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Geflohene Menschen auf Lesbos am Rand Europas Geflohene Menschen auf Lesbos am Rand Europas  (AFP or licensors)

Österreich: Familien aus Lesbos aufnehmen!

Eine Reihe österreichischer Hilfsorganisationen haben am Mittwoch gemeinsam einen weiteren Versuch unternommen, die Regierung umzustimmen und Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen.

Angesichts der menschenunwürdigen Situation in den Flüchtlingslagern brauche es eine breite europäische Rettungsaktion unter Beteiligung Österreichs, hielten Caritas, Ärzte ohne Grenzen, Diakonie, Rotes Kreuz und Volkshilfe in einer gemeinsamen Aussendung fest. „Wir verkennen nicht, dass Österreich in der Vergangenheit schon viel geleistet hat. Aber wir können keinen Tag länger zusehen, wenn Kinder auf europäischem Boden in nassen, kalten Zelten und im Dreck leben müssen. Es braucht einen Schulterschluss für ein rasches Handeln im Sinne europäischer Rechtsstandards", hieß es wörtlich.

Seit Jahren beobachte man, dass Hilfe vor Ort auf den griechischen Ägaisinseln einfach nicht ausreiche, so Caritas-Auslandshilfechef Andreas Knapp: „Wenn Kinder im Winter in unbeheizten, nassen Zelten schlafen müssen und nachts von Ratten gebissen werden, besteht dringender Handlungsbedarf. Auf Lesbos, Chios und Samos wurden Menschen- und Kinderrechte bereits vor Jahren suspendiert und eine Verbesserung der Situation ist weiter nicht in Sicht. Die Evakuierung der Elendslager ist ein Gebot der Stunde."

„Wir haben Platz und Ressourcen dafür“

Zwölf europäische Länder beteiligten sich bereits an dieser Rettungsaktion, so Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger: „Deutschland, Luxemburg, die Schweiz und viele andere machen hier bereits mit. Österreich kann und soll sich an dieser humanitären Rettungsaktion beteiligen und in einem ersten Schritt zumindest 100 Familien mit kleinen Kindern aufnehmen. Wir haben Platz und Ressourcen dafür."

Auf diese Ressourcen hatte auch Othmar Karas, Präsident des Hilfswerks Österreich und Vizepräsident des Europaparlaments, in einem eigenen Aufruf verwiesen: „Viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister vom Neusiedlersee bis zum Bodensee haben in dieser humanitären Notsituation über Parteigrenzen hinweg Unterstützung zugesagt. Für die Betroffenen ist es eine dramatische Herbergssuche, sie können weder vor noch zurück, und viele der Familien haben bereits einen Schutzstatus in der EU erhalten. Helfen wir Griechenland und helfen wir diesen Familien in Not!", forderte der konservative Europa-Politiker.

19.000 Flüchtlinge auf den Inseln

Der NGO-Dachverband „AG Globale Verantwortung" machte am Mittwoch in einer Aussendung darauf aufmerksam, dass insgesamt rund 19.000 Flüchtlinge in den Camps auf den griechischen Inseln leben müssten. „Kinder schlafen im Schlamm und werden von Ratten gebissen. Und wir sehen zu? Diese humanitäre Katastrophe muss ein Ende haben. Das gebietet die Menschlichkeit", so Geschäftsführerin Annelies Vilim.

Auch ihr Appell galt der Politik: „Angesichts der humanitären Not fordern wir die Politiker und Politikerinnen Europas auf, gemeinsame Lösungen zu finden. Wir appellieren an die österreichische Bundesregierung, besonders Schutzbedürftige und Kinder zu evakuieren und ihnen so einen Ausweg aus der Not zu ermöglichen. Weihnachten ist ein guter Zeitpunkt, Menschen und Menschlichkeit vor Parteiinteressen zu stellen." Die AG Globale Verantwortung ist ein Dachverband von 35 österreichischen Organisationen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe.

(kap - gs)

23 Dezember 2020, 13:56