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Die Deutsche Weinprinzessin Carolin Hillenbrand im Interview mit Radio Vatikan Die Deutsche Weinprinzessin Carolin Hillenbrand im Interview mit Radio Vatikan 

Deutsche Weinprinzessin im Vatikan: Religion als „Kitt der Gesellschaft"

Carolin Hillenbrand ist amtierende Deutsche Weinprinzessin. Sie kennt sich jedoch nicht nur mit deutschen Weinen gut aus, sondern auch mit Religion und Politik. Die junge Südhessin hat nämlich einen Master in Politikwissenschaft und Theologie und promoviert derzeit am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Universität in Münster. Im Interview mit Radio Vatikan spricht die 27-jährige aus Heppenheim (Hessische Bergstraße), über ihr Amt, ihre Zeit in Rom, den Vatikan sowie ihren katholischen Glauben.

Zur Aufgabe der amtierenden deutschen Weinprinzessin Carolin Hillenbrand gehört es, die deutschen Weine im In- und Ausland vorzustellen und die Menschen dafür zu begeistern.  Daneben ist sie auch noch in ihrer Pfarrgemeinde als Organistin aktiv, organisiert Taizé-Gebete und beispielsweise auch Weinproben zum Thema Bibel und Wein.

Um den deutschen Wein auch in andere Länder zu tragen, war sie Mitte Juli in Rom. Über Kontakte zur katholischen Studentenverbindung „Capitolina“ und der Päpstlichen Gregoriana-Universität gab sie eine Präsentation über das Weinland Deutschland inklusive Weinprobe im Freien. Die Hessin nahm zudem privat am Angelusgebet mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz teil, besuchte die Glaubenskongregation und den Campo Santo Teutonico - und sie schaute für ein Interview bei uns vorbei:

Radio Vatikan: Sie sind nicht nur die Deutsche Weinprinzessin, sondern haben auch einen Master in Politikwissenschaft und Theologie - katholisch oder evangelisch? - und warum dieses Studium?

Carolin Hillenbrand : „Genau, ich habe Politikwissenschaft und katholische Theologie in Mainz und in Südafrika studiert. Dann bin ich nach Heidelberg und habe diese Fächerkombination fortgesetzt. Jetzt promoviere ich und schreibe meine Doktorarbeit am Exzellenz-Cluster Religion und Politik. Ich habe mich immer für Politik interessiert, für Weltzusammenhänge, da war Politik und Religion sehr naheliegend: Das sind zwei so grundlegende Dimensionen der menschlichen Kultur und des Lebens, dass ich mehr darüber erfahren wollte und ich untersuche jetzt die Rolle der Religion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – also wann kann Religion wie die Menschen zusammenbringen, wann kann sie sie aber auch spalten - und was können wir politisch und kulturell tun, dass Religion ein Kitt und nicht ein Keil in der Gesellschaft werden kann?“

„Was können wir politisch und kulturell tun, dass Religion ein Kitt und nicht ein Keil in der Gesellschaft werden kann?“

Radio Vatikan: Gibt es auch schon erste Ergebnisse, können Sie uns etwas verraten?

Hillenbrand: „Ja, ich habe auch meine Masterarbeit zu diesem Thema geschrieben und auch länderübergreifend angelegt. Da war es so, dass Religion sehr gemeinschaftsstiftend war und Verbundenheitspotential sehr stark generieren kann - wenn es ein inklusives Religionsverständnis ist. Das heißt, wenn man weiß, wo man hingehört und auch gerne in seinen Ritualen aufgeht und so weiter - aber trotzdem die anderen als gleichwertige Geschöpfe Gottes ansieht und ihnen mit Toleranz und Nächstenliebe begegnet.  Das war ein ganz starkes Signal. Auf der anderen Seite gab es auch ein exklusives Verständnis von Religion. Wenn man nur seine Religion als einzig Wahre ansieht. Da gab es dann auch Spannungspotential mit anderen.

„Es ist wichtig, dass die strukturellen oder politischen Rahmenbedingungen so beschaffen sind, dass Dialog zwischen den verschiedenen Religionsgruppen stattfinden kann, man sich aber auch nicht verstecken muss und nicht alles neutralisiert wird.“

Daher ist wichtig, dass die strukturellen oder politischen Rahmenbedingungen so beschaffen sind, dass Dialog zwischen den verschiedenen Religionsgruppen stattfinden kann, man sich aber auch nicht verstecken muss und nicht alles neutralisiert wird, sondern dass man auch über den Glauben frei reden kann, ihn frei ausüben kann. So, dass man gemeinsam spüren kann, wie interessant und vielfältig das ist. Dann kann Religion und Glaube auch sehr stark Gemeinschaft stiften in der Gesellschaft.“

Hier das Interview im Audio

Radio Vatikan: Damit sind Sie auf einer Wellenlänge mit Papst Franziskus, der sich ja für interreligiösen Dialog sehr stark macht, zugleich auch sagt, man solle die eigenen Wurzeln nicht vergessen oder gar verleugnen. Sie hätten sich auch gern mit ihm getroffen, das hat leider diesmal nicht geklappt. Was hätten Sie ihm gesagt?

