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Vatican News
Ein Kreuz vor dunklem Hintergrund Ein Kreuz vor dunklem Hintergrund  (AFP or licensors)

Erzbischof Heße wehrt sich gegen den Vorwurf der Vertuschung

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe als Personalchef im Erzbistum Köln Fälle von sexuellem Missbrauch vertuscht. „Für mich kann ich ausschließen, dass ich jemals versucht hätte, Täter zu schützen oder Taten zu vertuschen“, sagte Heße im Interview mit „Christ und Welt“ (Printausgabe, Donnerstag).

Vorwurf: fehlende Opferfürsorge und fehlendes Problembewusstsein

Als wichtiger Mitarbeiter des Kölner Kardinals Joachim Meisner soll Heße sich bei Missbrauchsfällen falsch verhalten haben. Das wirft ihm ein bisher unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag der Kirche vor. Laut der Zeit-Beilage Christ und Welt heißt es darin: „Dieser Befund gestattet die Schlussfolgerung, dass es sich bei den Unzulänglichkeiten, einschließlich fehlender Opferfürsorge, nicht um Einzelfälle handelt, sondern um regelmäßig wiederkehrende, durchgängig festzustellende Mängel in der Sachbehandlung von Missbrauchsfällen basierend auf einer indifferenten, von fehlendem Problembewusstsein geprägten Haltung des Dr. Heße gegenüber Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker.“

„Nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, um jedem Fall gerecht zu werden“

Heße erklärte im Interview: „Ich nehme für mich wahrlich nicht in Anspruch, fehlerlos zu sein und von Anfang an alles absolut richtig gemacht zu haben. Aber ich habe mich sofort in diese Aufgabe gestürzt und sie als meine Verantwortung angenommen. Ich sehe darin kein fehlendes Problembewusstsein, sondern ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, um jedem Fall gerecht zu werden.“

Zum Nachhören

Kritik an Studie

Heße erklärte, von Anfang an zur Mitarbeit an der Studie zu sexuellem Kindesmissbrauch bereit gewesen zu sein, übte jedoch Kritik am Konzept. Der Prozess habe sich nicht besonders transparent gestaltet. In den sechs konkreten Fällen, zu denen er Stellung nehmen sollte, habe er erst nach mehrmaligem Drängen im April alle Akten einsehen dürfen: „Ich habe insgesamt den Eindruck, die Verfasser der Studie hätten gründlicher arbeiten können.“

So sei etwa in einem dieser Fälle der mutmaßlich Betroffene bereits erwachsen gewesen. Zu weiteren Details wollte sich Heße unter Berufung auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen nicht äußern.

„Wir haben die Fälle, mit denen dieser Befund von den Münchner Anwälten begründet wurde, anhand der Akten überprüft, die uns erst nach mehrmaligem Drängen zur Verfügung gestellt wurden. Danach hat dieser Befund, wie Sie es nennen, keine Grundlage“ so Heße.

Heße: Vorwürfe haben „keine  Grundlage“

Der Hamburger Erzbischof hatte laut „Christ und Welt“ gefordert, dass die Studie nur gemeinsam mit seiner Stellungnahme veröffentlicht werden dürfe. Gehört zu werden sei ein persönlichkeitsrechtlicher Grundsatz: „Wenn beide Stellungnahmen gegenübergestellt werden, kann sich jeder und jede ein eigenes Bild machen“, sagte Heße dazu. Auf die Frage, ob er gegen das Erzbistum Köln oder die beauftragte Münchner Kanzlei juristisch vorgehen werde, wenn seine Forderung nicht erfüllt werde, antwortete Heße: „Ich setze auf den gesunden Menschenverstand im Erzbistum Köln und in der Kanzlei in München.“

Hintergrund

Heße war von 2006 Personalchef im Kölner Generalvikariat, 2012 wurde er Generalvikar. Dieses Amt übte er aus, bis er 2015 zum Erzbischof von Hamburg ernannt wurde.

Publikation verschoben

Die  Präsentation der vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in Auftrag gegebenen und von einer Münchener Anwaltskanzlei erstellten Untersuchung war ursprünglich für März geplant, wurde aber kurzfristig abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben. Laut offizieller Begründung des Erzbistums Köln brauchte die geplante Nennung ehemaliger oder aktiver Verantwortlicher noch eine rechtliche Klärung und Absicherung.

 

(christ und welt/kna – sst)

24 September 2020, 11:35