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Lockdown: Die Kaufingerstraße in München Lockdown: Die Kaufingerstraße in München  (ANSA)

D: Gott auf der Intensivstation

Die Weihnachtsbotschaft kündet laut Kardinal Reinhard Marx von einer „radikalen Verbindung von Himmel und Erde“. Gott „ist zu Hause mitten in unserer Welt, gerade jetzt in der Corona-Zeit“, sagt der Erzbischof von München und Freising in seiner Weihnachtspredigt an Heiligabend, in München.

„Er ist da: auf den Intensivstationen und in den Pflegeheimen, er ist zu Hause bei den Obdachlosen, bei denen auf der Flucht und bei den Kindern auf der Insel Lesbos“. Genauso sei Gott auch gegenwärtig „bei uns zu Hause, wenn in diesem Jahr in einem kleineren Kreis Weihnachten gefeiert wird, wenn Familien um einen Tisch herumsitzen. Er ist da, wo gerade in diesem Jahr viele Menschen einsam und allein sind, und vielleicht nur für sich selbst leise ein ,Stille Nacht‘ singen. Er ist bei uns, bei mir zu Hause, bis in die Stunde des Todes hinein.“

Der Ort, wo wir zu Hause sind

Marx erinnert an die tiefe Sehnsucht danach, „einen Ort zu haben, wo wir zu Hause sind, wo wir Geborgenheit empfinden und Unterstützung. Wo unser Leben durch Höhen und Tiefen hindurch gehalten ist.“ Eine Heimat zu haben, sei „ein zutiefst berechtigtes menschliches Bedürfnis“. Dabei geht es nach Ansicht des Kardinals nicht nur um Äußerlichkeiten, sondern insbesondere „um ein Miteinander von Menschen, um Verständnis und Liebe füreinander, um gegenseitige Hilfe, wenn sie gebraucht wird“.

„Gut, dass wir verbunden sind“

Vor diesem Hintergrund stellte Marx die Frage, wo Gott zu Hause ist: „Wo ist seine Heimat? Im Himmel? Jenseits der Wolken? Irgendwo weit weg? Das Weihnachtsfest gibt uns eine andere Antwort.“ Gott sei eben „kein Fremder. Seine Sehnsucht ist, mitten unter den Menschen berührbar zu werden, da zu sein.“ Der Kardinal betont, er kenne in der Religionsgeschichte keine vergleichbar radikale Botschaft: „Es ist eine einmalige und faszinierende Wahrheit: Gott selbst ist der Bruder aller Menschen, in diesem Menschen Jesus.“

Auch wenn es schmerzhaft sei, dass in diesem Jahr „nur begrenzt und im Rahmen der vorgegebenen Bedingungen die Weihnachtsgottesdienste“ gefeiert werden könnten, so sei es doch „gut, dass wir verbunden sind, und ich bin auch dankbar für die technischen Möglichkeiten, so dass die, die Gottesdienst feiern in den Kirchen, und die, die in den Familien, in den Pflegeheimen oder allein zu Hause sind, zusammen feiern können“, sagte der Erzbischof.

„Denn Gott verschanzt sich nicht hinter Kirchenmauern. Er will ja zu Hause sein, daheim sein, mitten unter den Menschen. Da, wo das Leben der Menschen stattfindet, da ist er gegenwärtig und da ist er anzutreffen. Das ist die umwerfende, faszinierende Botschaft von Weihnachten.“

(erzbistum münchen – sk)
 

25 Dezember 2020, 09:43