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Asylsuchende in Genf Asylsuchende in Genf  (AFP or licensors)

Schweiz: Neue Meldestelle für Opfer religiöser Diskriminierung

Menschen, die aus Glaubensgründen ihre Heimat verlassen müssen und in die Schweiz fliehen, sind auch in der Eidgenossenschaft nicht sicher vor Übergriffen aufgrund ihres Glaubens. Die Schweizerischen Evangelische Allianz SEA hat nun eine Beratungsstelle für Integrations- und Religionsfragen gegründet, die solche Übergriffe erfassen, den Opfern helfen und Begleitpersonen von Migranten sowie Behörden unterstützen will.

„Leider ist den Schweizer Behörden zu wenig bekannt, dass Geflüchtete aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit oder wegen ihrer Konversion zu einer anderen Religion wiederholt diskriminiert oder sogar bedroht werden“, begründet die Beratungsstelle in einer Mitteilung die Initiative. Weder die Polizei noch die Asylbehörden würden Übergriffe aus religiöser Überzeugung erfassen. Es fehle deshalb eine statistische Erhebung, schreibt die evangelische Nachrichtenagentur „idea Schweiz“ in einem Artikel. Laut SEA habe es bisher in der Schweiz keine Möglichkeit gegeben, Daten von Vorkommnissen – wie Verspottung, körperliche Gewalt bis hin zu Morddrohungen – zu erheben, welche die Glaubensfreiheit von geflüchteten Menschen teils massiv beschneiden würden.

Meldeformular für Menschenrechtsverletzungen in diversen Sprachen

Deshalb habe die Beratungsstelle für Integrations- und Religionsfragen zur Erfassung solcher Menschenrechtsverletzungen ein ausführliches Meldeformular auf Deutsch, Französisch, Englisch - sowie in Kürze auch auf Arabisch und Farsi - auf ihrer Website aufgeschaltet. Außerdem könnten Asylsuchende, Begleit- und Fachpersonen aus dem Asylbereich Vorfälle auch telefonisch in den genannten Sprachen melden und Hilfe in Anspruch nehmen, schreibt die SEA. Die Beratungsstelle werde eingegangene Meldungen für Statistiken zusammenfassen und anonymisieren.

In den Bundesasylzentren und kantonalen Asylunterkünften seien laut „Livenet.ch“ 80 bis 90 Prozent der Bewohner muslimisch. „Wenn jemand zum Beispiel aus Afghanistan stammt und beim Ramadan nicht mitmacht, muss er sich outen. Als konvertierter Afghane wird dies in einem solchen Umfeld zu einer großen Belastung. Viele werden dann mit den genau gleichen Repressalien konfrontiert, vor denen sie aus ihrem Heimatland geflohen sind – und das in der Schweiz“, sagte ein Mitarbeiter der Beratungsstelle gegenüber Livenet.ch.

Den Stein ins Rollen gebracht hat laut SEA eine umfassende Erhebung des überkonfessionellen christlichen Hilfswerks „Open Doors Deutschland“, die 743 religiös motivierte Übergriffe auf christliche Flüchtlinge in deutschen Asylunterkünften festgestellt habe.

(pm - mg)

02 Mai 2020, 12:34