruck und Änderungsbedarf besteht – und wo vielleicht auch nicht. Norpoth verdeutlicht das an der Arbeit im Forum Sexualmoral:

„Es geht ja bei uns im Forum um gelingende Beziehungen. Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft. Und wenn man diesen Titel hört, ist er beim ersten Hören sehr sperrig, und dementsprechend mussten wir das auch aufdröseln und schauen: Was verbirgt sich eigentlich alles dahinter? Welche Themen möchten wir bearbeiten? Wo sehen wir Bedarf, dass sich was verändert? Wie können wir das verändern und wie können wir das strukturell auch verankern? Und was sind eigentlich auch unsere Erwartungen daran, was sich verändern muss? Also das haben wir auch im vergangenen Jahr immer wieder abgesteckt, haben immer wieder auch Kleingruppen-Arbeit gemacht, haben Texte verfasst. Zur Regionen-Konferenz im vergangenen Jahr haben wir auch erste Handlungs-Empfehlungen vorgelegt, die sehr knapp und verkürzt waren, die aber zumindest schon mal zum Ausdruck gebracht haben, wo wir Veränderungsbedarf sehen. Und gerade sind wir dabei, weitere Handlungs-Texte zu verfassen zu den unterschiedlichen Themen, um die dann auch in der ersten Lesung der nächsten Synodalversammlung vorlegen zu können.“

Der Weg wird mit Sprache gebahnt: Katharina Norpoth spricht im Plenum des Synodalen Weges. Foto: Christian Schnaubelt/BDKJ-Bundesstelle
Der Weg wird mit Sprache gebahnt: Katharina Norpoth spricht im Plenum des Synodalen Weges. Foto: Christian Schnaubelt/BDKJ-Bundesstelle
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Vertrauen und Respekt

Gerade beim Umgang mit sensiblen Themen brauche es Vertrauen und Respekt, gibt die junge Frau ihre Erfahrungen mit Kontroversen in der Forumsarbeit wieder.

„Dann muss man aber auch immer wieder in den Austausch kommen darüber, wie stichhaltig die Argumente denn eigentlich sind. Und wer kann was wie belegen. Dann müssen wir gucken: Wie können wir gut miteinander diskutieren und wie können wir da auch weiterkommen gemeinsam?“

Das Forum Sexualmoral habe zum Glück noch vor dem ersten Lockdown Gelegenheit zum Austausch gehabt und habe so eine persönliche Basis schaffen können. Beim Austausch stoße man in der Forumsarbeit freilich auch an Grenzen, lässt die Synodale weiter durchblicken - „weil auch Standpunkte, wie wir das alle kennen, ungern aufgegeben werden. Insbesondere mit Sicherheit nicht kampflos aufgegeben werden“. Außerdem herrschten unterschiedliche Ansichten darüber, ob es über bestimmte Themen überhaupt einen Konsens geben kann. Norpoth selbst denkt da praktisch.

„Ich finde, wir müssen gucken, wo wir zusammenkommen können und wo wir gemeinsame Nenner finden können. Wir brauchen dann aber auch irgendwann Entscheidungen, die uns weiterbringen auf der Basis von Mehrheiten. Über die Frage von Minderheitenvoten oder auch der Formulierung, wie man Minderheiten auch eine Stimme geben kann, kann man durchaus diskutieren. Es muss aber am Ende, finde ich, stehen, wie wir mehrheitlich zu bestimmten Dingen stehen und das muss auch nach außen getragen werden.“

Handlungsspielräume besser ausschöpfen

Was Reformen in der katholischen Kirche betrifft, sieht Norpoth Handlungsspielräume teilweise noch gar nicht ausgeschöpft. Die gültigen Regeln müssten dazu nicht einmal umgeschmissen werden, gibt sie mit Blick auf das Thema Frauen und Wiederverheiratete zu bedenken:

„Es gibt verschiedene Dinge, zum Beispiel auch, was im vergangenen Jahr das Forum ,Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche‘ zu den Regionen-Konferenzen vorgelegt hat. Die Texte zeigen sehr deutlich, dass in diesem Bereich schon einiges möglich wäre, also auch in den bestehenden Strukturen. Das Gleiche gilt für andere Bereiche, auch bezüglich der Einbeziehung von wiederverheirateten Geschiedenen in den Gottesdienst. Das müssen wir einfach vor allem erstmal ausschöpfen.“

Darüber hinaus gebe es auch Forderungen, die auch auf weltkirchlicher Ebene geklärt werden müssen, wie das Weiheamt der Frau und die Überarbeitung des Katechismus, fährt sie fort.

„Das werden wir - leider - nicht mit der Synodalversammlung beschließen können. Wir können beschließen, dass wir uns dafür einsetzen, dass die Sachen entsprechend geändert werden, dass die nach Rom getragen werden. Das können wir nicht eigenständig auf einer regionalen Ebene umsetzen. Vielleicht führt es am Ende dazu, dass man auch nochmal stärker die Regionalität in den Blick nimmt und da auch Veränderungen herbeiführen kann, die dann wirklich auf lokaler Ebene stattfinden. Das wird man dann aber sehen.“

Sich Zeit nehmen auch wichtig

Es gilt nach Norpoths Ansicht also Spielräume auszuschöpfen und Grenzen zu erkennen, gemeinsame Wünsche zu formulieren und diese dann auch zu kommunizieren. Zum bisherigen Synodalen Weg zieht die junge Katholikin eine differenzierte Bilanz:

„Das eine ist, dass ich mir natürlich gewünscht hätte, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt, über ein Jahr nachdem der synodale Weg begonnen hat, schon deutlich weiter schon wären. Manchmal glaube ich aber auch, dass es wichtig ist, uns diese Zeit zu nehmen. Vielleicht hat Corona auch an der Stelle etwas Positives, dass wir nochmal intensiver diskutieren konnten im vergangenen Jahr. Darüber hinaus muss es jetzt einfach konkreter werden. Wenn wir wirklich vorankommen möchten und wenn wir auch nach außen hin ein Zeichen setzen möchten, dass katholische Kirche sich weiterentwickelt, dass wir uns alle, wie wir da sind, weiterentwickeln, braucht es auch konkrete Beschlüsse. Die konnten durch die Regionen-Konferenzen und jetzt die Online-Konferenz leider noch nicht gefasst werden. Und ich glaube, dass wir wirklich diese Beschlüsse brauchen, um konstruktiv und gut weiterzuarbeiten.“

(podcast himmelklar/vatican news – pr)
 

11 Februar 2021, 09:30