Hillenbrand: „Ich habe tatsächlich auch eine Verbindung zu ihm, da er ja aus Lateinamerika kommt und ich dort Verwandte habe, in Peru. Ich habe dort auch schon länger gelebt, in Lateinamerika. Ich habe den Papst am Sonntag jetzt auch erleben dürfen auf dem Petersplatz beim Angelus - wobei ich da natürlich schon weit weg gewesen bin. Aber trotzdem: Seine Stimme zu hören und das alles mitzubekommen, ist schön.  Wenn ich ihm begegnen würde, würde ich ihm viele Fragen stellen: Ein bisschen nach Berufung, dann wie es ihm so ergeht und auch, was denn für ihn jetzt die großen Fragen in der Gesellschaft sind.   Ich würde ihn vielleicht auch fragen, was er mir als junger Katholikin und Wissenschaftlerin mit auf den Weg geben will, um einen Beitrag zu leisten für die Weltkirche, für die Gesellschaft.“

Beitrag leisten für die Weltkirche und die Gesellschaft

Radio Vatikan: Sie haben gesagt, Sie würden vom Papst gern wissen, wie Sie den Glauben weiter verbreiten könnten, was Sie tun könnten im Alltag. Wie sieht's denn bei Ihrem Amt aus als Weinprinzessin - lässt sich das mit dem Glauben verbinden, wie äußert sich das da?

Hillenbrand: „Wein ist ja eine Dimension, die wir auch in der Bibel finden. Ich habe viele Weinproben zum Thema „Bibel und Wein“ gehalten. Allein das Wort Wein wird 400 Mal in der Bibel erwähnt. Brot und Wein spielen eine zentrale Rolle, etwa bei unserer Eucharistiefeier. Ich bin Organistin, zum Thema Orgel und Wein habe ich auch schon etwas gemacht. Es finden sich also immer wieder Verbindungspunkte: Einerseits, die Menschen aufzuklären über die deutschen Weine, was es da alles gibt - und gleichzeitig ist man eine Persönlichkeit, und die Leute fragen danach, wer man eigentlich ist und was man sonst noch für Interessen hat. Dann kommt man oft ins Gespräch über Gott und die Welt. Ich würde sagen, dass lässt sich sehr gut vereinbaren.“

Radio Vatikan: Was ist mit den Leuten, die da kommen. Es heißt ja oft, gerade junge Leute sind schwer von der Kirche zu erreichen... Klappt das da auch?

Hillenbrand: „Man muss das immer im Kontext sehen. Vor allem in Westeuropa, da Religion dort nicht mehr so eine Bedeutung spielt und vielleicht auch negativ konnotiert ist – geschichtlich und auch jetzt gerade wegen der Missbrauchsfälle. Natürlich muss man sich da immer irgendwie rechtfertigen. Aber ich gehe gerne ins Gespräch. Ich sage, man kann Dinge nur verändern, wenn man im Inneren des Systems ist. Der einfache Weg ist, zu sagen: ,Ok ich gehe raus‘. Aber das macht man ja im deutschen Staat auch nicht - wenn mir ein Gesetz oder Politik nicht gefällt, gehe ich nicht raus und sage: ,Macht ihr mal jetzt, wie ihr denkt.‘ Man kann auch viel bewegen, selbst im kleinen Rahmen, sich in der Gemeinde engagieren. Es gibt ganz viele tolle Leute und da kann man ein Stück weiter gehen, ein Stück gestalten.

„Wenn man jemandem erzählen will, wer Gott ist, dann zeig ihm was er aus dir gemacht hat.“

Ich glaube, es ist wichtig, den Glauben authentisch und lebendig zu leben - und das gebe ich jetzt weiter, auch an die jungen Leute. Ich war auch Gruppenleiterin. Ich sage immer: Wenn man jemandem erzählen will, wer Gott ist, dann zeig ihm, was er aus dir gemacht hat. Und dann kann ich erzählen vom Glauben, von der Wurzel, die das alles trägt.“

Theologie und... Poesie


Radio Vatikan: Zum Schluss noch eine Bitte, vielleicht sind Sie bereit für ein kleines Experiment - Ich habe gelesen, dass Sie auch Poetry-Slams gemacht haben. Wenn Sie spontan etwas improvisieren wollen – gerne hinaus damit!

Hillenbrand: „Ok!

Was ist der Wein, was kann und soll er sein? Er sieht zunächst aus wie eine Flüssigkeit, chemische Verbindungen, Alkohol, Ethanol - ein Getränk, das zum Trinken steht bereit.

Aber Wein kann soviel mehr sein, als man im ersten Moment denkt - es fängt soviel früher an.

Wein - ein Geschenk des Himmels, Produkt der Natur und der Menschen Hand - das viel Arbeit abverlangt.

Dahinter steckt – wer es entdeckt – unglaublich viel Zeit.  Wir Winzer steh‘n allzeit bereit.

Im Weinberg packen wir ganzjährig an,  unsere Reben ziehen wir wie Kinder heran:  Bangend, uns freuend, ärgernd – alle Emotionen sind dabei.  Manchmal fühlen wir uns erschöpft, manchmal stolz, dankbar und frei. 

Und so ist auch jede und jeder von uns ein edler Tropfen,  von ganz besonderer Art – einmalig und unersetzbar.

Wir sind Geschöpfe Gottes, ein Geschenk des Himmels -  und dafür sind wir unglaublich dankbar.“

Die Fragen stellte Stefanie Stahlhofen.

(vatican news - sst)

27 Juli 2020, 10:00