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Flüchtlinge: „Es muss gehandelt werden, und zwar schnell“

Es geht wieder einmal um Bootsflüchtlinge: Mit einem dringenden Appell wendet sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, an die Öffentlichkeit.

„Seit fünf Tagen liegt das zivile Seenotrettungsschiff Sea Watch nun mit 43 geretteten Flüchtlingen vor der Küste von Italien und wird vom italienischen Innenminister daran gehindert, in den Hafen einzulaufen.“ Das sagt Bedford-Strohm in einer Videobotschaft auf Twitter. Und weiter, noch zum Innenminister: „Er droht den zivilen Seenotrettern mit Strafen bis zu 50.000 Euro.“

Der italienische Innenminister Matteo Salvini ist Chef der rechtsnationalistischen Partei Lega – und setzt sich für eine umstrittene Unterbindung der Aufnahme von Flüchtlingen in Italien ein. Mit seiner Politik der für Seenotrettungsschiffe geschlossenen Häfen („porti chiusi“) hat er seine Partei in den Umfragen an die Spitze der Beliebtheitswerte gebracht.

„Diese Situation ist unerträglich“

Die italienische Kirche und der Papst, dem das Thema Flüchtlinge sehr am Herzen liegt, sehen dem Aufstieg der Lega mit Entsetzen zu. Immer wieder kommt es zu einem unwürdigen Tauziehen um Bootsflüchtlinge.

Bedford-Strohm: „Diese Situation ist unerträglich. Sie widerspricht allen Werten, für die Europa steht. Deswegen muss jetzt schnell gehandelt werden!“

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Ein Angebot aus Rottenburg

Die „Sea-Watch 3“ liegt seit ein paar Tagen vor der Küste der Mittelmeerinsel Lampedusa fest. Lampedusa war 2013 das erste Ziel von Papst Franziskus nach seiner Wahl: Er besuchte die Insel im Sommer, feierte eine Messe mit den Einwohnern und mit Migranten und warf von einem Schiff aus einen Kranz ins Meer, um an die Hunderte von Migranten zu erinnern, die beim Versuch, von Afrika nach Europa überzusetzen, ums Leben kommen.

Bedford-Strohm hat die Crew von Sea-Watch Anfang Juni besucht. Jetzt hat er einen konkreten Appell:

„Der Bürgermeister von Rottenburg hat angeboten, einen Bus zu schicken und die 43 Geflüchteten in seiner Stadt aufzunehmen. Ich appelliere dringend an die politisch Verantwortlichen in Deutschland, diesen Weg zu ermöglichen und nicht zuzulassen, dass Flüchtlinge, die Schlimmes erlebt haben, auf dem Schiff festsitzen und nicht an Land dürfen. Es muss gehandelt werden, und zwar schnell!“

Zehn durften an Land

Am letzten Wochenende hat Italien zehn Migranten erlaubt, an Land zu kommen: Das waren Familien mit Kindern sowie Kranke. Die restlichen 43 harren mit der Crew weiter an Bord aus. Am Freitag hatte Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher die Aufnahme der insgesamt 53 Personen angeboten, die am Mittwoch vor der libyschen Küste geborgen worden waren. Er sagte in Berlin, wenn der politische Wille da sei, gebe es auch Wege.

Das Bistum Rottenburg-Stuttgart unterstützt den Einsatz des Bürgermeisters. Der Flüchtlingsbeauftragte des Bistums, Ludwig Rudloff, sagte „die uneingeschränkte Solidarität und Unterstützung der Diözese“ zu, hieß es in einer Mitteilung vom Montag. Inzwischen schlossen sich etliche weitere deutsche Städte der Initiative an und erklärten sich ebenfalls bereit, von Sea Watch gerettete Migranten aufzunehmen.

(sea-watch/vatican news/kna – sk)
 

18 Juni 2019, 10:56