Suche

Vatican News
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen 

Deutscher „Europa“-Bischof: EU-Wahlen sind ein „Reifebeweis“

Brexit? Ibiza-Video? Populisten? Bringen den deutschen „Europa“-Bischof Franz-Josef Overbeck nicht aus der Ruhe. Die bevorstehenden Europawahlen seien „ein normaler demokratischer Vorgang“, sagte der Essener Bischof im Gespräch mit Radio Vatikan am Freitag.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Für Overbeck, der zu den besonnensten Naturen in der Deutschen Bischofskonferenz gehört, ist gerade die Normalität das herausstechende Merkmal dieser Wahlen. „Angesichts unserer Geschichte und auch der verzweigten Historie manch anderer Länder ist das keine Selbstverständlichkeit. Ich finde, das ist ein Reifebeweis, den wir hochschätzen sollten!“

Die EU sei als „Friedensprojekt“ gestartet, und das müsse allerdings jeder Generation von neuem vermittelt werden, so der Ruhrbischof: „Das sieht man am Wahl- und Wählerverhalten in manchen Ländern, gerade was europa-skeptische Parteien angeht, die an Zustimmung gewinnen.“

„Es lohnt sich, auf die zu setzen, die weiter für Europa und mit Europa gehen“

Für die Kirche sei klar: „Es lohnt sich, auf die zu setzen, die weiter für Europa und mit Europa gehen – zumal wir ja auch sehen, dass viele Zusammenhänge im Politischen, Wirtschaftlichen und Sozialen nur dann vorangebracht werden können, wenn wir es gemeinsam tun! Allein kann keiner mehr solche Wege gehen.“

Ein gemeinsames europäisches Bewusstsein muss immer wieder neu erworben werden

Aus der Herausforderung durch europa-skeptische Parteien muss nach Ansicht von Bischof Overbeck zweierlei erwachsen: „Zum einen ein reflektiertes Bewusstsein auf die Gründe. Die immer wiederholten, bekannten Antworten auf die Probleme, die wir heute haben, sind nicht mehr gültig. Und zum anderen: Ein gemeinsames europäisches Bewusstsein muss immer wieder neu erworben werden.“ An beidem zu arbeiten, sei auch Aufgabe der Kirche.

Hier können Sie das Interviews mit Bischof Overbeck hören.

Natürlich sieht auch der deutsche „Europa“-Bischof, dass es in der EU bei vielen Punkten nicht vorangeht. (Während des Interviews kündigte die britische Premierministerin Teresa May ihren Rücktritt für Anfang Juni an.) Doch Gedankenspielen über ein vorwärtsstürmendes Kerneuropa erteilt Overbeck eine Absage.

 

Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten ist schwierig...

„Nein, ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten ist einfach schwierig – so wie wir das ja auch im Rahmen unserer Kirche nicht können. Wir wissen, dass wir in allen Ländern eigene Dynamiken wahrzunehmen haben, aber in grundlegenden Fragen, die uns zusammenhalten, Perspektiven und Zielen, die uns nach vorne treiben, müssen wir beieinander bleiben.“ Das gelte, auch wenn sich für einige Probleme auch „regional bestimmte Lösungen finden“ ließen.

Von Klagen über absterbende christliche Wurzeln Europas hält Bischof Overbeck wenig, wie er in dem Interview ebenfalls klarmacht. „Ein überzeugtes Christentum hat Kraft und ist nicht nur abhängig von der Anzahl der Gläubigen.“ Er rate nicht zu einem „Lamentieren und Zurückschauen auf das, was wir nicht haben zustande bringen können.“

(radio vatikan)
 

24 Mai 2019, 14:22