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Düne in Senegal Düne in Senegal  (AFP or licensors)

Österreich/Senegal: Ernährungskrise wegen Klimawandel

Während Europa derzeit Sommerhitze und Starkregen zu schaffen macht, sind die Folgen der Klimaveränderungen in Westafrika für immer mehr Menschen existenzbedrohend: In Senegal etwa sorgen die höheren Temperaturen für regelmäßige Ernteausfälle und in Folge Ernährungsknappheiten. Das haben die Caritas-Direktoren aus zwei Diözesen des Landes, Bertin Geoffroy Sagna und Fulgence Coly, dieser Tage im Interview mit „Kathpress“ dargelegt.

Beide besuchten Österreich auf Einladung der Caritas St. Pölten, die schon seit Jahrzehnten Ernährungs- und Bildungsprojekte im Senegal fördert. In den vergangenen 25 Jahren ist die sonst von Juli bis Oktober dauernde Regenzeit in den östlichen Landregionen Senegals um mehr als vier Wochen kürzer geworden, erläuterte Sagna die konkreten Veränderungen vor Ort. Die Flussmündungen und auch die Reisanbauflächen versalzen, etliche Pflanzenarten sind bereits ausgestorben und der Grundwasserspiegel sinkt immer tiefer. Um Gemüse und Getreide anzubauen - vor allem Hirse, Mais und Quinoa - brauche es Brunnen von 20 bis 30 Metern Tiefe, wobei selbst 60 Meter keine Seltenheit mehr sind.

„Doch auch wenn der Bauer alle seine Kenntnisse und Energie einsetzt, erntet er manchmal nur einen halben Sack“, so der Caritas-Direktor von Tambacounda. Für die Bevölkerung gehen dies an die Existenz: Die „Durchhaltezeiten“ - das ist jene Periode am Ende der Trockenzeit, bei der die Vorräte und auch die Finanzmittel der Landbevölkerung fast oder ganz zu Ende gegangen sind - dauern von Mal zu Mal länger. „In vielen Familien gibt es dann nur noch eine Mahlzeit pro Tag, auch für die Kinder. Wir beobachten, dass in den letzten Jahren immer häufiger sogar das Saatgut aufgegessen wird, da der Hunger so sehr plagt“, so Sagna. Ähnlich werden aus Geldnot die letzten Bäume gefällt und das Holz verkauft - wobei jedoch ein Schaden für die Landschaft über Generationen bleibt.

Sozialgefüge ist am Zerbrechen

„Schlimmer kann es anderswo kaum sein: So denken viele, wenn der Brunnen plötzlich versiegt“, schilderte der senegalesische Priester die Verzweiflung der Bevölkerung vor Ort. Viele Landbewohner suchten ihr Heil in der Migration - vor allem in den Städten, wo sie oft unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiteten und lebten, jedoch auch Europa ist in der Vorstellung nicht mehr allzu weit weg. In den Dörfern fehlten die Arbeitskräfte dann meist, nur die Kinder und alten Menschen wohnten hier. Das Sozialgefüge sei am Zerbrechen, auch die Ehen: Mütter kämen öfters mit dem Baby eines anderen Mannes zurück.

Unter Mobilisierung aller Kräfte versucht die Caritas, der Bevölkerung Alternativen vor Ort zu bieten und bei der Anpassung an die Klimaveränderungen zu helfen, um Ernten zu retten und Ausfälle auszugleichen. Fulgence Coly, Caritas-Direktor in Zinguinchor, nannte hier in erster Linie die Wassertechnik: Dämme werden errichtet und renoviert, das Regenwasser besser aufgefangen, Regenprognosen gezielt genutzt und Flüsse und Felder vor dem Eindringen von Salzwasser geschützt. In Tambacounda kommt Saatgut mit kürzerem Reifezyklus zum Einsatz, es werden gemeinschaftlich-solidarische Lagerräume („Getreidebanken“) sowie Schulungsgärten eingerichtet und die Kleintierzucht gefördert.

Gesundheit der Kinder verbessern

Als vorrangiges Ziel nannten die beiden Caritas-Vertreter, die Gesundheit der Kinder zu verbessern. Mit Unterstützung auch aus Österreich von der Caritas und der Entwicklungszusammenarbeit, wurde dazu ein Ernährungsprogramm gestartet, das sich an Kinder vom Neugeborenenalter bis zum fünften Lebensjahr wendet. Um Familien widerstandsfähig gegen Ausfälle zu machen, setzt man zudem darauf, sie möglichst breit aufzustellen und neben der Landwirtschaft auch Hühner, Fische oder Rinder zu züchten. Weitere Caritas-Projekte widmen sich der Errichtung von Mühlen für Frauen oder der Förderung der Reisproduktion.

(kap - mg)

01 August 2019, 12:39