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Schweiz: Viele Gläubige, wenig Zugehörigkeitsgefühl

Die katholische Kirche in der Schweiz erreicht eine historisch hohe Mitgliederzahl. Das teilt das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) in St. Gallen an diesem Dienstag mit. Aus der neusten Kirchenstatistik geht hervor, dass die katholische Kirche dank der Migration wachse.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Urs Winter-Pfändler ist Verantwortlicher für die Kirchenstatistik des SPI, zusammen mit dem Institutsleiter Arnd Bünker haben sie an diesem Dienstag die neusten Zahlen in einer Mitteilung vorgestellt. Ihr Fazit bei der Beobachtung der demographischen Entwicklung innerhalb der katholischen Kirche in der Schweiz lautet: Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Sprachregionen und Bistümern, auch wenn die großen Tendenzen ähnlich sind. „Die Entwicklungen der Kirchenstatistik genauer zu verstehen, lohnt sich. Sie zeigen Spielräume und Perspektiven für das Handeln der Kirche“, schreiben Winter-Pfändler und Bünker.

Fast 2,9 Millionen Katholiken

Konkrete Zahlen für nennen sie ebenfalls. Aktuell werden 2.524.414 Katholikinnen und Katholiken ab 15 Jahren in der Schweiz gezählt. Stichjahr ist 2017. Das sind rund 60.000 weniger als im Rekordjahr 2014. Zwar ist mit dem Abflauen der Einwanderungszahl in den letzten Jahren auch die Zahl der Katholikinnen und Katholiken leicht gesunken, im langjährigen Vergleich fehlt es der Kirche aber keineswegs an Mitgliedern, so die Verantwortlichen des SPI. Berücksichtige man die gesamte Bevölkerung, dann komme die römisch-katholische Kirche in der Schweiz auf etwa 2,9 Millionen Gläubige. In der Schweiz leben rund 8,5 Millionen Menschen.

Erhöhte Austrittszahlen

Was die Ergebnisse der Kirchenstatistik 2018 betrifft, so seien zwar erhöhte Austrittszahlen festzustellen. Sie geben aber auch Auskunft über Veränderungen im Verhalten der Kirchenmitglieder. Diese Beobachtungen ließen auf eine „zunehmende Fragilität der Kirchenbindung“ schließen. Mit 25.366 Kirchenaustritten zeigte sich 2018 ein deutlicher Anstieg der Abwendung von der Kirche. Im Vergleich zum Vorjahr, als es 20.014 waren. Die Austritte stiegen um mehr als einen Viertel. Der Grund liege vor allem in häufigen Nachrichten über Missbrauch und Vertuschung in der katholischen Kirche weltweit, so die Erläuterung der beiden SPI-Verantwortlichen. „Diese Berichte stellen häufig konkrete Anlässe dar, um eine ohnehin schwach gewordene Kirchenbindung endgültig zu beenden“, schreiben sie in der Mitteilung. Die Kirchenbindung werde immer fragiler. Kirchenstatistisch zeige sich die Brüchigkeit der Verbindung mit der Kirche vor allem an zwei neuralgischen Punkten: kirchliche Eheschließung und Taufe. Allein in den letzten fünf Jahren sei die Zahl katholischer Trauungen um 20 Prozent gesunken. Seit 2013 sei andererseits die Zahl der Taufen in der Schweiz um 11 Prozent auf 18.568 gesunken. Auch die Zahl der katholischen Kircheneintritte sei 2018 gestiegen. Im langjährigen Trend lasse sich zwar eine vorsichtige Zunahme erkennen, allerdings würden mit 1.121 Kircheneintritten die Austritte keinesfalls kompensiert. Auf einen Kircheneintritt kämen mehr als 20 Kirchenaustritte.

(pm)

26 November 2019, 09:29