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Mariano Barbato: „Die Mauer ist keine Lösung“ Mariano Barbato: „Die Mauer ist keine Lösung“ 

Buchtipp: „Die Mauer ist keine Lösung“

Wer das heutige Migrationsthema behandeln will, der kommt nicht umhin, Papst Franziskus dazu zu zitieren und umgekehrt gehört es zum Pontifikat von Franziskus, das Thema Migration aufzugreifen. Dazu hat Mariano Barbato eine Studie herausgegeben, die nicht nur für Soziologen, Politologen und Theologen interessant ist.

Papst Franziskus enthüllte am 29. September 2019, am päpstlichen Welttag des Migranten und Flüchtlings, auf dem Petersplatz ein kolossales Bronzedenkmal.  Das Werk des kanadischen Künstlers Timothy Schmalz stellt ein Boot dar, auf dem gedrängt 140 Flüchtlinge und Migranten aller Zeiten in Marschordnung stehen. Ein Papst, der diesen berühmten und für die Christenheit bedeutenden Platz als Raum für die Präsentation eines neuen, markanten Denkmals nutzt, möchte ein sehr deutliches Zeichen setzen, zumal schon Berninis barocke Kolonaden ein klares Symbolbild darstellen, sowie die hunderten Heiligen über den Kolonanden und die Apostel und Jesus obehalb der Fassade des Petersdomes zu sehen sind. Darauf weist Mariano Barbato in seinem Buch über die Migrationspolitik von Papst Franziskus hin.

Zum Nachhören - der Buchtipp von Mario Galgano

Barbato ist außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft an der Philosophischen Fakultät der Universität Passau und Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Centrum für Religion und Moderne der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sein Buch ist im Campus Verlag erschienen, mit dem Titel: „Die Mauer ist keine Lösung“. Der Autor zeichnet in seinem Werk vor allem die zeitliche und soziologische Entwicklung der Migrationspolitik von Franziskus nach. Barbato geht auch auf die Migrationspolitik der Päpste, also der Vorgänger des heutigen Papstes ein und zählt dann die wichtigsten Momente im Pontifikat von Franziskus auf. Franziskus schrieb die Tradition päpstlicher Migrationspolitik fort, die sich während der europäischen Auswanderung nach Amerika konstituiert hatte, so Barbato. Unter dem Eindruck des demographischen Wandels spitzte Franziskus sie jedoch radikal zu. Immer wieder zitiert Barbato dazu direkt den Papst, stellt die politischen und zeitgenössischen Zusammenhänge vor. Damit versteht man die Linie und Haltung des Pontifex, der selber einen Migrationshintergrund hat, nicht nur besser, sondern merkt auch, dass Franziskus nicht einfach aus „Eigennutz“ oder aus persönlicher Erfahrung spricht. Das Anliegen des Papstes zum Thema Migration ist tief in seinem Glaubensleben und Zeugnis verwurzelt. Auch merkt man in der Lektüre des Buches von Barbato, dass das Migrationsthema die heutige Zeit an sich tief prägt.

Das Migrantendenkmal auf dem Petersplatz
Das Migrantendenkmal auf dem Petersplatz

Barbato schreibt nicht nur präzise und wissenschaftlich korrekt, die Lektüre ist auch angenehm von vielen Details und Einordnungen umrahmt. So ist dann auch klar, weshalb Papst Franziskus für eine migrationsfreundliche Politik steht. Sein Eintreten für Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa kommen, machte er schon 2013 durch einen Besuch der Insel Lampedusa zu einem Markenzeichen seines Pontifikats, so Barbato. Dadurch gewann Franziskus an öffentlicher Statur, zog aber auch Kritik auf sich. Das Buch analysiert die Strategie eines religiösen Akteurs, der moralische Alternativen anbieten möchte, sich aber auch machtpolitisch zurechtfinden muss. Barbatos Werk ist ein Muss für alle Franziskus-Versteher und jene, die den Papst besser kennen lernen wollen.

Zum Mitschreiben: Mariano Barbato: „Die Mauer ist keine Lösung“. Die Migrationspolitik von Papst Franziskus. Campus Verlag 2020.

Eine Rezension von Mario Galgano.

(vatican news)

30 Januar 2021, 13:49