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Jerusalem Jerusalem  (AFP or licensors)

Jerusalem: Corona-Hilferuf aus dem Österreich-Hospiz

Der Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar, hat am Wochenende coronabedingt einen weiteren Hilfeaufruf für die traditionsreiche Einrichtung im Herzen der Jerusalemer Altstadt getätigt.

„Die Infektionszahlen haben neue Rekordwerte erreicht; weit über dem, was wir in Österreich erleben“, zitierte ihn am Sonntag der Informationsdienst der Stiftung Pro Oriente. Die Regierung in Jerusalem habe mit einem teilweisen Lockdown reagiert, der auch das Österreichische Hospiz voll trifft. Ab sofort könne auch das Café Triest im Hospiz nicht mehr offenhalten. Bugnyar: „Unsere einzige Einnahmequelle neben dem Zugang zum Dach ist damit versiegt“.

Die Schlussfolgerung liege nahe: Eine weitere Kündigungswelle und weitere Reduzierung des Betriebs, um Kosten zu sparen. Bugnyar: „Ich habe keine andere Wahl; Corona trifft gerade die Tourismus- und Pilgerbranche besonders hart.“ Bereits in der vorletzten Woche habe die israelische Regierung die Kurz-Zeit für den Tourismus bis zum 18. Juni 2021 verlängert. Das lasse erahnen, wie lange diese Ausnahmesituation noch andauern wird: „Offenbar rechnen die Verantwortlichen nicht mit einer ,Normalisierung´ vor Mitte nächsten Jahres. Und ,Normalisierung´ wird dann bedeuten: einpendeln auf einem sehr niedrigen Niveau.“

Auf Krisen-Modus umstellen

Nun gelte es, so der Rektor, das Pilger-Hospiz für die kommenden Monate auf Krisen-Modus umzustellen: „Alle Mitarbeiter, die Anspruch auf Kurz-Zeit haben, sind bereits angemeldet; es besteht kein Grund, sie zu kündigen, denn gegenwärtig sind sie durch Versicherung und Regierung gedeckt. Eine Kündigung wäre für sie ein herber Schlag und belastet zudem unsere Liquidität.“ Es gebe nur noch einen Hausmeister, eine halbe Gärtnerstelle, ein Nachtwächter und ein Koch, der eine halbe Stelle hat, seien da, zudem eine halbe Stelle für Reservierungskorrespondenz und die Freiwilligen.

In diesem Zusammenhang bedankte sich Bugnyar ausdrücklich bei den Freiwilligen und holte sie „vor den Vorhang“. Sie seien zwölf Monate im Dienst, an der Rezeption, im Café, im Service. Gerade für die älteren Pilger-Gäste leisten sie einen unschätzbaren Dienst, so der Rektor: „Denn unsere Gäste können sich darauf verlassen, dass hier mit ihnen ,österreichisch´ gesprochen wird.“ Die „Zivis“ seien es auch, die es ermöglichen, den Gästen österreichischen Flair und Charme anzubieten. Im Gegenzug könnten die Freiwilligen ein ganzes Jahr den Nahen Osten, seine Anliegen und Aufgaben, aus nächster Nähe erleben. Gerade jene „Zivi“-Gruppe, deren Dienst in den kommenden Tagen und Wochen zu Ende geht, werde in besonders positiver Erinnerung bleiben, weil sie als die „Corona-Generation“ mitgeholfen habe, das Haus durch diese schwierige Phase zu tragen, so Bugnyar: „Sie haben bereitwillig neue Aufgaben und mehr Verantwortung übernommen; eine Stadt im Lockdown ebenso ertragen wie die leeren, trübseligen Straßen.“

(kap – mg)

20 Juli 2020, 10:04