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Österreich: Ordensfrau protestiert gegen Öffnung von Bordellen

Die Salvatorianerin und Initiatorin des Vereins „Solwodi Österreich“, Sr. Maria Schlackl, kritisiert die Öffnung von Bordellen in der Corona-Zeit. Seit 1. Juli haben in Österreich Bordelle wieder den Betrieb aufgenommen.

„Überall wird auf Abstand gesetzt, Schulen werden geschlossen und im Bordell scheint das keine Rolle zu spielen. Der Kunde als Freier ist oft genug Partner, Familienvater oder Arbeitskollege und kann somit auch das Infektionsrisiko in seinem Umfeld erhöhen“, so Sr. Schlackl in einem Interview mit den „Ordensgemeinschaften Österreichs“ am Montag.

Was als individuelle Freiheit und in Eigenverantwortung vonseiten der Politik gesehen wird, sieht Sr. Schlackl als äußerst besorgniserregend. „Mir fehlt das Verständnis für diese Maßnahmen vonseiten der Politik. Ich habe dies auch mehrfach bei den Verantwortlichen deponiert. Dem Argument, dass diese nur so ihren Lebensunterhalt verdienen können, muss man entgegenhalten, dass beim Lockdown die Sexarbeiterinnen sofort von ihren Mitverdienern fallen gelassen wurden und auf Hilfe angewiesen waren. In Wien mussten für diese Frauen Lebensmittel gesammelt werden, damit sie nicht verhungern. Der eigentliche Nutznießer einer Öffnung ist die Sexindustrie und der Kunde“, argumentierte die Solwodi-Initatorin.

Menschenhandel und Zwangslage

Die Öffnung der Bordelle kurble letztendlich wieder den Menschenhandel an, bringe die Sexarbeiterinnen in eine Zwangslage, die sie dazu zwingt, höhere Gesundheitsrisiken einzugehen. „Wer hier von Freiwilligkeit spricht, verhält sich geradezu zynisch gegenüber den Frauen in einem System von Zwang und Ausbeutung“, so Sr. Schlackl. Laut der Ordensfrau wäre das Schlimmste, nicht nur in Corona-Zeiten, „wenn sich die Gesellschaft an die Ausbeutung von Frauen, die dazu vielfach aus anderen Ländern stammen, gewöhnt“.

Gemeinsam mit fünf weiteren Frauenorden haben die Salvatorianerinnen im Jahr 2010 den Verein „Solwodi Österreich“ gegründet. Ihr Einsatz gilt besonders Frauen und Migrantinnen, die Opfer von Menschenhandel, sexueller Gewalt und Ausbeutung geworden sind. Die im Verein engagierten Ordensfrauen verstehen sich als „klare stellvertretende Stimme in der Öffentlichkeit“ mit dem „Mut zu prophetischem Handeln“.

(kap – mg)

07 Juli 2020, 11:48