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D: Reaktionen auf Ordensumfrage zu Missbrauch

Nach der Umfrage zu Missbrauchsvorwürfen in katholischen Orden, die am Mittwoch vorgestellt wurde, mehren sich die Rufe nach einem einheitlichen Vorgehen der katholischen Kirche in Deutschland. Das erwarteten vor allem die Betroffenen, erklärte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann.

Der Bischof von Trier begrüßte die „deutliche Willensbekundung der Orden" zur weiteren Zusammenarbeit mit der Bischofskonferenz und sicherte seitens der Bischöfe zu, bereits praktizierte Kooperationen „wo immer möglich“ fortzusetzen, zu verstärken und auch die Orden zu unterstützen.

Gemäß der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) hat es in den vergangenen Jahrzehnten Missbrauchsvorwürfe gegen mindestens 654 katholische Ordensleute in Deutschland gegeben. Dies ist Ergebnis einer Befragung von 392 Ordensgemeinschaften. Gemäß dem am Mittwoch in Bonn veröffentlichten Bericht meldeten 1.412 Personen, sie seien von sexuellen Übergriffen betroffen.

Politik will „strukturierten Aufarbeitungsprozess" fördern

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig signalisierte Unterstützung für einen „strukturierten Aufarbeitungsprozess". Er hoffe zugleich, „dass die DOK dabei zusätzlich starke Unterstützung aus dem Kreis der Orden und Diözesen erhält", sagte Rörig der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Betroffenen-Initiative „Eckiger Tisch" forderte, alle Aktenbestände der Ordensgemeinschaften zu sichern und sie den Staatsanwaltschaften zur Verfügung zu stellen, sofern es einen Verdacht auf Missbrauch gebe. Sofern es sich um verjährte Fälle handle, „müssen die so gesicherten Unterlagen einer baldigst einzurichtenden zentralen Aufarbeitungskommission zugeleitet werden". Keinesfalls dürfe mit Hinweis auf verarmte Gemeinschaften den Opfern eine angemessene Entschädigung verweigert werden.

Besondere Struktur der Orden erschwert einheitliches Handeln

Kritiker werfen den Orden vor, eine allgemein nachvollziehbare Aufarbeitung zu verzögern. Anders als die 27 deutschen Bistümer unterscheiden sich Strukturen und Verantwortlichkeiten bei den Orden mitunter erheblich voneinander. Einige werden beispielsweise aus dem Ausland geleitet. Manche Gemeinschaften sind zudem inzwischen so klein, dass sie Schwierigkeiten haben dürften, Entschädigungen zu leisten. Laut DOK-Generalsekretärin Agnesita Dobler streben die Orden bei den Zahlungen an Betroffene in Anerkennung ihres Leids ein einheitliches System zusammen mit der Bischofskonferenz an. Allerdings benötigten die Gemeinschaften Unterstützung bei der Finanzierung. Das Konzept der Bischöfe sieht Summen zwischen 5.000 und 50.000 Euro pro Fall vor.

An der Befragung der DOK hatten sich 291 von 392 Ordensgemeinschaften in Deutschland beteiligt. In ihnen leben 88 Prozent der heutigen Ordensmitglieder. 100 Gemeinschaften gaben an, mit Vorwürfen zu verschiedenen Missbrauchsformen konfrontiert worden zu sein - 53 von 77 Männerorden und 47 von 214 Frauenorden.

(kna – sst)

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27. August 2020, 09:40