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Rumänische Mädchen in Trachten Rumänische Mädchen in Trachten  (AFP or licensors)

D: „Pandemie zeigt, wie relevant Arbeiter aus dem Osten sind“

Die Folgen der Corona-Pandemie haben den diesjährigen Internationalen Kongress des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis geprägt. Nicht nur thematisch stand das Thema auf der Tagesordnung des 24. Internationalen Kongresses, das vom 8. bis 10. September stattfand. Corona beeinflusste auch die Form des Treffens.

Erstmals fand die Dialogplattform nämlich als Videokonferenz mit mehr als 280 Teilnehmenden aus über 30 ost- und westeuropäischen Ländern statt. Dabei machte Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Christian Hartl von Anfang an klar: „Videokonferenzen können nicht die persönliche Begegnung ersetzen, aber sie können helfen, die fehlende Nähe zu überbrücken“.

Zur „vollen Solidarität in der Pandemie“ hat Kardinal Jean-Claude Hollerich, der Präsident der katholischen Bischofskommission bei der Europäischen Union (Comece), beim Renovabis-Kongress per Videobotschaft alle EU-Länder aufgerufen. Hollerich wörtlich: „Die Krise hat uns gezeigt, dass wir sterblich sind. Und viele Menschen sind in Armut gefallen.“ Er bezeichnete die EU als eine Schicksalsgemeinschaft: „In der ist das Wohlergehen des einen wichtig für den anderen. Wir müssen wieder lernen zu teilen.“

„Wir müssen wieder lernen zu teilen“

Der Aspekt des Versagens gemeinsamer europäischer Solidarität und der europäischen Flüchtlingspolitik war brisant beim Kongress wegen der Katastrophe im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Viele Teilnehmer folgerten daraus, dies zeige, dass „Europa seine Seele verloren hat und wiederfinden muss“. Die Covid-19-Pandemie dürfe keine billige Ausrede sein, die Probleme der Flüchtlinge zu ignorieren: „Sie sind mehr denn je die Ärmsten der Armen, die unser aller tatkräftige Fürsorge brauchen“, hieß es.

Mangel an Facharbeitern in Osteuropa

Ein weiteres aktuelles politisches Thema fokussierte der Kongress in Bezug auf den Mangel von Facharbeitern in Osteuropa, die etwa nach Deutschland abwandern, und dort oft unter unfairen Arbeitsbedingungen beschäftigt werden. „Die Pandemie hat gezeigt, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter eben doch systemrelevant sind, auch wenn sie nur selten so wahrgenommen werden“, sagte Pfarrer Wolfgang Herrmann, der Leiter der Betriebsseelsorge Stuttgart. Er forderte „eine nachhaltige Debatte, um das Leben der oft ausgebeuteten Frauen und Männer vor allem in der Pflege, Landwirtschaft und Fleischindustrie zu verbessern“.

„nachhaltige Debatte, um das Leben der oft ausgebeuteten Frauen und Männer vor allem in der Pflege, Landwirtschaft und Fleischindustrie zu verbessern“

Vom Renovabis-Kongress aus wurde an die Bundesregierung appelliert, endlich Abhilfe zu schaffen. Der Betriebsseelsorger kritisierte, dass die Stimmen der Hilfsorganisationen und die Appelle der Kirchen seit Jahren einfach nicht gehört würden.

In insgesamt sieben Foren wurde ein breites Spektrum bearbeitet: etwa die psycho-sozialen Folgen der Pandemie und die Frage, wie Arme und Marginalisierte am Rande der Gesellschaft jetzt am sozialen Leben beteiligt oder davon ausgeschlossen werden. Und es ging um biblisch-theologische Einordnungen sowie binnenkirchliche, politische und gesellschaftliche Fragen, die von der Corona-Pandemie aufgedeckt worden sind.

(pm – mg)

12 September 2020, 10:46