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Von Armut betroffen: Flüchtlingskinder Von Armut betroffen: Flüchtlingskinder  (2018 Getty Images)

Österreich: Caritas fordert „Pakt gegen Kinderarmut“

„Auch Armut ist ansteckend. Wir müssen eine Pandemie der Armut verhindern.“ Mit diesen drastischen Worten hat Caritas-Präsident Michael Landau angesichts der anhaltenden Corona-Krise vor den drohenden sozialen Folgen der Pandemie und Rekordarbeitslosigkeit sowie steigender Kinderarmut gewarnt.

Die Sozialberatungsstellen der Caritas würden die Auswirkungen der Krise bereits jetzt spüren: sie verzeichnen einen Anstieg der Beratungen um bis zu 40 Prozent. Darunter seien viele Familien oder Personen mit vormals „krisensicheren Jobs“, die wegen plötzlicher Arbeitslosigkeit ihre Energie- oder Mietkosten nicht mehr begleichen können. „Selbst ein Lebensmitteleinkauf wird für Betroffene zur Herausforderung“, schilderte Caritas-Generalsekretärin Anna Parr.

Es brauche daher eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes, unbürokratische Soforthilfen, eine aktive Arbeitsmarktpolitik, um Menschen vor Langzeitarbeitslosigkeit zu bewahren und ein „Pakt gegen Kinderarmut“, forderten Landau und Parr bei einer Pressekonferenz zum Start der diesjährigen Caritas-Inlands-Kampagne unter dem Motto „Jeder Euro = Hilfe gegen Armut“.

Langfristige Absicherung nötig

Positiv bewertete Landau die von der Bundesregierung angekündigte Verlängerung der Einmalzahlungen beim Arbeitslosengeld sowie den Corona-Familienhärtefonds. „Erste Maßnahmen wie diese konnten das Schlimmste verhindern“, langfristig brauche es aber eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes bei gleichzeitiger Beibehaltung der Notstandshilfe. „Damit Menschen trotz Jobverlust weiterhin ausreichend Geld für Lebensmittel, Heizen und anfallende Mieten haben“, argumentierte Landau.

„Immer häufiger brauchen Menschen Unterstützung, die vorher noch nie auf Hilfe angewiesen waren“, führte Parr aus. Aufgrund der aktuellen soziale Notsituation vieler Menschen bedürfe es einer Reform der „Sozialhilfe Neu“, die seit 1. Januar 2020 die Bedarfsorientierte Mindestsicherung ersetzt. Die „Sozialhilfe Neu“ müsse „armuts- und coronafest“ ausgestaltet werden, nur so könne man eine Zunahme von Armut verhindern, appellierte die neue Caritas-Generalsekretärin.

Laut offiziellen Zahlen gelten in Österreich 1,1 Millionen Menschen als armutsgefährdet, darunter 231.000 Kinder und Jugendliche, von denen wiederum 70.000 auf ein nahrhaftes Essen verzichten müssten. „Die Zahl ist seit Beginn der Corona-Krise gestiegen“, mahnte Parr, die dabei auf Berichte der Sozialberatungsstellen verwies. So haben sich heuer bereits 30.000 Menschen an die Caritas-Sozialberatungsstellen in ganz Österreich gewandt.

(kap – mg)

24 Oktober 2020, 12:16