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Manfred Scheuer, Bischof von Linz Manfred Scheuer, Bischof von Linz 

Österreich: Diözese Linz stellt Weichen für Neustrukturierung

Der Strukturprozess in der Diözese Linz - der sogenannte „Zukunftsweg" - wurde zwar durch die Corona-Pandemie gebremst, geht aber nun weiter. Ein Jahr nach dem letzten großen Diözesanforum, bei dem 94,5 Prozent der 186 mitstimmenden Delegierten für das erarbeitete Modell votierten, informierte Bischof Manfred Scheuer diesen Montag über weitere Schritte.

Er habe sich für die Umsetzung des Reformvorhabens entschieden: „Wir gehen das gemeinsam an", so Scheuer in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl und Generaldechant Slawomir Dadas in Linz. Das neue diözesane Strukturmodell sieht u.a. weniger, dafür aber größere Pfarren vor.

Der „Zukunftsweg" sei ein vielschichtiger Prozess, „der zutage fördert, was uns als katholische Kirche in Oberösterreich ausmacht", konstatierte der Bischof. Seit dem Diözesanforum wurde weiter an der inhaltlichen Ausrichtung gearbeitet: Gesetzestexte für die Umsetzung der Reform wurden geschrieben und geprüft sowie die bestehende Ämterstruktur analysiert, um zukünftig die seelsorgliche Basis besser unterstützen zu können, hieß es in einer Aussendung der Diözese. Nach der Konzepterarbeitung gehe es nun um konkrete pastorale Strukturen auf territorialer Ebene, also der Pfarren.

Hier im Audio: Bischof Manfred Scheuer, Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl und Generaldechant Slawomir Dadas zum Strukturprozess "Zukunftsweg" in der Diözese Linz

Viel Zustimmung

Positiv hob Scheuer die große Beteiligung und Zustimmung für die Notwendigkeit des Prozesses hervor. Dies sei auch die Grundlage für seine Entscheidung zugunsten des „Zukunftsweges" gewesen, der in Übereinstimmung mit kirchlichen Normen und Gesetzen erfolge.

Die Diözese benötige „tragfähige lebendige Strukturen", in denen sich Kirche, Gläubige, Kirchenferne und Gesellschaft begegnen könnten, so der Bischof.

„gute Rahmenbedingungen schaffen, dass Christen ihr Christsein ausdrücken können, damit Kirche als positive Kraft erlebbar wird“

Herausforderungen

Der Reformprozess solle nichts „überstülpen, sondern heben, was da ist". „Ich bitte sehr um euer Mitgehen", so Scheuer wörtlich in Richtung Gläubige und Pfarrverantwortliche. Zwar werde nicht alles von   heute   auf   morgen   anders oder besser werden, noch schlimmer sei aber, nichts zu tun oder keine Entscheidung zu treffen, mahnte der Bischof. Zu den aktuellen Problemlagen zählte Scheuer etwa den Engpass bei Priestern. Die neuen kirchlichen Strukturen sollten daher „gute Rahmenbedingungen schaffen, dass Christen ihr Christsein ausdrücken können, damit Kirche als positive Kraft erlebbar wird".

Schwerpunkte

Der Strukturprozess der Diözese drehe sich letztlich um die Frage „Was bedeutet Christsein  heute? Wie leben und organisieren wir uns als Kirche?", so Pastoralamtsdirektorin Eder-Cakl. Die diözesane Neuausrichtung solle sich daher an drei Schwerpunkten ausrichten: Spiritualität, Solidarität und Qualität. Dieser Anspruch spiegle sich auch in der neuen Pfarrstruktur wider, in der Seelsorger ihre Fähigkeiten und Talente ausüben können, Partizipation und Subsidiarität gelebt werden sowie Leitung in Haltung des Dienens verstanden werden sollte.

Viele tausende Menschen" hätten das Konzept reflektiert und ein deutliches Votum für das Modell abgegeben, betonte Eder-Cakl. Die Entwicklung sei nun abgeschlossen, die Umsetzung der Pfarrstrukturen werde künftig in den Händen von Generalvikar Severin Lederhilger liegen, kündigte die Pastoralamtsdirektorin an. Dieser werde bis Ende März die diözesanen Räte und Gremien informieren, die Grundlagentexte des Modells und den kirchenrechtlichen Rahmen vorstellen sowie konkrete Schritte weitergeben. Eine sich in Gründung befindende Stabsstelle soll weiters die Umsetzung des „Zukunftsweges" organisieren.

