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Grabeskirche in Jerusalem Grabeskirche in Jerusalem  (AFP or licensors)

D: „Als ich eine Nacht in der Grabeskirche eingesperrt war“

An Weihnachten schaut die christliche Welt auf Bethlehem, den Geburtsort Jesu. Ostern hingegen ist bekanntlich die Zeit Jerusalems, wo Jesus starb, begraben wurde und auferstanden ist. Der deutsche Komtur des Päpstlichen Ritterordens vom heiligen Silvester, Wilhelm Tacke, kennt das Heilige Land gut - und hat sogar eine Nacht in der Grabeskirche in Jerusalem verbracht.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Für den Silvesterorden war wohl Tackes langjähriger Einsatz als Geschäftsführer der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und im Rundfunkrat von Radio Bremen ausschlaggebend, „wo man zur damaligen Zeit sehr katholikenkritisch war“, erzählt Wilhelm Tacke im Gespräch mit Radio Vatikan. Der heute 82jährige Deutsche vertrat die katholische Kirche von 1982 bis 2008 im Rundfunkrat von Radio Bremen. Anfang der 1980er Jahre hatte er das Angebot bekommen, als Geschäftsführer in Jerusalem den Deutschen Verein vom Heiligen Land zu leiten. Er habe damals aus familiären Gründen absagen müssen. Als Historiker kennt Tacke die Geschichte des Lateinischen Patriarchats gut und erläutert:

Zum Nachhören - was ein Deutscher in Jerusalem erlebt hat

„Zunächst einmal ist die ganze Geschichte interessant, da das Lateinische Patriarchat 1099 während der Kreuzzüge das einheimische griechische Patriarchat mehr oder weniger vertrieben und sich an dessen Stelle gesetzt hat. Als dann die Kreuzzüge scheiterten, ging der Patriarch 1291 zunächst nach Zypern und dann nach Rom. Die späteren Patriarchen sind nach Rom gegangen und haben dort den Titel „Titularpatriarchen“ geführt. 1374 hat man ihnen dann die Basilika St. Laurentius vor den Mauern als Kathedrale zugewiesen, wobei diese dann ja zur Patriarchalkirche wurde. Den Titel des Titularpatriarchen hat man dann weitergeführt, ohne dass diese Patriarchen irgendeine Beziehung zu den Gläubigen im Nahen Osten oder im Heiligen Land gehabt hätten. Erst 1847 hat man Verhandlungen mit dem damaligen Sultan aufgenommen.“

Zugang zur Grabeskirche in Jerusalem
Zugang zur Grabeskirche in Jerusalem

Da es in Jerusalem im Gegensatz zu anderen Orten des Heiligen Landes oder Alexandrien fast keine Katholiken mehr gab, brauchte es einen „Hirten vor Ort“.

„Ich finde, man hätte das Patriarchat auch abschaffen können; es ist ja ein Relikt der Kreuzzüge und mich hat es immer gewundert, weshalb das noch besteht. Der Papst hätte ja heute auch die Möglichkeit, das Patriarchat von Jerusalem abzuschaffen. Dann könnte er den Erzbischof in Jerusalem zum Kardinal kreieren und ihm damit eine besondere Stellung unter den Bischöfen geben. Mich hat es immer gewundert, warum noch nie ein Papst auf die Idee gekommen ist, den Patriarchen von Jerusalem ins Kardinalsgremium zu berufen - wo Jerusalem doch die Stadt ist, in der Jesus gewirkt hat, gekreuzigt und begraben wurde.“

Der Silvesterorden

Der Orden des heiligen Papstes Silvester – kurz Silvesterorden – ist ein päpstlicher Orden für Verdienste um die römisch-katholische Kirche und den katholischen Glauben. Er wird vom Papst an Laien verliehen. Tacke hat sich sehr für den Dialog zwischen Katholiken und Orthodoxen im Heiligen Land bis hin nach Ägypten eingesetzt. Ja, er hat es sogar geschafft, eine Nacht in der Grabeskirche in Jerusalem zu verbringen...

„Ich war ein Nacht lang auf eigenen Wunsch dort eingeschlossen, und habe so einiges mitbekommen. Das war von einem Samstag auf einen Sonntag. Was sich alles in der Nacht dort tut und wenn die Kirche dann wieder geöffnet wird: das habe ich so aus nächster Nähe mitelerbt. Das begann mit dem Schließen der Grabeskirche. Da gewinnt man Eindrücke, die man nie vergisst. Ich schlief auf dem Gelände, wo das Kreuz gestanden haben soll. Dort gab es ein paar steinerne Bänke, da haben wir uns zu dritt oder viert hingelegt, um zwischendurch mal ein bisschen die Augen zuzumachen. Wir wurden nämlich immer wieder geweckt, weil entweder ein Franziskaner mit Weihrauch oder ein griechischer, ein armenischer oder ein koptischer Mönch durch die Kirche gegangen ist und die verschiedenen Stationen, die auf die Passion Jesu zurückgehen, beräuchert sowie kleine Gebete gesprochen hat, um dann wieder im Dunkel der Nacht zu verschwinden. Früh am Morgen wurde die Kirche dann geöffnet, damit der erste Gottesdienst in der Hauptkirche stattinden konnte: ein Pontifikalamt mit einem der Metropoliten.“

So ein Erlebnis sei heute wohl nicht mehr möglich, bedauert Tacke und hofft, dass ein friedliches Zusammenleben im Heiligen Land und in der Region möglich sein werde, damit auch künftige Generationen die Schönheit und tiefe Spiritualität im Heiligen Land erfahren können.

(vatican news)

22 Dezember 2020, 09:55