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Bei einer Impfung in Wien Ende Dezember Bei einer Impfung in Wien Ende Dezember  (AFP or licensors)

Österreich: Hohe Impfbereitschaft in kirchlichen Einrichtungen

In kirchlichen Pflege- und Gesundheitseinrichtungen herrscht eine hohe Impfbereitschaft - und sie steigt ebenso wie in der Gesamtbevölkerung weiter. Das ergab eine Kathpress-Umfrage unter entsprechenden Trägern wie Caritas oder Barmherzige Brüder.

Auch im kirchlichen Kontext wurde damit eine jüngst veröffentlichte Sora-Umfrage bestätigt, die für das anfänglich impfskeptische Pflegepersonal eine steigende Bereitschaft ergab, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Die kolportierten Zahlen würden im kirchlichen Umfeld sogar übertroffen, so der Tenor.

Die Impfbereitschaft in den Pflegewohnhäusern der Caritas „ist hoch und steigt mit jedem Tag“. Das betonte Caritas-Generalsekretärin Anna Parr am Dienstag gegenüber Kathpress: „Wir haben Häuser, in welchen sich im ersten Durchgang knapp 70 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter impfen ließen, Tendenz pro Durchgang steigend.“ Um die Impfbereitschaft weiter hoch zu halten, sei neben der Transparenz über die Wirksamkeit der verschiedenen Impfstoffe besonders wichtig, „dass weiterer Impfstoff nun auch bald verfügbar ist“.

Der Caritas sei es ein großes Anliegen gewesen, dass die Gruppe von Menschen mit Behinderungen auch in die erste Phase der Impfung aufgenommen wurde. Ebenso dringend und wichtig sei es, „dass auch jene Personen, die zu Hause gepflegt oder betreut werden, möglichst rasch geimpft werden, sowie auch jene, die diese Pflege und Betreuung übernehmen“, so Parr unter Verweis auf die mobile Pflege, das Reinigungspersonal, Hospizdienste oder die Seelsorge und Freiwilligendienste. Nachsatz: „Das wären wichtige Priorisierungen, die noch zu treffen sind.“

Caritas unterstützt Initiative „Österreich impft“

Die Caritas unterstütze die Initiative „Österreich impft“ und informiere Mitarbeiter, Bewohner, Klienten und Angehörigen über die Impfung. Die einzelnen Einrichtungen bemühten sich sehr um Aufklärung und Sensibilisierung. So seien etwa Videokonferenzen mit Epidemiologen, Aufklärungsgespräche mit Ärzten, Infoschreiben an Angehörige und spezielle Mitarbeiter-Zeitungen zum Thema angeboten worden.

Zudem würden Mitarbeiter und auch Freiwillige, die laut Impfplan jetzt vorgesehen sind, aktiv eingeladen, sich impfen zu lassen. Allerdings, so Parr, „ist die Entscheidung für oder gegen die Impfung letztlich eine höchstpersönliche, die wir weder für Bewohnerinnen und Bewohner noch für das Personal oder Freiwillige treffen können und wollen“. In diesem Sinne habe es auch keinerlei Vorgabe vonseiten der Leitungen für die Durchimpfung von Personal oder Klienten gegeben.

Barmherzige Brüder: Ärzte fast vollzählig

Von einer recht großen Bereitschaft, sich impfen zu lassen, berichtet Gerhard Stark, Ärztlicher Direktor für die gesamte Österreichische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder. Im Bereich der Ärzte liege die Impfbereitschaft je nach Krankenhaus bei bis zu 100 Prozent, beim Pflegepersonal liege man zwar etwas darunter, doch auch hier sei die Tendenz steigend, so Stark.

So kontinuierlich der Impfstoff bereitgestellt wird, so kontinuierlich werde bei den Barmherzigen Brüdern auch geimpft, betonte Stark gegenüber Kathpress. Er hat die medizinische Gesamtleitung für alle Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen der Österreichischen Ordensprovinz inne.

Vorbildliche „VinziWerke“

Eine enorm hohe Impfbereitschaft herrscht laut Koordinatorin Nora Tödtling-Musenbichler in den „VinziWerken“. Nicht nur die hauptamtlich in den Sozialprojekten und -einrichtungen der Vinzengemeinschaft Graz-Eggenberg Beschäftigten seien durchwegs zu einer Schutzimpfung bereit, auch die vielen ehrenamtlich Engagierten stünden auf entsprechenden Wartelisten der Behörden, teilte Tödtling-Musenbichler im Gespräch mit Kathpress mit. Und auch die Bewohner etwa im Grazer oder Wiener „VinziDorf“, Dauerherbergen für männliche Obdachlose, seien willens, sich vor Ansteckungen zu schützen.

Bedauern äußerte die Sozialmanagerin darüber, dass die Arbeit für Wohnungslose in der Steiermark - im Unterschied zu Wien - als nicht zur „kritischen Infrastruktur“ gehörend betrachtet wird und somit laut steirischer Impfstrategie die in diesem Bereich Tätigen nicht als Zielgruppe der Impfphase 1 gelten. Dabei seien Obdachloseneinrichtungen durch den direkten Menschenkontakt vergleichbar etwa mit Pflegeheimen, wo sehr wohl sofort geimpft wird, so die „VinziWerke“-Vertreterin.

Keine überdurchschnittliche Impfskepsis

Wie eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage des Sora-Instituts (Sample: 422 Teilnehmer) ergab, wollen 56 Prozent der befragten Pflegebediensteten, dass sich möglichst viele Berufskollegen gegen Covid-19 impfen lassen, um sich und Patienten bzw. Bewohner von Pflegeheimen vor dem Coronavirus zu schützen. Ein Viertel der in diesem Bereich Beschäftigten (24 Prozent) will sich selbst unbedingt impfen lassen, 27 Prozent eher schon. Damit liegt die allgemeine Impfbereitschaft bei Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich bei 51 Prozent.

Laut Sora-Institut gibt es somit keine empirischen Hinweise auf eine überdurchschnittliche Impfskepsis bei Beschäftigten in Gesundheits- und Pflegeberufen. Sicher nicht infrage kommt in diesem Berufsfeld die Impfung für 27 Prozent, womit die dezidierte Ablehnung ungefähr gleich groß ist wie in anderen Berufen.

(kap – sk)
 

02 Februar 2021, 11:48