Pionierpfarrren

Mit Herbst 2021 sollen die ersten - vermutlich fünf bis sieben - „Pionierpfarren" mit der praktischen Umsetzung der territorialen Struktur beginnen. Gestartet werde mit einer Vorbereitungsphase, der Formulierung konkreter Ziele und eines Pastoralkonzeptes, erläuterte Eder-Cakl den Prozess. Begleitet werden die Pfarre dabei von Beratern und Experten. Ab Herbst 2022 könnten schließlich neue Pfarren rechtlich gegründet werden.

Den gesamten Umsetzungsprozess bezeichnete Eder-Cakl als „enorm komplex". Die Umsetzung auf der gesamten Diözesanebene werde vermutlich bis 2026 dauern. Auch der Strukturprozess der Ämter und Einrichtungen werde stark mit der Pfarrstruktur verzahnt sein

Kompromisse

Der Linzer Generaldechant Slawomir Dadas, Leiter der Arbeitsgruppe „Zeitgemäße Strukturen", erklärte, man habe auf dem Weg des Beratungsprozesses viele Kompromisse schließen müssen, jedoch ohne die „Philosophie" des Models zu verlassen. Den aktuellen „Zukunftsweg" bezeichnete Dadas daher als „guten Rahmen für ein lebendiges Glaubensleben in der gesamten Diözese, geleitet vom Miteinander".

Konkret sieht der im „Handbuch zum Strukturmodell" vorgeschlagene „Zukunftsweg" vor, die derzeit in 39 Dekanaten zusammengefassten 486 Pfarrgemeinden der  Diözese in künftig 40 „Pfarren" überzuführen, die sich dann aus je zehn bis 14 „Pfarrgemeinden" und anderen „pastoralen Knotenpunkten" bilden, die wiederum um die traditionellen lokalen Rechtsträger „Pfarrkirche" und „Pfarrpfründe" gebildet werden. Die genauen Grenzen der neuen Dekanate und Pfarren stünden aber noch nicht fest. Im Hintergrund gebe es zudem Gespräche mit den entsprechenden vatikanischen Stellen in Rom, so Dadas.

Gespräche in Rom

Bischof Scheuer führte dazu aus, dass es u.a. im  Juni 2020  Gespräche in Rom gab; es ging auch darum, ob alles konform mit dem Kirchenrecht ist. Dies sei der Fall, betonten Bischof sowie Eder-Cakl. Am „Zukunftsweg" hätte zudem auch die Instruktion der Kleruskongregation mit dem Titel „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" nichts geändert.

Ziel des gesamten Prozesses sei, dass die einzelnen Pfarrgemeinden ihre Selbstständigkeit bewahren können, betonte Dadas. Auch die kategoriale Seelsorge wie die Krankenhaus-, Jugend- oder Betriebsseelsorge sollen zu diesem „Beziehungsnetz" gehören. Ziel der neuen „Pfarrteilgemeinden" sei es auch, den tausenden Ehrenamtlichen gute Rahmenbedingungen zu sichern.

Organisation der Pfarren

Die Pfarren werden künftig vom Pfarrer in einem Pfarrvorstand geleitet, zu dem ein Pastoralvorstand und ein Verwaltungsvorstand gehören. Sie arbeiten zusammen mit je eigener Verantwortung und nach festgelegten Aufgaben - „Pfarrer und Pfarrvorstände übernehmen die Gesamtverantwortung für die Pfarre und sorgen gemeinsam mit den darin handelnden Personen - wie Priester, Ständige Diakone, haupt- und ehrenamtliche Laien, aktive Gläubige - für eine zeitgemäße pastorale Entwicklung", erklärte Dadas die konkrete Pfarrstruktur. Die einzelnen Pfarrteilgemeinden könnten aber auch von hauptamtlichen Laien geleitet werden, stellte der Generaldechant klar.

„Die Struktur der Kirche ist nie ein Heilmittel, sondern immer ein Rahmen“

Die Struktur der Kirche ist nie ein Heilmittel, sondern immer ein Rahmen, in dem der Glaube weiterhin mit Freude und Engagement gelebt, gefeiert und verkündet werden kann", so der Generaldechant abschließend.

Hintergrund

Seit Anfang 2018 war das Modell in knapp 90 Resonanztreffen in allen Dekanaten sowie mit Einbindung u.a. der kirchlichen Berufsgruppen und der Orden bei Diözesanforen erstellt und überarbeitet worden, teils mit Nachschärfungen hinsichtlich der Rolle von Ehren- und Hauptamtlichen sowie der Priester.

(kap – sst) 

01 Februar 2021, 15:30