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 Joachim von Braun, Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und Vizepräsident der Welthungerhilfe Joachim von Braun, Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und Vizepräsident der Welthungerhilfe  (Welthungerhilfe)

Forscher: 150 Millionen Hungernde mehr wegen Corona

Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise könnte sich nach Ansicht des Entwicklungsforschers und Präsidenten der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, Joachim von Braun, die Zahl der Hungernden in der Welt um etwa 150 Millionen Menschen erhöhen. „Die Corona-Krise belastet die Wirtschaft und die Gesundheitssysteme in armen und reichen Ländern", sagte von Braun in einem Interview der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

In armen Ländern führten Lockdowns zu weniger Arbeit und behinderten die Versorgung mit Lebensmitteln, so der Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung der Universität Bonn (ZEF). „In Indien hat das beispielsweise dramatische Konsequenzen für Wanderarbeiter und Tagelöhner." Ähnliches gelte für manche Länder in Afrika. „Auch in Brasilien und selbst in den USA beobachten wir, wie sich der Hunger ausbreitet. Überall dort eben, wo die sozialen Sicherungssysteme nicht stark genug sind."

Der Kampf gegen den Hunger in der Welt ist nach Ansicht des Agrarwissenschaftlers trotz Corona nicht verloren. „Unseren Modellrechnungen zufolge müsste die Staatengemeinschaft dafür im Jahr etwa 40 bis 50 Milliarden US-Dollar mehr ausgeben als bisher", sagte von Braun. „Davon müssten 14 Milliarden US-Dollar von den Entwicklungshilfegebern kommen."

Ausgaben für Hungerbekämpfung müssen verdoppelt werden

Mit entsprechendem politischen Willen sei das zu schaffen, so der ZEF-Direktor. „Auf die Bundesrepublik bezogen hieße das: Deutschland müsste seine Ausgaben für Hungerbekämpfung verdoppeln. Das ist uns in den vergangenen vier Jahren schon einmal gelungen. Warum nicht ein zweites Mal?" Hungerbekämpfung brauche einen langen Atem. „Was wir jetzt investieren, wird möglicherweise erst in 10 bis 15 Jahren wirksam. Es dauert also. Aber es zahlt sich aus."

Von Braun leitet seit April eine Gruppe von Wissenschaftlern aus aller Welt, die den UN-Gipfel zum Ernährungssystem vorbereiten soll. Das Treffen soll im Herbst kommenden Jahres in New York stattfinden.

(kap/kna-skr)

20 Dezember 2020, 14:17