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Weibliche Häftlinge stellen in einem polnischen Gefängnis Atemschutzmasken her Weibliche Häftlinge stellen in einem polnischen Gefängnis Atemschutzmasken her  (ANSA)

Hinter Gittern: Auf einmal ist die ganze Freiheit weg

„Das Gefängnis ist keine Lösung“, wird Papst Franziskus nicht müde zu betonen. Und auch beim diesjährigen Kreuzweg vor dem Petersdom hat der Papst Gefangene zu Wort kommen lassen. Häftlinge, Opfer von Verbrechen und Strafaufseher einer Haftanstalt im norditalienischen Padua hatten dafür Meditationen geschickt.

Rund 65.000 Insassen befinden sich derzeit in deutschen Justizvollzugsanstalten – ohne Freiheit. Der Rest der Gesellschaft erlebt dieser Tage dank Corona – viele Menschen zum ersten Mal – wie es sich anfühlt, nur einen kleinen Teil der so wertvollen Freiheit opfern zu müssen. Nicht wenige leiden darunter, fühlen sich eingesperrt.

Wirklich vergleichen mit der Situation der Strafgefangenen könne man das aber nicht, sagt Kriminologin Kristin Drenkhahn. Im Gefängnis herrsche eine ganz andere Ausgangsituation, man hat nichts, und alles, was einem an Freiheit gegeben wird, kann einem auch schnell wieder genommen werden. Das Konzept der Freiheitsstrafe sei eben älter als das der Menschenrechte, erklärt Drenkhahn. Sie ist Professorin für Strafrecht und Kriminologie an der Freien Universität Berlin und hat sich auf Strafvollzugsforschung spezialisiert.

Hier können Sie das Interview in voller Länge hören.

Es fehlen gesellschaftlich anerkannte Alternativen zur Freiheitsstrafe

Dass der Papst sich für die Häftlinge einsetze und auch immer wieder das Wort an sie richtet, sei eine schöne Geste, würde aber wenig an der Lebensrealität der Gefangenen ändern, sagt Drenkhahn. Es fehle einfach an konkreten gesellschaftlich anerkannten Alternativen zur Freiheitsstrafe. Die in der Diskussion oft angeregte „Zwangsarbeit“ sei zum einen nicht mit dem Grundgesetz vereinbar und würde zudem sozialversicherungspflichtige Jobs kosten – das sei keine gute Lösung. Ein Täter-Opfer-Ausgleich, bei dem es zu einem direkten Kontakt zwischen den Beteiligten einer Straftat kommt, sei besser geeignet, aber oft schwer umsetzbar.

Gefängnisseelsorger können viel verändern

Die katholische Seelsorge leiste aber einen essentiellen Beitrag, um den Gefangenenalltag zu verbessern. Die Pfarrer vor Ort könnten viel verändern. Wichtig sei dabei, dass sie offen sind für die Anliegen aller Häftlinge. Wichtig sei auch, den Kontakt zu den Gemeinden herzustellen und draußen darüber zu berichten, was im Strafvollzug passiert. Darüber hinaus sei es wichtig für Gefangene, in ihrer Situation einen Sinn im Leben zu finden und Religion sei nun mal ein besonders sinnstiftendes Element. Deshalb sei es wichtig, wenn das Oberhaupt einer großen Kirche zeigt, dass die Gefangenen „draußen“ nicht in Vergessenheit geraten.

(vatican news – mt)
 

20 April 2020, 14:16