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Papst Franziskus und der Churer Bischof Vitus Huonder Papst Franziskus und der Churer Bischof Vitus Huonder  (Vatican Media)

Schweizer Theologe: „Verschiedene Strömungen in Balance halten"

Der Schweizer Theologe Niklaus Herzog zeigt auf, warum aus seiner Sicht das Bistum Chur in den letzten Jahrzehnten von „konservativen“ Bischöfen geleitet wurde. Nur bei diesem Bistum habe der Papst die Möglichkeit, auf die Kirche in der Deutschschweiz einzuwirken – und das sei gut so.

Niklaus Herzog erinnert daran, dass die Bischöfe von Basel und St. Gallen von den jeweiligen Domkapiteln gewählt werden. Dem Papst komme es lediglich noch zu, den ihm präsentierten Bischof zu ernennen, schreibt der Theologe in einem Gastkommentar in der „Neuen Zürcher Zeitung“. Auch beim Abt von Einsiedeln, ebenfalls Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), kann der Papst nicht mitreden, denn dieser wird von den Mönchen des Klosters Einsiedeln gewählt.

Unterschiedliches Wahlprozedere

Somit bleibe für Rom nur das Bistum Chur, „um über einen Personalentscheid auf das kirchliche Geschehen in der Deutschschweiz einzuwirken“, schreibt der ehemalige Geschäftsführer der Ethikkommission des Kantons Zürich und verweist auf das unterschiedliche Wahlprozedere in der Diözese Chur. Dort legt der Papst dem Domkapitel eine Liste mit drei Kandidaten vor, aus dem das Gremium den Bischof wählen muss.

Darum sei das Bistum Chur in den letzten Jahrzehnten von konservativen Bischöfen geleitet worden und bilde ein Gegengewicht zum Kloster Einsiedeln und den Bistümern Basel und St. Gallen mit ihren „progressiven“ Vorstehern. In den überdiözesanen Gremien wie etwa der SBK müssten Chur, Basel und St. Gallen immer wieder darum ringen, einen gemeinsamen Standpunkt zu finden und „die verschiedenen Strömungen in der Balance zu halten“.

Gegen eine „helveto-katholischen Sondergruppe“

Für Herzog ist es deshalb offenbar sinnvoll, wenn auch der Nachfolger von Vitus Huonder, dessen Amtszeit auf unbestimmte Zeit verlängert worden ist, ein konservativer Geistlicher ist. Ein solcher würde garantieren, dass die unterschiedlichen Strömungen in der katholischen Kirche der Deutschschweiz repräsentiert bleiben. Andernfalls würde die römisch-katholische Kirche definitiv eine „helveto-katholische Sondergruppe“, die den Anschluss an die Weltkirche verlöre, befürchtet der Theologe.

(kath.ch – ap)
 

26 April 2019, 12:02