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Messgewänder in einer Sakristei Messgewänder in einer Sakristei 

D: Papst-Benedikt-Doku zu Missbrauch ist „manipulativ und tendenziös"

Der deutsche Kinostart des neuen Films „Verteidiger des Glaubens" über Papst Benedikt XVI. und die Missbrauchskrise der katholischen Kirche hat scharfe Kritik hervorgerufen. Der Münchner Publizist und Ratzinger-Kenner Peter Seewald und der bayerische Theologe Christian Schaller äußerten schwere Bedenken.

Seewald bezeichnete in einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost" die Regiearbeit von Christoph Röhl als „Sammlung von Polemiken, Halb- und Unwahrheiten". Sie sei „als Diskussionsbeitrag nicht ernst zu nehmen".

Der Film verschweige etwa, dass Benedikt XVI. rund 400 Geistliche suspendiert habe, darunter auch Bischöfe und Kardinäle, kritisierte Seewald. Eine „brutale Geschichtsfälschung" sei auch, Ratzinger dafür verantwortlich zu machen, dass „die scheußlichen Taten des Gründers der Legionäre Christi nicht aufgedeckt werden konnten". Ratzinger habe Marcial Maciel zwar spät, aber „quasi im Alleingang" zu Fall gebracht.

Dass nicht alle Maßnahmen des deutschen Papstes ins Schwarze getroffen hätten, räumte Seewald ein. Gerade im Vergleich zu seinem Nachfolger Franziskus sei Benedikts Krisenmanagement aber „nicht so schlecht" gewesen.

Auch der bayerische Theologe Christian Schaller, stellvertretender Direktor des Instituts Papst Benedikt XVI. in Regensburg, bewertete den Film als „tendenziös und manipulativ", dies widerspreche dem Anspruch einer Dokumentation. Die Person Joseph Ratzinger werde in einer Weise dargestellt, die nicht mit der Realität übereinstimme. Das liege daran, dass der Regisseur mit dem Vorsatz an sein Thema herangegangen sei, Benedikt als „Komplizen der Missbrauchstäter" darzustellen.

Schaller wies darauf hin, dass Ratzinger bereits in den 1980er Jahren die Schwächen des bis dahin praktizierten Umgangs mit Missbrauch in der Kirche gesehen habe. Er habe die Grundlagen für ein härteres kirchenrechtliches Vorgehen gegen die Täter geschaffen. Diese und andere wesentliche Fakten habe der Film ausgelassen.

Auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hatte den emeritierten Papst am Dienstag gegen den Vorwurf verteidigt, er habe Missbrauchstäter unter katholischen Geistlichen nicht entschieden genug verfolgt. Die Kirche verdanke es Ratzinger, dass 2001 ein eigener Gerichtshof an der Römischen Glaubenskongregation eingerichtet wurde, der Missbrauchstäter streng verurteilt. Dagegen habe es seinerzeit erhebliche Widerstände in der Kurie gegeben, wie Schönborn sagte.

Der Dokumentarfilm „Verteidiger des Glaubens" läuft in dieser Woche in deutschen Kinos an.

(kna – gs)

31 Oktober 2019, 13:07