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Dr. Elisabeth Birnbaum vom österreichischen Bibelwerk Dr. Elisabeth Birnbaum vom österreichischen Bibelwerk 

Österreich: „Bibelsonntag ist Anregung für gute Predigten“

Papst Franziskus hat den dritten Sonntag des Tempus ordinarius zum Bibelsonntag erklärt. Darüber sprach Radio Vatikan mit der Direktorin des Österreichischen Bibelwerkes, Elisabeth Birnbaum.

Claudia Kaminski - Vatikanstadt

Birnbaum hofft, dass durch die Initiative des Papstes Gläubige die Bibel wieder häufiger in die Hand nehmen. Allerdings gebe es auch verschiedene Wege mit der Bibel umzugehen, ergänzt sie. Das Motu Proprio sieht sie als Anregung auch konkret für die Priester: „Wenn von Seiten der Priester das zum Anlass genommen wird, einmal eine wirklich gute, fundierte Predigt zu machen, eine Schriftauslegung - so wie Papst Franziskus das auch schreibt, wie wichtig das ist - da wäre schon sehr viel gewonnen!“

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Die Alttestamentlerin betont, ein solcher „Sonntag des Wortes Gottes“ sei ein lang gehegtes Anliegen des Bibelwerkes, das man immer wieder eingebracht habe: „Ich denke, es ist wichtig, die Bibel mindestens einmal im Jahr in den Vordergrund zu stellen. Wir haben in der Liturgie einen Tisch des Wortes und einen Tisch des Brotes.“ Der Tisch des Brotes habe mit Fronleichnam einen eigenen Festtag, da habe ein Tag für den Tisch des Wortes gefehlt, so Birnbaum. 

Bibel als Ausgangspunkt für Ökumene

Auch wünscht sie sich für diesen Tag dann Initiativen, welche die Bedeutung von Lektorinnen und Lektoren hervorheben, damit diese sich auch ihrer Aufgabe bewusster werden. Selbst aus der Exegese kommend, betont Birnbaum auch den ökumenischen Aspekt des Bibelsonntages: „Die Bibel ist etwas, wo Katholiken und Protestanten besonders leicht ins Gespräch kommen, wo es am wenigsten dogmatische Unterschiede gibt.“

„Die Bibel ist etwas, wo Katholiken und Protestanten besonders leicht ins Gespräch kommen, wo es am wenigsten dogmatische Unterschiede gibt.“

Erfreulich findet Birnbaum zudem, dass der Tag in die Nähe des Tages des Judentums fällt. Dadurch könne man auch mit den jüdischen Brüdern und Schwestern mehr in Kontakt kommen und die Gemeinsamkeiten mehr betonen. Die Expertin macht deutlich, dass die Protestanten natürlich eine längere Tradition des Bibellesens haben als Katholiken, bei denen sich die Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erst ergeben habe. Sie sieht auch, dass es schwierig sein kann, die Bibel allein zu Hause zu lesen, wenn Fragen offen bleiben.

Bibelwerk begrüßt Initiative des Papstes

Das Bibelwerk wolle Hilfestellungen bieten, das manchmal als sperrig empfundene Wort Gottes besser zu verstehen. Auf die Frage, ob die neue Bibelübersetzung da nicht eher hinderlich sei, meint Birnbaum: „Sie ist sehr daran orientiert, dass man ein bisschen die alten Sprachen spürt, wie die alten Sprachen denken und formulieren. Natürlich ist sie dadurch an manchen Stellen auch ein wenig sperriger geworden.“ Das sei oft nicht leichter als früher zu verstehen, aber manchmal ergebe sich auch ein willkommener Stolperstein für Menschen, welche die Texte schon zu oft gehört hätten. In jedem Fall wird das Bibelwerk den neuen Tag der Bibel für Öffentlichkeitsarbeit nutzen: „Bei uns laufen ja gerade Bibeljahre seit dem 1. Advent 2018 bis 2021. Da ist es für uns natürlich wunderbar, dass gerade jetzt diese Initiative des Papstes kommt.“

Papst Franziskus hatte einen solchen Bibelsonntag zum Abschluss des außerordentlichen Jahres der Barmherzigkeit in Erwägung gezogen, damit die Menschen sich mehr mit dem Wort Gottes beschäftigen. Mit dem Motu proprio hat er diesen Bibelsonntag jetzt eingesetzt.

(vatican news) 

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30. September 2019, 12:35