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D/Heiliges Land: Ausfall der Palmsonntagskollekte „eine Katastrophe“

In diesem Jahr ist vieles anders. So musste auch die Palmsonntagskollekte – die in Deutschland normalerweise für das Heilige Land bestimmt ist, weltweit ist es die Kollekte des Karfreitag – den mit dem Coronavirus verbundenen Einschränkungen zum Opfer fallen. Auch der Ersatztermin, den Papst Franziskus mit dem 13. September für die Weltkirche bestimmt hatte, stellte da für den deutschen Bereich keine Lösung dar – denn der Erlös dieser Kollekte war für die katholische Medienarbeit bestimmt. Das haben wir zum Anlass genommen, mit Matthias Vogt vom Deutschen Verein für das Heilige Land (DVHL) zu sprechen, dessen Arbeit praktisch gänzlich durch die Palmsonntagskollekte finanziert wird.

Christine Seuss - Vatikanstadt

„Wir haben drei Wochen vor Palmsonntag erfahren, dass die Gottesdienste ausfallen und damit auch unsere Kollekte für das Heilige Land“, erklärt Matthias Vogt im Gespräch mit Radio Vatikan. „Sie können sich vorstellen, was das für das kleine Team vom DVHL bedeutet hat. Dass es gelungen ist, in dieser kurzen Zeit eine Online-Spendenaktion auf die Beine zu stellen, ist enorm.“

Zum Nachhören

Pressemitteilungen, Nachrichten über die Sozialen Medien, Interviews – das Team des DVHL, aber auch aktive und ehemalige Freiwillige haben sich kräftig ins Zeug gelegt, um in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit das Beste aus der Situation zu machen, berichtet Vogt sichtlich stolz. „Und natürlich gab es am Ende auch die Einblendungen in den Onlinegottesdiensten, in denen auf die Kollekte aufmerksam gemacht wurde“.

Aktion erfolgreich, aber doch nur ein Bruchteil des üblichen Ertrages

Alles Anstrengungen, die die Kampagne „Überweisung statt Klingelbeutel“ befeuern sollten. Nicht zuletzt habe auch DVHL-Präsident Kardinal Woelki in seinem Gottesdienst aus dem Kölner Dom nochmals für die Aktion und die Menschen im Heiligen Land geworben: „Und ja, die Aktion war erfolgreich, aber gemessen an den Kollektengeldern aus den vergangenen Jahren konnten wir nur einen Bruchteil der Einnahmen generieren,“ muss der Generalsekretär des DVHL eingestehen.

Für die Arbeit des Vereins sei dieser Einbruch an Spendeneinnahmen „natürlich eine Katastrophe“, betont Vogt: „Auf der einen Seite haben wir weniger Einnahmen, auf der anderen Seite herrscht wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zum Teil große Not im Heiligen Land. Das ist schon dramatisch. Allein für den DVHL muss ich sagen, dass wir in unseren Gästehäusern einige Mitarbeiter(innen) entlassen mussten und nun durch einen Sozialfonds unterstützen. Aber auch in unserer Schmidt-Schule können einige Eltern die Schulgelder für die Kinder nicht mehr bezahlen, weil sie arbeitslos geworden sind, und auch hier müssen wir mit einem Sozialfonds einspringen.“

„Die Arbeitslosenzahlen gehen rasant nach oben“

Auch wenn die israelische Regierung und die palästinensische Autonomiebehörde es zunächst geschafft hätten, durch einen frühzeitigen Lockdown die Infektionszahlen sehr gering zu halten, verschlechtere sich die Situation seit dem Sommer zusehends, auch die Coronafälle stiegen nun dramatisch an, gibt Vogt zu bedenken.

„Israel ist seit Mitte September in einem zweiten Lockdown, das Ende ist nicht abzusehen, die Heiligen Stätten sind seit Monaten geschlossen und gerade die Christen, die vielfach vom Tourismus leben, leiden unter den Reiseeinschränkungen enorm. Die Arbeitslosenzahlen gehen rasant nach oben, und vor allem in Palästina, wo es kein Sozialsystem und keine Rücklagen gibt, wird die Situation für die Menschen wirklich jetzt immer schwieriger.“

Der DVHL helfe da auf verschiedene Weise, zunächst einmal über die eigenen Einrichtungen - also die Schmidt-Schule für palästinensische Mädchen in Ost-Jerusalem oder das Alten- und Pflegeheim Emmaus für ältere Menschen und Behinderte, das von den Salvatorianerinnen betreut wird.

An vielen Stellen Hilfe durch „einfach nur da sein“

„Wir unterstützen aber auch ganz viele Projekte, zum Beispiel Studierende der Bethlehem-University, der einzigen Universität im Westjordanland, da sammeln wir über eine Crowdfundig-Aktion in Zusammenarbeit mit der Pax-Bank Gelder für Stipendien, da können mindestens vier junge Menschen jetzt durch die Unterstützung unserer Spender weiterstudieren.“ Genauso wichtig sei es für die Christen im Heiligen Land aber auch, dass der Verein Präsenz zeige und „an vielen Stellen einfach nur da" sei, betont Vogt. „Wir wollen ihnen zeigen, dass wir uns mit ihnen verbunden fühlen, dass sie nicht alleine sind. Jeder der die Menschen unterstützen möchte, kann das durch Gebet tun, durch eine Mitgliedschaft im DVHL, einen Freiwilligendienst, aber auch ganz wichtig, durch eine Spende.“

Spenden, die normalerweise in der Kollekte des Palmsonntags generiert werden und die Arbeit der Franziskaner in Deutschland, aber auch des Deutschen Vereins für das Heilige Land erst möglich machen. „Leider gibt es in diesem Land keinen speziellen Aktionstag mehr für das Heilige Land“, bedauert Vogt.

„Da stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen“

Denn die Sonder-Kollekte, die die deutschen Bischöfe am 6. September für Corona-Opfer ausgerufen hatten, komme Betroffenen weltweit zugute, erläutert der Generalsekretär des DVHL. „Nur ein kleiner Teil davon wird den Menschen im Heiligen Land zufließen. Wir als DVHL und die Franziskaner in Deutschland leben zum größten Teil von der Palmsonntagskollekte und sind daher dieses Jahr ziemlich leer ausgegangen. Wir beim DVHL müssen uns nun überlegen, wie wir weiterhin unsere Einrichtungen, zum Beispiel die Gäste- und Pilgerhäuser, das Alten- und Pflegeheim in Emmaus, die Eltern und Schüler unserer Schmidt-Schule im Heiligen Land unterstützen können und wie wir Menschen in Not im Heiligen Land helfen können. Da stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen.“

Zwar liegt der Palmsonntag nun schon eine Weile zurück – doch die Informationen für eine Spende, die unter der Internetadresse www.palmsonntagskollekte.de abrufbar sind, sind nach wie vor gültig. 

(vatican news - cs)

07 Oktober 2020, 09:49