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EU-Bischöfe: Erfreut über hohe Wahlbeteiligung und Rolle der Jugend

Die EU-Bischöfe sehen die Wahlen vom Wochenende positiv: es sind mehr Wähler zur Urne gegangen, es gab keinen Erdrutschsieg von Rechtspopulisten und Anti-EU-Kräften - und junge Europäer hätten vor allem Öko-Parteien ihre Stimme gegeben, was im Lichte von Laudato Si positiv zu bewerten sei. Das hebt der Vorsitzende der EU-Bischofskommission COMECE, der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich, im Interview mit uns an diesem Montag hervor.

Vatican News: Herr Erzbischof, wie bewerten Sie die Resultate dieser EU-Wahlen?

Hollerich: Das erste Resultat, was mich sehr gefreut hat, ist die Tatsache, dass mehr Leute zu Wahl gegangen sind. Die Wahlbeteiligung war höher als vor fünf Jahren. Das ist gut. Die Bürger nehmen ihre Verantwortung für Europa ernst. Man sieht, dass Europa wichtig ist für das konkrete Leben der Menschen. Wir hatten im Vorfeld als EU-Bischöfe diesbezüglich einen Aufruf gestartet. Ich glaube zwar nicht, dass dies nur das Resultat unseres Appells ist, aber wir freuen uns, dass mehr Leute an der Wahl teilgenommen haben.

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Das zweite ist: es gibt keine Sperrminorität der populistischen Parteien. Und der dritte Punkt betrifft die künftigen Bündnisse im EU-Parlament. Zwei Gruppen allein haben nicht die Mehrheit im Parlament. Es bedarf eines Bündnisses mit einer dritten Gruppe. Sie müssen also miteinander sprechen. Und das ist nicht schlecht. Das erlaubt, die Themen zu vertiefen und dass alle wirklich auf das Wohl der einzelnen Menschen in Europa ausgerichtet sind.

Ich stelle auch fest, dass die ökologischen Parteien bei der Jugend gepunktet haben. Das ist sehr wichtig, weil das heißt, dass auch die anderen Parteien und Gruppen diese ökologischen Themen nicht ignorieren können, wenn sie bei der Jugend punkten wollen. Somit wird eine integrale Ökologie in dem neuen EU-Parlament eine wichtige Rolle spielen. Da können wir uns ja mit Laudato Si nur beglückwünschen. Wie das ganz genau ausgeht, weiß man ja noch nicht. Werden die Gruppen wie bisher bleiben oder sich doch anders aufstellen? Und wie würden sie sich anders gestalten? Wie werden dann die Mehrheiten sein? Das wird man in den nächsten Wochen und Monaten sehen. Ich hoffe nur, dass alle diese Prozesse irgendwie öffentlich sein werden.

Es wäre sonst schlecht, wenn die Leute das Gefühl bekommen, man geht wählen und dann wird sowieso alles hinter den Kulissen gemauschelt. Die Wahl muss sich auch auf das reflektieren, was danach politisch geschieht.

Vatican News: Sie haben die Ökologie angesprochen. An diesem Montag gab es im Vatikan auch eine Botschaft zum Thema Migration und Flüchtlinge und auch das war ja ein wichtiges Thema während des Wahlkampfes in vielen EU-Mitgliedsländern. Was sagen Sie dazu?

Hollerich: Ich sehe, dass wir eine Lehre des Papstes haben und als Bischof bin ich zunächst von dieser Lehre und Botschaft berührt. Ich kann mich dem nur anschließen, was der Papst dazu sagt. Der Papst sagt uns in seiner Botschaft, dass es nicht nur um Flüchtlingen geht, sondern um uns alle. Es geht ihm darum, dass jeder ein glückliches Leben führen darf. Es geht darum, dass wir noch Menschen bleiben, die teilen können. Und es geht ihm darum, dass man nicht bereit ist, die eigene Seele zu verkaufen und dass Europa seine eigene Seele nicht verkaufen darf.

Das ist eine Botschaft – so spüre ich das – auch an die Kirche in Europa, dass wir noch aktiver werden müssen und uns bekehren müssen. Wir müssen das Gepredigte auch so gut wie möglich leben und dass das sichtbar wird. Die Aufnahme von Flüchtlingen hilft uns, bessere Christen zu werden.

Vatican News: Was hoffen Sie als COMECE-Präsident für die Zusammenarbeit mit dem neuen EU-Parlament?

Hollerich: Man müsste die Parlamentarier an die Orte bringen, wo die Menschen nicht nur Statistikzahlen sind, sondern wo sie die Geschichten dieser Menschen hören und die Gesichter sehen. Wenn man merkt, dass in den libyschen Camps Menschen regelrecht verkauft werden, dann kann man doch nicht einfach nur groß von europäischen Werten sprechen. Wenn man merkt wie Italien oder Griechenland bei der Flüchtlingsfrage ganz allein gelassen worden sind und die europäische Solidarität nicht gewirkt hat und bei der das Dublin-Abkommen nur bemüht wurde, um Flüchtlinge vom eigenen Land fernzuhalten, dann ist das sicher mit diesen europäischen Werten nicht vereinbar und dass muss die Kirche auch weiterhin sagen. Wir sind offen, mit allen Menschen guten Willens von allen Gruppierungen und Parteien zu sprechen.

Das Gespräch führte Mario Galgano.

(vatican news)

27 Mai 2019, 14:16