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Berlin Berlin  (ANSA)

D: Bischöfe rufen an Weihnachten zu Klimaschutz und Solidarität

Appelle zu gesellschaftlichem Zusammenhalt sowie zu mehr Klima- und Umweltschutz haben die Weihnachtspredigten in den beiden großen Kirchen bestimmt. Einige katholische Bischöfe machten zum Fest der Geburt Christi auch den inhaltlichen Auftakt des kirchlichen Reformdialogs zum Thema.

Bei dem Synodalen Weg wollen Bischöfe und Laien in den kommenden zwei Jahren über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland diskutieren. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx sagte, in der Menschwerdung Gottes nehme dieser jeden „in den Blick und in die Arme“. Wer dieser Botschaft folge, müsse sich für das Wohl der Menschen und der Umwelt einsetzen und dürfe nicht mehr nur das eigene Ich und die eigene Nation sehen, so der Erzbischof von München und Freising. Beispielhaft nannte er die Fridays for Future-Demonstrationen, an denen sich vor allem junge Menschen beteiligen. Ähnlich äußerte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Mit der Geburt Jesu habe die Liebe Gottes menschliche Gestalt angenommen. Diese Botschaft setze „moralische Leitplanken“ gegen jede Form von Egoismus, betonte der bayerische Landesbischof.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warnt vor Gefahren der Digitalisierung. Humanoide Roboter könnten zwar streicheln, lachen und weinen, sagte der Erzbischof. Sie imitierten aber nur menschliche Nähe. „Weihnachten erinnert daran, dass - neben all dem Guten, das mit der Digitalisierung verbunden ist - nichts die wirkliche, menschliche Nähe ersetzen kann.“

Solidarität und Hinwendung

Solidarität und eine Hinwendung zu einem umweltbewussteren Lebensstil mahnte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger an. Der Raubbau an der Natur müsse ein Ende finden. Das Schicksal unzähliger Menschen, „ob bei uns in Not geraten“ oder in Krisengebieten weltweit dürfe niemanden unberührt lassen.

An 4.000 in Griechenland festsitzende Flüchtlingskinder erinnerte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Christen dürften angesichts solchen Leids nicht die Hände in den Schoß legen. „Nur zu sagen, weil andere nichts tun, tun wir auch nichts, ist nicht bethlehemkonform.“ Auch der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt ging auf die Lage der Kinder auf der Insel Lesbos ein, die zum Weihnachtsfest eine neue Debatte über die Aufnahme von Geflüchteten angestoßen hatte. Die Krippe Jesu im Stall von Bethlehem lehre, Not und Armut zu sehen „und nicht daran vorbei oder darüber hinweg zu schauen“.

Ein Plädoyer für mehr Nächstenliebe formulierte auch der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker. Gott werde nur dort Mensch, „wo die Hungernden Brot, die Ausgestoßenen und Ankommenden Entgegenkommen, die Friedlosen Frieden und die Heimatlosen Heimat finden können“. Ähnlich äußerte sich Hildesheims Bischof Heiner Wilmer. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck prangerte eine „rücksichtslose Ausbeutung der Natur“ an. „Wir stehen an einem Punkt, an dem wir uns reumütig und ehrlich eingestehen müssen, dass wir in vielfacher Weise gegen die Schöpfung gesündigt haben und weiterhin sündigen“, sagte er. Notwendig seien nachhaltiges Wirtschaften und ein bescheidenerer Lebensstil. Dafür sprachen sich auch der Limburger Bischof Georg Bätzing und sein Trierer Amtsbruder Stephan Ackermann aus. Gefragt seien gerechte Lösungen für das Zusammenleben der Menschen, so Bätzing. „Wenn wir sie nicht bald umsetzen, gefährden wir die Zukunft unseres Planeten.“ Nach Worten Ackermanns bedarf es eines grundlegenden Umdenkens innerhalb der Staatengemeinschaft, „damit wir uns nicht gegenseitig blockieren und zerstreiten“.

Ökonomie und Ökologie

Der Würzburger Bischof Franz Jung sagte: „Die bisherigen Denkformen in Ökonomie und Ökologie werden uns nicht weiterhelfen, wenn wir unser Denken nicht radikal erneuern.“ Der Kampf gegen den Klimawandel müsse umfangen werden von einem Wandel im Glauben, fügte er hinzu. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke nannte das Fest der Menschwerdung Gottes eine bleibende Aufforderung, die Welt nicht primär aus menschlichen Ansprüchen und ökonomischen Bedürfnissen heraus zu gestalten.

Zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt rief der Bischof von Münster, Felix Genn, auf. Die Botschaft von der Geburt Jesu berge das Potenzial, Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden. Mehrere Bischöfe in Ost und West äußerten Sorge um das soziale Klima in Deutschland und der Welt. Nach Worten des Aachener Bischofs Helmut Dieser tragen auch Politiker zu einem zunehmend rauen Umgangston in der öffentlichen Debatte bei. „Präsidenten und Regierungschefs lügen und kommen mit immer dreisteren Behauptungen durch und werden deshalb gewählt - eben weil sie draufhauen.“

Der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, appellierte dagegen an die Bereitschaft zu Verständigung und Versöhnung. „Wie sehr tut Frieden not, der Freiheit ermöglicht und sichert. Wie sehr braucht es dafür nicht nur politische Abkommen und Verträge, sondern auch den unbedingten Willen des Einzelnen zum Frieden.“ Auf die Sozialen Medien blickte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst. Der Medienbischof der Bischofskonferenz regte an, den Hassbotschaften im Netz und auf der Straße die Frohe Botschaft der Geburt Jesu entgegenzustellen: „Von Liebe lebt unsere Gesellschaft, an Hass, an Lüge, Aggression und Gewalt stirbt das Zusammenleben.“ Auch der Fuldaer Bischof Michael Gerber verurteilte die Verbreitung von Hass und Häme. Dies könne zu schrecklichen Taten führen, wie dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) im Juni. Die Tat hatte offenbar einen rechtsextremen Hintergrund.

Fremdenhass und Antisemitismus

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr wandte sich im MDR Hörfunk mit klaren Worten gegen Fremdenhass und Antisemitismus. Dagegen gelte es, beherzt vorzugehen. „Trauen wir uns aufzustehen. Haben wir den Mut zu handeln. Seien wir nicht verzagt. Damit wir die Erfahrung machen, dass wir nicht allein dastehen.“ Der mitteldeutsche evangelische Landesbischof Friedrich Kramer erinnerte an den Terroranschlag von Halle vor wenigen Wochen: „Das mörderische Denken und Handeln des rechtsextremistischen Attentäters ist eingebettet in eine Verrohung unseres Miteinanders.“ Für viele sei nicht die Nächstenliebe Maßstab, „sondern es sind Eigeninteressen und nationalistische Ideen“.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch richtete sich an die Teilnehmer des Synodalen Wegs. Diese müssten bereit sein, „die anderen mit ihren vielleicht ganz anderen Überzeugungen nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Bereicherung, die uns hilft, unseren notwendigen gemeinsamen Weg vor Gott und mit Gott zu entdecken“. Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ermutigte mit Blick auf den Reformdialog zu Ehrlichkeit und Zuversicht. Es sei „hohe Zeit für uns als Kirche, uns wie Gott auf den Weg zu machen: vom hohen Ross runter“ und wie das Jesuskind in der Krippe „ganz klein“ anzufangen, sagte der Vorsitzende der Glaubenskommission der Bischofskonferenz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf warnte Kirchenvertreter vor Besserwisserei. Im Leben der Kirche gehe es nicht darum, „Macht zu sichern“, betonte Kohlgraf.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße rief dazu auf, sich auf Gottes „Deal“ zu Weihnachten einzulassen. Es sei ein selbstloser Tausch, den Gott mit der Menschwerdung seines Sohnes eingehe. Dabei verzichte er auf jegliche Gegenleistungen, sagte Heße. Wie der Brexit-Deal aussehen werde, wisse noch keiner. Auch ob der Green Deal der EU für eine Klimaneutralität bis 2050 funktioniere, sei offen. Von Gottes „Deal“ zu Weihnachten aber profitierten die Menschen schon heute.

Glaubensverlust und Vertrauenskrise

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode konstatierte einen Glaubensverlust in der Kirche. Dieser gehe einher mit einer Vertrauenskrise. Vielen Menschen sei die Rede der Kirche von Gott und über Gott unglaubwürdig geworden. Zu oft habe man ihn als Begründung für alles Mögliche herangezogen, um der eigenen Meinung und der eigenen Macht Gewicht zu geben und sie unhinterfragbar zu machen. Einen ähnlichen Akzent setzte Bodes Magdeburger Amtsbruder Gerhard Feige. Immer wieder sei der Begriff „Gott“ von Menschen missbraucht worden, um eigene Interessen durchzusetzen. „Und doch ist 'Gott' ein Wort geblieben, das für viele eine Wirklichkeit bezeichnet, die ihrem Leben Halt und Hoffnung geben kann.“

Der Passauer Bischof Stefan Oster hob hervor, Jesus sei auf diese Welt gekommen, „damit wir erkennen, dass letztlich aller Sinn, alle Liebe, alles Leben von Gott geschenkt wird - und nicht von uns gemacht werden kann oder gekauft werden muss“. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bezeichnete die Geburt Christi als eine „Botschaft des Trostes und ein Wort der Ermutigung“. Zugleich biete sie Orientierung in allen Unsicherheiten. In Augsburg sagte Diözesanadministrator Bertram Meier, mit Weihnachten habe jeder Mensch seine Würde von Gott erhalten: egal ob im Mutterleib, behindert oder todgeweiht; egal, welche Lebensbrüche er mitbringe oder welcher Religion er angehöre.

(kna – mg)

25 Dezember 2019, 14:49