Suche

Vatican News
Kinderschutz: Nach wie vor ein dringliches Thema Kinderschutz: Nach wie vor ein dringliches Thema  (AFP or licensors)

Deutscher Missbrauchsbeauftragter: Notstand Kinderschutz

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, kritisiert eine Vernachlässigung des Themas Missbrauch auch vonseiten der Politik. „Ich habe bis heute den Eindruck, dass nur die, die unmittelbar für Kinderschutzthemen zuständig sind, sich sehr engagieren, aber die eher kinderschutzferne Politik meinem Themenfeld nicht die notwendige Priorität beimisst", beklagte Rörig in einem Interview des „Tagesspiegels am Sonntag.“

Da Kinderschutz oft an fehlendem Geld scheitere, schaue er auch auf die zuständigen Finanzressorts, sagte Rörig. „Politische Sonntagsreden mit dem Tenor, die Kinder und Jugendlichen sind unsere Zukunft und sie brauchen stärkere Rechte, müssen von der Politik endlich mit dem tatsächlichen Tun in Einklang gebracht werden.“ Die Bundesländer mit ihren Zuständigkeiten für Polizei, Justiz, Bildung, Jugend, Soziales, Gesundheit und universitäre Forschung hielten den „Schlüssel“ für den Erfolg bei der Bekämpfung von sexueller Gewalt in ihren Händen.

Jedes Bundesland sollte dringend einen eigenen ressortübergreifenden Masterplan gegen sexuelle Gewalt entwickeln, forderte Rörig. „Ich habe auch angeregt, dass in jedem Land ein Missbrauchsbeauftragter berufen wird.“ Er solle möglichst beim Regierungschef angesiedelt sein und einen ressortübergreifenden Masterplan federführend erarbeiten und vorantreiben.

„In diesem Zusammenhang geht mir oft ein bitterer Gedanke durch den Kopf: Wer in der Verantwortung für den Schutz von Kindern und Jugendlichen steht und nicht alles ihm Mögliche unternimmt, um maximalen Schutz vor sexueller Gewalt zu ermöglichen, setzt sich auf Dauer dem Vorwurf der Duldung aus“, gab Rörig zu bedenken.

Die Gefahren des Darknets...

Zugleich sprach er aber auch von einigen sehr wichtigen Änderungen in der Gesetzeslage, etwa zur Verbesserung von verdeckten Ermittlungen bei sogenanntem Cybergrooming und beim Zugang zum Darknet. Sie seien Ende 2019 von der großen Koalition beschlossen worden. Er hoffe, dass es jetzt weitere positive Entwicklungen gebe, auch weil Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) ein „sehr gutes“ Reformpaket vorgelegt habe. „Leider verkürzte sich die Diskussion nach Aufdeckung des Falls Münster auf Strafverschärfungen. Es muss aber dringend auch in Prävention, Kooperation, Qualifizierung und in Hilfen investiert werden. Wobei ich natürlich die Strafverschärfung begrüße.“

(kna - skr)
 

30 Juli 2020, 11:47