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Kardinal Woelki Kardinal Woelki  (ANSA)

Corona: Erzbistum Köln nimmt Patienten aus Italien auf

Das Erzbistum Köln will italienische Corona-Patienten in seinen Kliniken aufnehmen. Das gab der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki am Samstag bekannt.

„Es ist jetzt ein Akt der Nächstenliebe, schnell und unbürokratisch zu helfen“, sagte Woelki. „Deshalb beteiligen wir uns an der Hilfsaktion des Landes Nordrhein-Westfalen und stellen in den katholischen Kliniken des Erzbistums die dringend benötigten Plätze auf Intensivstationen für die italienischen Corona-Patienten bereit.”

Zunächst, so Woelki, könnten sechs Patienten in verschiedenen katholischen Krankenhäusern im Erzbistum untergebracht und intensivmedizinisch versorgt werden.

Am Samstag landete das erste Flugzeug mit zunächst sechs Patienten

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat am Samstag begonnen, mit einem für den Transport von Patienten spezialisierten Airbus der Luftwaffe Corona-Patienten aus Nord-Italien auszufliegen. Die dortigen Krankenhäuser sind wegen der Vielzahl der Corona-Fälle stark überlastet. Es fehlt vor allem an intensivmedizinischen Plätzen und an Beatmungsgeräten.

Zum Nachhören

Am Samstagmittag landete das erste Flugzeug mit zunächst sechs Patienten, die auf verschiedene Krankenhäuser in NRW verteilt wurden. Nach Mitteilung der Landesregierung sollen die Hilfsflüge in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Kardinal Woelki begrüßte die Hilfsaktion des Landes NRW für Italien ausdrücklich. Dies, so Woelki, sei ein ermutigendes Beispiel für „grenzüberschreitende Solidarität und praktische Nächstenliebe“.

„Gerade jetzt auch Migranten und Flüchtlingen helfen“

Zugleich rief der Kölner Erzbischof in einem Video-Beitrag am Sonntag dazu auf, alte oder kranke Menschen in Familie, Freundeskreis oder Nachbarschaft jetzt nicht allein zu lassen. „Es ist schon ein Bild dieser Tage, wie die Tasche mit Lebensmitteln und mit einem großen Herz für den Anderen vor die Tür gestellt wird. Aber auch auf das Gespräch – ob am Telefon oder durch das geöffnete Fenster von draußen - darf nicht abbrechen.“

Allen Menschen, die derzeit besonders gefährdet seien, müsse in dieser Krise unsere volle Solidarität gelten, so Woelki. „Machen wir uns klar: Das sind auch die Kriegsflüchtlinge in Syrien, der Türkei und in Griechenland, deren Schicksal in diesen Tagen in den Hintergrund zu treten scheint.“

Das Elend in der Welt ist nicht von Gott gewollt

Wenn in den Flüchtlingslagern am Rand Europas Covid-19 ausbreche, dann werde es „keine Drive-ins für Tests, keine Intensivmedizin und keine Desinfektionsmittel geben“, sagte der Kölner Erzbischof. „Gleichzeitig stehen hier bei uns in Köln Zimmer und Wohnungen, die eigens für Flüchtlinge eingerichtet wurden, leer – während Minderjährige und besonders schutzbedürftige Flüchtlingskinder und Jugendliche ohne ihre Eltern auf der Straße übernachten müssen oder in völlig überfüllten Flüchtlingslagern auf der Strecke bleiben.“

Das Elend und die Not in aller Welt seien „nicht von Gott gewollt, sondern von uns Menschen selber verursacht“. „Vielleicht hilft uns gerade das gefährliche Virus nicht zu vergessen, was uns als Menschen so wertvoll und einzigartig macht und vielleicht schaffen wir es, dass sich Solidarität stärker verbreitet als das Virus. Dafür müssen wir überall dort, wo wir Not sehen: Handeln!“

(erzbistum köln – sk)
 

29 März 2020, 11:25