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Kardinal Woelki Kardinal Woelki  (ANSA)

D: Kardinal Woelki für Fortsetzung der unabhängigen Untersuchung

Es wurde in jüngster Zeit viel berichtet über die Aufarbeitung sexueller Gewalt im Erzbistum Köln. Kardinal Rainer Maria Woelki stellte am Wochenende klar: „Es geht um eine ehrliche Anerkennung des Leids der Betroffenen und um wirksame Prävention.“

Es sei ihm klar, dass das Erzbistum Köln in den vergangenen Monaten sehr viel Vertrauen verloren habe, so Kardinal Woelki. Trotzdem wolle er alle „erneut um das Vertrauen bitten“, sagte er in seinem wöchentlichen Video-Kommentar auf Domradio.de.

„Mich machen viele kritische Darstellungen im Nachgang der Veröffentlichung der gemeinsamen Erklärung des Betroffenenbeirats mit dem Erzbistum Köln nachdenklich.“

„Einige von Ihnen haben in der letzten Woche erlebt, dass wir gemeinsam mit dem Betroffenenbeirat die Entscheidung getroffen haben, die Veröffentlichung der unabhängigen Untersuchung zu verschieben. Mich machen viele kritische Darstellungen im Nachgang der Veröffentlichung der gemeinsamen Erklärung des Betroffenenbeirats mit dem Erzbistum Köln nachdenklich.“

Zum Nachhören - was Kardinal Woelki zur Gutachten-Debatte sagt.

Eine glaubwürdige und belastbare Aufarbeitung erreichen

Er setze sich deshalb persönlich für das gemeinsame Ziel ein, eine glaubwürdige und belastbare Aufarbeitung zu erreichen, fügte der Kölner Kardinal an.

„Den Mitgliedern unseres Betroffenenbeirates habe ich das noch einmal versichert, und ich bin dankbar für ihre Beratungen, die Offenheit, die konstruktive Kritik und Unterstützung. Mir geht es um zwei Dinge: Ehrliche Anerkennung des Leids der Betroffenen und wirksame Prävention von sexueller Gewalt in unserem Bistum.“

„Jetzt gehen wir den Weg, der der richtige ist, und davon bin ich überzeugt.“

Kardinal Woelki verstehe, wenn einige angesichts dieser Ereignisse enttäuscht, verunsichert und empört seien:

„Enttäuscht, weil nun ein zweites Mal verschoben wurde und das Gefühl entsteht, hier solle ein Gutachten verschwinden, weil es ehemaligen und heutigen Verantwortungsträgern nicht gefällt. Verunsichert, weil viele von Ihnen nicht mehr das Zutrauen haben, dass wir die Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten ernst nehmen. Und vielleicht wütend, weil wir erneut um Vertrauen bitten müssen. Diese Reaktionen kann ich nachvollziehen, und doch bin ich überzeugt, dass diese Entscheidung richtig ist. Wir haben durch Experten klar den Hinweis erhalten, dass dieses Gutachten untauglich ist. Jetzt gehen wir den Weg, der der richtige ist, und davon bin ich überzeugt.“

Das neue Gutachten

Das neue Gutachten werde dazu beitragen, Klarheit zu schaffen und den Blick auf die gemeinsamen und unveränderten Ziele zu lenken, so Kardinal Woelki. Darin seien wichtige Elemente zu finden. Er zählt auf:

„Klares Benennen möglicher Fehler und Versäumnisse von Verantwortlichen. Denn Verantwortung ist persönlich, und zur Aufarbeitung gehört, dass Entscheidungsträger Rechenschaft ablegen für ihr Tun und Unterlassen. Dazu gehört auch das Nennen von Namen von Verantwortlichen. Aber ganz wichtig ist auch das Feststellen der organisatorischen, strukturellen oder systemischen Fehler und Versäumnisse der Kirche. Wenn wir diese genau kennen, wenn diese aufgezeigt sind, können wir gemeinsam den Weg der Veränderung und Verbesserung gehen. Und wenn wir diese systemischen Fehler genau kennen, können wir die Übernahme von Verantwortung ermöglichen. Damit wir Konsequenzen ziehen können: Systemische Konsequenzen für die Kirche und Konsequenzen der einzelnen Verantwortlichen.“

Mit den Ergebnissen der unabhängigen Untersuchung würden Antworten auf drängende Fragen gegeben, stellt der Kölner Kardinal in Aussicht. Es gehe um die Umstände, die das Leid und die Taten begünstigt hätten und wer falsch gehandelt oder an falscher Stelle das Handeln unterlassen habe.

„Mit diesem ungeschönten Blick auf uns selbst bekommen wir einen Spiegel vorgehalten und erkennen etwas von der Wahrheit, mit der Christus auf uns schaut. Hieraus müssen dann Konsequenzen gezogen werden. Diesen Weg möchte und muss ich beschreiten.“

Hintergrund

Das Erzbistum hatte Ende Oktober überraschend mitgeteilt, es habe den Kölner Strafrechtsexperten Björn Gercke mit einer neuen Untersuchung zum Thema Missbrauch beauftragt. Zugleich wurde darüber informiert, dass das Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) zur unabhängigen Untersuchung von Missbrauch im Erzbistum Köln wegen methodischer Mängel nicht veröffentlicht werde. Die Rechtsanwälte hatten im Dezember 2018 den Auftrag erhalten. Die im März angesetzte Präsentation wurde kurzfristig abgesagt, um die geplante Benennung von Fehlverhalten ehemaliger oder aktiver Entscheidungsträger noch rechtlich abzusichern. Gercke will seine Expertise spätestens am 18. März 2021 vorlegen.

(domradio/kna – mg)

09 November 2020, 09:02