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Schweiz: Bischöfe gegen „Ehe für alle“

Die Schweizer Bischofskonferenz und die staatsrechtliche Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) haben sich öffentlich für einen umstrittenen Beitrag auf dem katholischen Medienportal kath.ch zur Konzernverantwortungsinitiative entschuldigt. Die katholische Kirche in der Eidgenossenschaft wolle den Abstimmungsverlauf aufarbeiten und Lehren für die Zukunft ziehen. Ein erster Schritt betrifft die politische Debatte zur Einführung der „Ehe für alle“.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Gleich zwei Medienmitteilungen an einem Samstag sind an sich ungewöhnlich, und bei der Schweizer Bischofskonferenz passierte das bisher sehr selten. Bei beiden Themen geht es aber um das gleiche Prinzip, die gleiche Frage: Wie soll sich die katholische Kirche in die politische Debatte in der Schweiz einbringen?

Die Auseinandersetzung mit der Konzernverantwortungsinitiative, über die die Schweizer am vergangenen Wochenende abgestimmt haben, sei in kirchlichen Kreisen nicht immer sehr freundlich verlaufen. Vor allem wollen sich die Bischofskonferenz und der Verbund der kantonalen Kirchenkörperschaften RKZ von einem Beitrag auf dem katholischen Medienportal kath.ch distanzieren, in dem der Redaktionsleiter einen Holocaust-Vergleich gezogen hatte. Als Autraggeberinnen von kath.ch bedauere man die Äußerung zutiefst und bitte um Entschuldigung, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Freitagabend.

Politische Engagement

Doch dies bedeute nicht, dass das politische Engagement der Kirche vermindert werden soll. Auch in Zukunft wollen sich die Bischofskonferenz und die Katholische Zentralkonferenz in politische Debatten einbringen. Dabei seien aber stets der nötige Anstand und gegenseitiger Respekt zu wahren, heißt es weiter.

Und da kommt die zweite Stellungnahme zum Zug: Am Samstagvormittag teilte die Bischofskonferenz in einer Erklärung mit, die Bischöfe seien gegen die „Ehe für alle“. Die Bischofskonferenz präzisiert in ihrer Stellungnahme, dass eine Debatte über die juristische Anerkennung der Ehe für homosexuelle Paare nur möglich dann hypothetisch möglich wäre, wenn auch über den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin geredet werde. Da die Zivilehe jedoch wie die kirchliche Ehe auf die Familiengründung ausgelegt sei, müssten gleichgeschlechtliche Paare auf die Fortpflanzungsmedizin zurückgreifen. Und dies werfe „heikle und komplexe Fragen“ auf. Vor allem weisen die Bischöfe darauf hin, dass die Keimzellenspende im Widerspruch zu den Rechten des Kindes stehe. Und deshalb laute  die Schlussfolgerung, dass die „Ehe für alle“ nicht annehmbar sei.

Argumente

Man habe aber Verständnis, dass zugunsten einer „Ehe für alle“ argumentiert werde, um „jegliche Diskriminierung zu beseitigen“. Allerdings möchte die Bischofskonferenz auf den Unterschied zwischen Diskriminierung und Differenzierung hinweisen, wobei Letztere bisweilen das bessere Unterscheidungskriterium sei, um den Interessen von Minderheiten mehr Gewicht zu verleihen. Die Bischofskonferenz sei deshalb der Ansicht, dass es für gleichgeschlechtliche Paare vorteilhafter wäre, wenn die geltende Gesetzgebung im Hinblick auf die registrierte Partnerschaft angepasst würde, anstatt eine „Ehe für alle“ einzuführen. Ihrer Meinung nach würde diese letztlich zu einer Vereinheitlichung verschiedenster Lebensentwürfe führen.

(pm/vatican news)

05 Dezember 2020, 14:43