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Zwei Menschen starben bei dem Anschlag in Halle am Mittwoch Zwei Menschen starben bei dem Anschlag in Halle am Mittwoch  (ANSA)

Synagogen-Angriff in Halle: Solidarität und kirchlicher Aufruf zu mehr Schutz

Für diesen Freitagabend haben Bischöfe zu einer Menschen- und Lichterkette um die am Vortag angegriffene Synagoge in Halle aufgerufen. Nach dem Anschlag drängen auch die Kirchen auf wirksamere Maßnahmen gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus.

Nach der Bluttat in Halle an der Saale haben die Bischöfe in Sachsen-Anhalt für Freitagabend zu einer Menschen- und Lichterkette um die am Mittwoch angegriffene Synagoge in der ostdeutschen Stadt aufgerufen. Sie soll parallel zur Sabbat-Feier ab 18 Uhr stattfinden. Der Magdeburger katholische Bischof Gerhard Feige, der mitteldeutsche evangelische Landesbischof Friedrich Krämer und Anhalts Kirchenpräsident Joachim Liebig erklärten: „Als Zeichen der Solidarität und engen Verbundenheit mit unseren jüdischen Geschwistern wollen wir uns mit einer Menschen- und Lichterkette während der Sabbat-Feier schützend um die Synagogen stellen.“ Am kommenden Montag ist zudem ab 17 Uhr ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in der evangelischen Marktkirche, dem Wahrzeichen Halles, geplant.

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Gegen geistige Brandstiftung angehen

Einen Angriff auf die jüdische Gemeinde sähen sie auch als einen Angriff auf die Kirchen, so die leitenden Geistlichen: „Wir sehen es als unsere Pflicht, jeder Form von geistiger Brandstiftung im politischen, gesellschaftlichen und individuellen Umgang vehement zu begegnen." Es dürfe in Deutschland „nie wieder vorkommen, dass wir uns wegducken, dass wir wegschauen und weggehen, wenn Extremisten, gleich an welchem Rand, menschenverachtende Angriffe auf Synagogen sowie unsere Religions- und Glaubensfreiheit, genauso wie auf andere wesentliche Menschen- und Grundrechte verüben".

Warnung vor alten Mustern

„Gegen Judenhass muss noch viel konsequenter vorgegangen werden als bisher“, erklärten am Donnerstag die Leiter des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Dagmar Mensink und Rabbiner Andreas Nachama.

„Christen haben hier eine besondere Verantwortung, denn sie kennen die Muster der alten Judenfeindschaft, die heute in neuen Gewändern wiederkehren.“ Mensink und Nachama kritisierten, „dass eine solche Gewalt verbunden mit einer großen medialen Selbstinszenierung des Täters in Deutschland verübt werden konnte“. Auch sei es zu wenig, es als Tat eines Einzelnen zu betrachten. „Weit verbreitete Verschwörungsfantasien und gemeinsam geteilter Hass gegen 'die Juden' im Netz und im Alltag bilden den Nährboden für diese menschenverachtende Gewalt.“

Bischof Neymeyr: Juden nicht nur punktuell schützen

Bischöfe der beiden großen Kirchen forderten mehr Schutzmaßnahmen für die jüdische Gemeinschaft. Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr rief in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur dazu auf, alles zu tun, dass „dauerhaft, nicht nur punktuell, jüdische Einrichtungen geschützt sind und Juden, ohne Angst zu haben, sich versammeln und Gottesdienste feiern können“. Zudem sagte Neymeyr, der in der Deutschen Bischofskonferenz für die Kontakte zum Judentum zuständig ist: „Aufrufe zu antisemitischen Hasstaten und selbstverständlich diese selbst müssen konsequent vom Rechtsstaat verfolgt werden.“

Evangelischer Bischof: Geschichtsfälschung darf nicht hoffähig werden

Auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße mahnte: „Wir müssen ernsthafter als bisher darüber nachdenken, wie jüdische Mitbürger in Deutschland sicher leben können.“ Der Dresdner katholische Bischof Heinrich Timmerevers wertete die Tat als "Anschlag auf alle, die sich zu einem friedlichen und freiheitlichen Miteinander bekennen".

Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing erklärte: "Nur durch eine Haltung, die niemanden ausgrenzt und durch eine feste Solidarität mit allen Menschen, gleich welcher Herkunft, Kultur oder Religion kann es uns gelingen, dem rechtsextremen Tun ein Ende zu bereiten". 

Der evangelische Landesbischof von Baden-Württemberg, Frank Otfried July, äußerte sich ebenfalls tief traurig und erschüttert. July mahnte zu „widersprechen, wenn dumpfes Geraune hörbar oder Geschichtsfälschung hoffähig wird“.

(kap/kna – tg/pr)

11 Oktober 2019, 10:41