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Thomas Heine-Geldern, Präsident KIN international, vor einem Bild des Gründers van Straaten © Wlodzimierz Redzioch Thomas Heine-Geldern, Präsident KIN international, vor einem Bild des Gründers van Straaten © Wlodzimierz Redzioch 

D: Kirche in Not zeigt sich bestürzt über Vorwürfe gegen Gründer

Wie die „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ (Donnerstag) berichtete, soll der Gründer des internationalen katholischen Hilfswerkes „Kirche in Not/Ostpriesterhilfe“ 1973 eine damals 23-jährige Frau sexuell bedrängt haben. Der geschäftsführende Präsident des internationalen Hilfswerks, Thomas Heine-Gerldern, erklärte am Mittwoch, Kirche in Not distanziere sich „umfassend von jeder Form des Verhaltens, wie es in dem Artikel Pater van Straaten vorgeworfen wird“.

Im Namen des Hilfswerks verpflichtete sich Heine-Geldern zu einer „offenen und vollständigen Aufklärung“. Erst im Jahr 2010 habe eine Person den Vorwurf der sexuellen Nötigung gegen Pater van Straaten erhoben, der 2003 verstorben war, so der aktuelle Präsident des Hilfswerkes. Der Vorfall, der sich im Jahr 1973 ereignet haben soll, sei als glaubwürdig eingestuft worden, „auch wenn die Schuldfrage durch den Tod Pater van Straatens nicht mehr geklärt werden konnte“. Dennoch seien die Verantwortlichen der für den kirchlichen Bereich in Deutschland empfohlenen Praxis zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen gefolgt und hätten der Betroffenen „eine finanzielle Hilfeleistung von 16.000 EUR in Anerkennung des Leids zuerkannt“, erläutert Heine-Geldern.

Wie „Christ&Welt“ berichtete, sei wegen des Vorfalls bereits im Vorfeld eine Zahlung von 20.000 Euro geleistet worden. Nach Darstellung des Hilfswerkes handelte es sich dabei allerdings um eine Entschädigung an den Vater der Betroffenen wegen ungerechter Behandlung im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses mit Kirche in Not.

„Weitere Anschuldigungen sexualisierter Gewalt gegen Pater van Straaten sind bisher nicht bekannt“

Die zuständigen kirchlichen Autoritäten seien unverzüglich mit Bekanntwerden der Vorwürfe informiert worden. „Die zugleich in Erwägung gezogene Einleitung zivilrechtlicher Schritte“ habe sich jedoch wegen des Todes des Beschuldigten 2003 als nicht möglich erwiesen. Dem Wunsch der betroffenen Frau folgend, sei der Vorfall vertraulich behandelt worden. „Weitere Anschuldigungen sexualisierter Gewalt gegen Pater van Straaten sind bisher nicht bekannt“, unterstreicht der Präsident des Hilfswerkes in seiner Stellungnahme.

Nach dem Abschluss einer im Auftrag des Heiligen Stuhles durchgeführten Apostolischen Visitation in den beiden Vorjahren wurde KIRCHE IN NOT als Päpstliche Stiftung im Jahr 2011 neu gegründet. Die Vorwürfe waren im selben Zeitraum bekannt geworden. Der damalige Apostolische Visitator, Weihbischof Manfred Grothe, habe sie in einem Brief an den Vatikan und an mehrere deutsche Bistümer niedergeschrieben, um den eventuellen Versuch der Aufnahme eines Seligsprechungsprozess für den gebürtigen Niederländer im Keim zu ersticken. Eine Kopie des Briefs, aus dem der „Christ&Welt“-Artikel zitiert, habe sich in den Archiven des Hilfswerks befunden, bestätigte Kirche in Not, das die „schweren geschilderten Vorwürfe zutiefst“ bedauere.

Safeguarding-Richtlinien als Organisationsprinzip

Wie Heine-Geldern in seiner Stellungnahme hervorhebt, seien im Zug der Neugründung des Werkes als Päpstliche Stiftung „alle Bereiche der Organisation“ modernisiert worden, ebenso wurden „neue Führungs- und Kontrollstrukturen“ eingeführt. Ausdrücklich weist der Präsident des Hilfswerkes darauf hin, dass „Safeguarding-Richtlinien zur Prävention von sexuellem Missbrauch“ als „Organisationsprinzip verankert und als Förderkriterium für Projekte der Weltkirche etabliert“ worden seien.

Im Mittelpunkt der Arbeit von Kirche in Not stehe jedoch nach wie vor „der Dienst an den verfolgten und leidenden Christen“, betont Heine-Geldern. Das Hilfswerk werde „alles tun, um Vertrauen seiner Wohltäter auch in Zukunft nicht zu enttäuschen, um seinen Dienst an den Christen weltweit fortzusetzen.“

(pm - cs)

 

11 Februar 2021, 10:29