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Monsignore Bernhard Schröder: Die Haltungen von Maria und Marta im Sonntagsevangelium Monsignore Bernhard Schröder: Die Haltungen von Maria und Marta im Sonntagsevangelium 

Unser Sonntag: Aktion versus Kontemplation

Zwei Frauen - zwei Haltungen. Nach Jesu Urteil ist eine die Bessere: Das Stillwerden, das Offensein, das Hören auf Sein Wort - eben das Kontemplative. Aber auch die häuslichen Tätigkeiten sind notwendig. Dies erläutert der Subsidiar aus Drolshagen, Bernhard Schröder, in seinem aktuellen Kommentar.

Bernhard Schröder
Lk 10, 38 – 42

Liebe Schwestern und Brüder !

Jesus ist zu Gast bei den Schwestern Marta und Maria in Bethanien; ihr uns aus dem Johannes-Evangelium bekannte Bruder Lazarus ist vermutlich nicht im Haus. Gastfreundschaft wird im Orient sehr groß geschrieben.

Unser Sonntag - zum Nachhören:

So bemüht sich Marta engagiert und intensiv um das leibliche Wohl ihres befreundeten Gastes. Lukas bemerkt, dass sie ganz davon in Anspruch genommen ist. Ihre Schwester Maria dagegen setzt sich Jesus zu Füßen und lauscht andächtig seinen Worten- damals im Orient für eine Frau unüblich. Der Rede eines Lehrers zuzuhören, war allein Männern vorbehalten. Unschwer lässt sich vorstellen, dass die angestrengt arbeitende Marta über das untätige Verhalten ihrer Schwester verärgert war. Sie sprach dies Jesus gegenüber ganz offen von der Seele, ob es ihn nicht kümmere - wörtlich heißt es im griechischen Text: „Geht es dir nicht zu Herzen?“, dass sie mir allein die Arbeit überlässt. Sie fordert von Jesus, dass er Maria zur Hilfe auffordern solle. 

“ Maria hat das Bessere erwählt. ”

Jesus zollt Marta Anerkennung für ihre emsige Tätigkeit: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen“ (Lk 10,41). Gleichzeitig stellt er aber das aufmerksame Zuhören der Maria als vorbildlich hin: „Maria hat das Bessere erwählt!“ (Lk 10,42). Damit beendet Lukas diese Szene. Zwei Frauen - zwei Haltungen - die Aktive und die Kontemplative.
Nach Jesu Urteil ist aber eine die Bessere: Das Stillwerden, das Offensein, das Hören auf sein Wort - eben das Kontemplative.
Aber zweifelsohne sind die häuslichen Tätigkeiten, die Sorge um die Familie oder um den Gast unerlässlich. Was wäre, wenn nicht Frauen und Männer aktiv wären in der Familie, bei der Erziehung der Kinder, in der begleitenden und pflegerischen Sorge um alte und kranke Verwandte, im Beruf, in der Gesellschaft, im Vereinsleben? Zupackende Aktivität ist gefordert. Auf keinen Fall soll das eine gegen das andere ausgespielt werden. Aber ich denke, dass gerade in unserer Zeit vielfach die kontemplative Seite zu kurz kommt.

Stress erstickt die Möglichkeit für innere Ruhe

Überall nehmen uns Hektik Zeitmangel, hohe Anforderungen in Beschlag und treiben uns vor sich her. Stress gibt es bereits in der Schule, dann im Beruf, im Einsatz für andere, bei stets größer werdenden Freizeitaktivitäten. Dieser Stress erstickt häufig die Möglichkeit, Zeit und innere Ruhe zu finden für die Begegnung mit Gott und das sich „Beschenkenlassen“ von ihm.
Aber das ist für uns Christen notwendig, wie die Luft zum Atmen oder für den Fisch das Wasser. Hilfe und Dienste für andere gab es auch bereits lange vor dem christlichen Glauben bei vielen Religionen und philosophischen Lehren. Christlich zu leben heißt aber eben auch, in der Verbundenheit mit Jesus Christus zu leben, auf sein Wort zu hören und in den Sakramenten und im Gebet sich die Gemeinschaft mit ihm als wertvolle Gabe schenken zu lassen Und gerade deshalb legt der Herr uns die hörende Haltung der Maria ans Herz. Er will er mit seiner Weisung auf keinen Fall die Kontemplation gegen das Aktivsein in Konkurrenz treten lassen.

...alles hat seine Zeit

Je nach Lebenssituation kommt die Betriebsamkeit oder die Kontemplation mehr zum Tragen Die Arbeitszeit lässt weniger Spielraum für die Haltung der Maria als der Sonntag oder der Urlaub.
Die berufstätige Mutter von zwei Kindern ist mehr zur Aktivität herausgefordert als eine Nonne im kontemplativen Orden. Der junge Mann, der seine Existenz aufbaut, muss ungleich mehr intensiv tätig sein als die berentete Krankenschwester. So wird es im Lauf eines Lebens und eines Wochenablaufs unterschiedliche Tendenzen zur einen wie zur anderen Seite geben. Der Herr gebietet uns aber, dass wir uns in den persönlichen, familiären und beruflichen Herausforderungen des täglichen Lebens nicht verlieren. Mit dem „Besseren“ , das Maria gewählt hat, weist er uns hin auf die innere Mitte, die er selbst ist.
Aus dieser Mitte dürfen wir leben, unser Leben, Welt und Kirche gestalten sowie sorgend für andere da sein.
Gerade der Sonntag will uns als Herrentag immer wieder liebevoll zu dieser Mitte, zu Jesus Christus hinführen und uns mit ihm verbinden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten und frohen Sonntag und schließe mit einem kleinen Gebet:

Hab Geduld mit uns, Herr

Hab Geduld mit uns, Herr, wenn wir alles „recht“ machen wollen:

dies tun und jenes, die Hände nicht stillhalten können.

Wenn Termine und Pläne den Kopf füllen und auch das Herz.

Wenn dein Wort nicht ankommen kann. 

Hab Geduld mit uns, Herr,

wenn wir auf Lob warten und Anerkennung,

wir, die alles „recht“ machen wollen.

(vatican news – claudia kaminski)
 

20 Juli 2019, 10:55